Rückenschmerzen: Werden Sie aktiv!

Ob langes Sitzen, einseitige Belastung im Sport, Degeneration, Osteoporose, rheumatische Erkrankungen, Entzündungen oder Medikamente: Rückenschmerzen können viele Ursachen haben. Viele davon können durch konservative therapeutische Maßnahmen erfolgreich behandelt werden.

Der Rücken ist ein Wunderwerk, bestehend aus 34 Wirbelkörpern, Muskeln, Sehnen, Bändern, Nerven und Blutgefäßen. All diese Strukturen müssen miteinander im Einklang funktionieren. Die Voraussetzung dafür ist das richtige Maß an Be- und Entlastung des Körpers. Gerät dieses Verhältnis durcheinander, macht der Körper sich durch Rückenschmerzen bemerkbar: ein Warnsignal. Häufig ist der erste Impuls, sich zu schonen oder Schmerzmittel einzunehmen, obwohl in den meisten Fällen ein längerer Spaziergang und gezielte Bewegungsübungen am schnellsten Linderung verschaffen.

In der Therapie genügt es oft nicht, ausschließlich die schmerzenden Strukturen zu begutachten, denn auch die psychische Komponente spielt bei der Entstehung von Rückenschmerzen eine große Rolle. Bei Sportlern sollten zudem diejenigen Bewegungsabläufe genau betrachtet und analysiert werden, die im Training und Wettkampf häufig durchgeführt werden.

Um Rückenschmerzen erfolgreich und langfristig zu lindern, müssen die Betroffenen häufig alte Gewohnheiten, wie beispielsweise eine ungünstige Sitzposition am Schreibtisch, durchbrechen, und neue Bewegungen erlernen. Das ist nicht immer einfach. Deswegen ist es sinnvoll, sich an einen Physio- oder Sporttherapeuten zu wenden, der diesen Prozess begleitet und unterstützt. Wichtig ist, dass der Betroffene die Ursachen und Symptome seiner Rückenschmerzen versteht und weiß, warum und auf welche Weise ihm die vorgeschlagene Therapie helfen wird.

In der physiotherapeutischen Einzelbehandlung erhält der Patient ein individuell auf seine Beschwerden abgestimmtes Eigenübungsprogramm, mit dem er seine Schmerzen selbst in den Griff bekommen kann. Dazu gehört auch eine Anleitung zur Selbsthilfe, falls akute Schmerzen auftreten. Weiterführend ist ein regelmäßiges Training an Geräten sinnvoll, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und die Rumpfmuskulatur zu kräftigen. Trainingseinheiten auf einer Vibrationsplatte stärken die Rumpfmuskulatur zusätzlich. Hierbei steht der Patient auf einer Platte, die den Körper durch Vibrationen in Bewegung versetzt und so reaktiv eine Aktivierung der Muskeln bewirkt. In welcher Position der Patient auf der Vibrationsplatte steht, richtet sich nach der trainierten Muskulatur und dem jeweiligen Beschwerdebild.

Training in der Gruppe, beispielsweise die Rückenschule, wird von vielen Krankenkassen bezuschusst. In einem solchen Kurs lernen die Teilnehmer, mit welchen Übungen sie selbst zu Hause trainieren können. Viele Betroffene finden es anfangs angenehmer, im Wasser zu trainieren, da dabei die Belastung für die Strukturen geringer ist. Hierfür bietet sich zum Beispiel Aquagymnastik an.

Aufmerksam werden sollten Betroffene, wenn ernstzunehmende Alarmzeichen wie anhaltende ausstrahlende Schmerzen in einzelne Gliedmaßen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen und Funktionsstörungen von Blase und Darm auftreten. In diesen Fällen ist ein Besuch beim Arzt und eine weitere Abklärung der Beschwerden sehr anzuraten, bevor eine Überweisung zum Physio- oder Sporttherapeuten erfolgt. Im Klinikum Wetzlar profitieren die Patienten von einer engen Zusammenarbeit zwischen unserem Rehazentrum und den Ärzten des Krankenhauses.

Über den Autor

Kristina Jago
Rehazentrum kerngesund!
Medi-Center am Klinikum Wetzlar
Aktuelle Ausgabe2/2018