Medizinische Verfahren anschaulich erklärt:

Folge 5: Die Darmspiegelung (Koloskopie)

Die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, ist eine Untersuchung des Dickdarmes mit einem flexiblen schlauchförmigen Untersuchungsinstument, dem Endoskop. Der Dickdarm ist ca. 80 cm lang. Im rechten Unterbauch im Zoekum, wo sich auch der sogenannte Blindarm befindet, schließt er an den Dünndarm an und endet am Darmausgang mit dem Enddarm.

Moderne Endoskope haben ein Dicke von ca. 1 cm und sind ca. 150 cm lang. Am distalen Ende des Endoskopes befinden sich eine digitale HD-Kamera und eine Lichtquelle. Ferner münden hier mehrere Kanäle, die zur Zu- und Abfuhr von Luft und Flüssigkeit und dem Einbringen von Instrumenten in den Darm dienen.

Wann soll der Dickdarm gespiegelt werden?

Es gibt zwei Hauptgründe für eine Darmspiegelung: Erstens, wenn Beschwerden vorliegen, die auf eine Erkrankung des Darmes (außer einem akuten Infekt) hinweisen. Dies sind in ersten Linie länger bestehende Durchfälle, Verstopfung, Bauchschmerzen und Darmblutungen. Mit der Darmspiegelung können entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut, Veränderungen der Darmwand (z.B. Divertikel), Tumoren und Blutungsursachen gut erkannt werden. Zum Zweiten wird die Darmspiegelung als Maßnahme zur Krebsvorsorge allen Menschen ab dem 55. Lebensjahr empfohlen, sofern keine besonderen Gründe für eine frühere Untersuchung vorliegen.

Ist eine Darmspiegelung als Krebsvorsorge sinnvoll?

Im Gegensatz zu den meisten anderen Vorsorgeuntersuchungen kann mit der Darmspiegelung die Entstehung von Krebs verhindert werden. Darmkrebs entsteht in der Regel sehr langsam aus Vorstufen, sogenannten Adenomen. Diese Adenome können bei der Darmspiegelung erkannt und entfernt werden. Somit wird Krebs verhindert. Darüber hinaus kann Darmkrebs in einem sehr frühen beschwerdefreien Stadium erkannt werden. Dann ist die Erkrankung meist gut heilbar. Statistiken belegen, dass das Risiko an Darmkrebs zu versterben durch die Darmspiegelung deutlich vermindert wird. Eine Darmspiegelung hat aber auch Risiken. Im ärgsten Fall kann der Darm verletzt und eine Operation notwendig werden. Dies kommt bei ca. einem von 3-5 Tausend Fällen vor. Vergleicht man den Nutzen und das Risiko einer Darmspiegelung statistisch, so überwiegt der Nutzten eindeutig. Daher wird die Vorsorge-Darmspiegelung von Krankenkassen und Ärzten gleichermaßen empfohlen.

Wie funktioniert die Darmspiegelung?

Vor der Untersuchung trinkt der Patient ein Abführmittel, damit der Darm gereinigt und sauber wird. Die Spiegelung wird üblicherweise in einer leichten Narkose durchgeführt und ist dann völlig schmerzfrei ist. Das Endoskop wird über den After eingeführt und mindestens bis zum Anfang des Dickdarmes, meist auch noch einige Zentimeter in den Dünndarm, vorgeschoben. Von auffälligen Befunden können Fotos angefertigt und mit einer kleinen Zange Proben (Biopsien) entnommen werden. Polypen werden bei der Untersuchung entfernt.

Sind die Polypen klein (bis ca. 5 mm) werden mit einer Zange abgetrennt, größere werden mit einer Schlinge durch das Endoskop entfernt. Die Polypen werden geborgen und später von einem Spezialisten (Pathologen) unter dem Mikroskop untersucht.

Wie kommt man zur Darmspiegelung, wenn sie erforderlich ist?

Die Darmspiegelung wird in aller Regel ambulant beim darauf spezialisierten Arzt durchgeführt. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten. Er kann Sie wenn notwendig zu einem geeigneten Spezialisten (Praxis oder Krankenhaus) überweisen.

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe05.07.