Chirurgischer Ratgeber:


akute Bauchschmerzen durch „Verwachsungen"

Chirurgischer Ratgeber:

akute Bauchschmerzen durch „Verwachsungen"

Der plötzliche Bauchschmerz stellt dann ein besonderes Problem dar, wenn sich für die Beschwerden trotz modernster Diagnostik kein fassbarer Grund finden lässt.

Umso schwieriger ist die Situation, wenn die Schmerzen mit einer drastischen Verschlechterung des Allgemeinzustandes einhergehen, heftiges Erbrechen bringt keine Linderung, der Stuhlgang bleibt aus. Wenn Koliken wegen Gallen –oder Nierensteinen genauso ausgeschlossen wurden, wie Darm –oder Magendurchbruch, die akute „Blinddarmentzündung“ und Bauchspeicheldrüsenentzündung nicht in Frage kommen, frauenärztliche akute Erkrankungen nicht bestehen, wird es praktisch „eng in der Diagnostik“.

 

Wurde schon einmal am Bauch operiert?

Ein Teil der Patienten mit heftigsten akuten Bauchschmerzen wurden, oft schon lange zurückliegend, am Bauch operiert. Selbst die schon längst vergessene „Blinddarm-Operation“ im Kindesalter, ein kleiner frauenärztlicher Eingriff vor Jahren, ein Kaiserschnitt, eine Gallenoperation und natürlich die großen Operationen an Magen; Darm; Leber können die Ursache sein.

 

Es haben sich Verwachsungen gebildet

Durch entsprechende Untersuchungen (Obduktionen) wissen wir, dass diese Verwachsungen auch ohne Voroperationen entstehen können (1/3 der Betroffenen).

Entwickelt sich eine Verwachsung so ähnlich wie „eine Schlinge um den Hals“, dann kann von einer Sekunde zur anderen ein Darmabschnitt „stranguliert“ werden. Die Blutversorgung wird abgeschnürt. Das Absterben des betroffenen Darmabschnittes beginnt - ein extremer Notfall (siehe Bild).

 

 

 

 
   

 

 

 

 

Absoluter Notfall mit Lebensgefahr!

Die Abschnürung führt innerhalb von wenigen Stunden zum Darmdurchbruch und damit zur bakteriellen Bauchfellentzündung. Man muss sehr hellhörig beim Bericht des Patienten über seinen Schmerzbeginn sein, der schlagartig ist, selbst eine rasche Drehung, wie beim Tanzen, kann zur vollständigen „Darmverschlingung“ führen und wenn sich tatsächlich der gesamte Dünndarm „um die Achse dreht“, und der Darm des Patienten nicht innerhalb von 2 oder 3 Stunden vom Chirurgen zurückgedreht wird, kann dies zu katastrophalen Folgen und Tod führen. Ein kürzeres Darmsegment kann man entfernen und die beiden Enden des Darmes wieder zusammenfügen, ein vollständiger Verlust kann nicht verkraftet werden.

Was kann man selbst dagegen tun?

Kommt das Krankheitsbild aus heiterem Himmel ohne jegliche Vorsymptomatik ist der direkte Weg zum Chirurgen immer noch das Beste.

Anders sieht es aus, wenn schon seit Jahren charakteristische Bauchschmerzen bestehen, die vollständig durchuntersucht am Ende zu der Beratung führten, „wahrscheinlich haben Sie Verwachsungen, aber dagegen gibt es kein Mittel“. Diese Aussage trifft auf die offene Bauchchirurgie sicher zu, das ist die Chirurgie mit großen Schnitten. Seit über 25 Jahren führen „minimal invasive Chirurgen“ (MIC) zunehmend an allen Organen des Bachraumes Eingriffe aus, die über diese kleine Stiche vorgenommen werden (Laparoskopie), bei der Gallenblase, dem Leistenbruch ist dies praktisch „Goldstandard“, selbst am Dickdarm und Mastdarm inzwischen Routine.

Und es ist mit einem sehr geringen Risiko möglich, eben von solch’ einem Stich mit einer Kamera in den Bauch zu sehen. Es ist erstaunlich, wie viele „Raritäten“ gefunden werden können.

Minimal invasive Durchtrennung von Verwachsungen im Bauchraum

In der Fachsprache heißt die Operation „Adhäsiolyse“. Oft sind einzelne Verwachsungen im Bauchraum "schuld" an den Beschwerden. Eine Durchtrennung von Strängen (Briden) kann einem plötzlichen Darmverschluss vorbeugen, ebenso die Beseitigung von Adhäsionen (Aneinanderhaften von Darmbereichen). Die endoskopischen Eingriffe hinterlassen aufgrund ihres geringeren operativen Traumas (Verletzungen) offensichtlich viel weniger gefährliche Verklebungen. Der Zugangsweg für die Kamera wird meist im linken Oberbauch vorgenommen.

 

 

 

Konsequenz für die Entscheidung des Hausarztes

Ein Patient mit unklarer Schmerzsymptomatik sollte zunächst nicht als wehleidiger Ignorant abgetan sein, sondern es sollte die Laparoskopie durch einen mit dieser Problematik vertrauten „MIC-Chirurgen“ angestrebt werden.

 

Resümee

Begeben Sie sich bei plötzlich heftigen, kolikartigen Schmerzen im Bauchraum sofort in ärztliche Behandlung, möglichst über den notärztlichen Dienst. Die Schmerzinterpretation durch den Arzt ist anfänglich gut durch die Anamnese möglich. Allein aufgrund des Schmerzverlaufes und Schmerzbefundes lassen sich die Ursachenkomplexe oft schon erkennen, die kompetente Schmerzbehandlung folgt.

Die umfangreichen und schnell durchführbaren Untersuchungen wie Ultraschall, Computertomografie erleichtern die Diagnosefindung (siehe Tabelle).

Liegt eine Bauchfellentzündung vor, ist rasches chirurgisch-operatives Handeln nötig.

 

Sofortdiagnostik:

Labor

Röntgen

Ultraschall

EKG

Gynäkologische Untersuchung

Kontrast-Röntgen

CT

Bauchspiegelung

 

 

 

 

Häufige Ursachen für

akuten Bauchschmerz

akute „Blinddarmentzündung“

Gallenkolik

akute Darmentzündung durch geplatztes Divertikel

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Magendurchbruch

Darmentzündung (Morbus Crohn)

Dickdarmentzündung (Colitis ulzerosa)

 

Nierenkolik

 

Frauenärztliche Erkrankungen

wie Eierstockentzündung

Herzinfarkt

Geplatzte Hauptschlagader (Aorta)

Verschluss eines Darmgefässes

Einklemmungen des Darmes

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold

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Aktuelle Ausgabe1/2018