Familiensinn

Kürzlich traf ich auf eine Runde arabischer Frauen. Es wurde geplaudert, gelacht und köstliches Gebäck gereicht. Mein Interesse galt herauszufinden, wie Frauen aus anderen Kulturen uns europäische Frauen sehen und erleben. Alle Frauen waren verheiratet und hatten mehrere Kinder.

Finanzexpertin Frau

Nach ihrer Tradition trägt die Frau die Verantwortung für das Wohlergehen der Familie. Der Mann arbeitet und verdient das Geld zum Leben. Die Frau verwaltet es. Wird sie zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem die Kinder groß sind, auch arbeiten gehen, kann sie ihren Lohn behalten. Selbstverständlich wird sie ihn auch für das Gemeinwohl der Familie einsetzten, kann aber darüber selbst entscheiden. Ist er ein erfolgreicher Mann zeigt sie ihm Anerkennung und unterstützt ebenso großzügig seine Interessen, um nicht zuletzt das geliebte Auto zu nennen. So hat der Mann, der einen großzügigen Wagen fährt eine gute Finanzverwalterin zuhause. Es erfüllt auch sie mit Stolz, dass auch ihr Geschick für soziales Ansehen sorgt.

Kritik an europäischer Frau

Eine lustige Runde! Ja, ja, … wir reden natürlich über …die Männer! Ihre Eigenheiten von Bartstoppel im Waschbecken bis Socke vorm Bett: es ist wohl überall das Gleiche. Sie belächeln diese „Vergehen“ und erleben es nicht als Provokation oder Boshaftigkeit. Es sind kleine Nachlässigkeiten, die nicht lohnen darüber ein Wort zu verlieren. Er wird gepflegt und bekocht damit er bei Kraft und Arbeit bleibt!

Dann kommt der Satz, der mich zusammenzucken lässt. Wir europäischen Frauen strengen uns nicht für die Familie an! Wir europäischen Frauen sind selbst im Zeitfenster von Kleinstkindern immer auf dem Trip der Selbstverwirklichung. Alles was sich da in den Weg stellt, … der Haushalt, ein Mann, die Kinder, sind im Weg für das Treffen mit Freundinnen, Mädelsabend im Kino, Dildo- oder Tupper -Party, shoppen beim Schweden und Frühstück bei Tiffany, geben zu früh Beziehungen auf. Ich begreife: wer A sagt muss auch B sagen, zurückstecken wenn Kinder klein sind, sparsam sein und das kleine Wirtschaftsunternehmen zum Erfolg führen.

Gesunde Ernährung kennen, selbst kochen, nicht Fastfood kaufen. Ordnung und Struktur darbieten damit Kinder Orientierungsmöglichkeiten erfahren und Grenzen erkennen.

Ich sitze da und denke „JA“, die selbstbezogene Frau nicht immer und überall anzutreffen, aber leider immer öfter!

Gut für die kindliche Entwicklung

Ich finde es großartig, wie interessiert sie sich mit Psychologie beschäftigen. Alle wissen, dass geordnete und sicher gestaltete erste Lebensjahre Ihrer Kinder für deren Lebenserfolg und Lebensglück verantwortlich sind. Ein gesundes Urvertrauen im Schutz der Mutter, mit dem Vater, den Geschwistern und Großeltern, Tanten, Brüdern und Schwestern zu entwickeln!

Mir geht das Herz auf! Ich sehe im Geiste meine Großfamilie im Altenverser Schulhaus am Tisch sitzen. Mein Vater hatte 9 Geschwister, und die Geschwister wieder eine Menge Kinder, so wie auch wir und es wurde Kuchen vom Blech aufgeschnitten und wir Kinder bekamen dazu Apfelmost aus dem Garten! Es wurde gelacht und gesungen, ja, bei uns zuhause wurde immer gesungen, bei jedem Treffen: „Danket, danket dem Herrn, denn er ist so freundlich“, unsere „Familienhymne“! Das waren großartige Tage. Sie haben uns Kindern Kraft und Vertrauen für das Leben mitgegeben. Die Großfamilie!

Selbstverwirklichung: Mutter sein

Das Leben werden wir bestehen, wenn wir unsere unzähligen Rollen, die es für uns vorsieht zeitlich nutzen und erfüllen. Solange wir Frauen Leben schenken, bedarf es in dieser Zeit einen besonderen Schutz der Mutter. Es gibt Rollen, die in unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren abgewertet wurden. Dazu gehört für mich auch die Rolle der Mutter. Mutter sein bedeutet, sorgenfrei und frohen Herzens sich dieser Rolle widmen zu können. Das geht aber nur, wenn ein Gehalt eine Familie ernähren kann. Bei den meisten jungen Familien klappt das nicht. Neben dem Anspruchsdenken, das sicher auch-, aber nicht nur eine Rolle spielt, muss für „Mama sein“ eine finanzielle Grundsicherung geboten werden. Wir zahlen nun mal nicht mehr mit Muscheln oder Salz! Stattdessen produzieren wir nervöse, angstbesetzte Kinder, deren Behandlungen in Praxen, Therapien und Kinderpsychiatrien wegen zunehmender Entwicklungsstörungen unsere Krankenkassenbeiträge in schwindelnde Höhen ansteigen lassen. Wo ist da der Sinn? Kinderseelen brauchen Mama und nicht Kita! Und das Geschwätz von sozialen Kontakten und sozialer Entwicklung, dass ein Kind dort lernen soll, entpuppt sich als Angststörung, Lern- und Leistungsschwäche und zuletzt in Schulverweigerung. Dann handelt es sich, laut Aussage aus Fachkreisen „um ein komplexes Zusammenwirken unterschiedlicher Problemlagen“! Zudem liegt Hessen im guten Durchschnitt von ca 7,5% Schulabgängern ohne Schulabschluss.

Konzept Familienhilfe

Nicht jede Familie hat die Gabe Kindern ein geregeltes und fürsorgliches Zuhause zu bieten. Da helfen Kita und Kindergarten nicht weiter. Hier benötigt es Familienhelferinnen/ Familienhelfer, die Mütter, Väter, Paare vor Ort betreuen und trainieren. Das bedeutet grundlegende Hilfe für Familien und nicht acht Stunden Schule plus Mittagessen, danach aber dann in ein gewalttätiges, ignorantes oder alkoholisiertes, nicht schützendes Familiendrama eintreten. Seit Jahren bilden private Akademien zum Kinder-, Jugend- und Familienberater, Psychologischen Beratern, zu Lerntherapeuten und Lernberatern aus, die genau diese Unterstützung mit neusten Methoden aktiv verändern könnten. Warum werden diese Potentiale nicht genutzt? Warum muss es immer wieder vorkommen, dass Kinder zu Tode kommen? Gequält, misshandelt werden, verwahrlosen? Eine Anlaufstelle bieten, die unkonventionell, schnelle Hilfe und Lösungen durch menschliche Nähe, echte Kompetenz und Erfahrung ermöglicht. Ein Ort, der dem Urbedürfnis der Menschen „ist da jemand?“ gerecht werden würde. Diese besondere Kompetenz können Ämter und Behörden nicht leisten, da sie nun wirklich andere Leistungen zu erbringen haben, und jeder bei seinem „Leistungsvermögen“ bleiben sollte. Ein Miteinander wäre grandios!

Sie sehen, mein Wunsch nach „großer sozialer Familie“ ist mein Bestreben in allen Bereichen.

Weil es nur großherzig und intelligent funktionieren kann. Ich freue mich über Kontakte, die diesen Weg mit nach vorn bringen. Ganz hoffnungsvoll grüßt herzlich, Ihre Jutta B. Schmidt

Über den Autor

Jutta B. Schmidt
Jutta B. Schmidt
Psychologische Beraterin,
Paracelsus Schulen Gießen
Aktuelle Ausgabe4/2017