Organisiertes Zervixkarzinom-Screening ab 2020

Jährlich erkranken in Deutschland um die 4500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs; etwa 1500 sterben jedes Jahr an einem Zervixkarzinom. Die Hauptursache für die Entstehung sind die sexuell übertragbaren humanen Papillomaviren (HPV). Die Infektion ist häufig und heilt meist aus, bei einer anhaltenden Infektion mit Hochrisikoviren wie HPV 16 und 18 kann sich jedoch ein Zervixkarzinom entwickeln.

Ein erheblicher Teil der Frauen bleibt bisher einer Früherkennungsuntersuchung des Zervixkarzinoms fern. Vorwiegend jüngere und sozial besser gestellte Frauen nutzen die Krebsfrüherkennung. Zudem sind nur rund ein Drittel der Frauen in Deutschland geimpft. Ein organisiertes Einladungssystem soll dies verbessern und für eine sozial ausgewogene Inanspruchnahme sorgen.

Ab 01.01.2020 werden die Krankenkassen künftig Frauen zwischen 20 und 65 Jahren alle 5 Jahre schriftlich zur Früherkennung einladen. Altersabgestufte Untersuchungen sind vorgesehen:

  • Frauen zwischen 20 und 34 Jahren können wie bisher eine jährliche zytologische Untersuchung (Pap-Abstrich) wahrnehmen. Nur bei auffälligen Befunden wird ein Test auf humane Papillomviren (HPV-Test) durchgeführt.

  • Frauen ab 35 Jahren ohne Altersobergrenze wird künftig eine Kombination (Ko-Testung) aus zytologischer Untersuchung und HPV-Test alle 3 Jahre angeboten. Bei auffälligen Befunden wird die Ko-Testung direkt oder in einem Jahr wiederholt.

  • Alle Frauen haben ab dem 20. Lebensjahr zudem jedes Jahr Anspruch auf eine klinische Untersuchung.

Bei auffälligen Befunden besteht bei allen teilnehmenden Frauen Anspruch auf eine Abklärungsdiagnostik. Diese neue Leistung umfasst unter anderem die Untersuchung mit Kolposkop (Zervixspiegelung), ggf. eine Biopsie und bei Notwendigkeit eine Kürettage (Ausschabung) sowie die entsprechende Beratung der Versicherten.

Durch die Kombination von Pap-Abstrich und HPV-Test können Krebsvorstufen genauer und früher erkannt und behandelt werden – insbesondere bei Frauen über 35 Jahren. Jüngere Frauen haben zwar häufiger HPV-Infektionen, diese heilen aber eher von alleine ab. Bei ihnen kann der HPV-Test eher zu einer Übertherapie führen.

Über den Autor

Dr. Barbara Poensgen
Dr. Barbara Poensgen
Labordiagnostik Mittelhessen
Aktuelle Ausgabe3/2020