Frühstücken, aber richtig!

Hintergründe aus Sicht der Wissenschaft und der Traditionellen Chinesischen Medizin

Jeder kennt das Sprichwort „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettelmann“. Doch in der heutigen stressigen Zeit bleibt es bei den meisten wohl bei Coffee-To-Go und einer Zigarette, was Süßem vom Bäcker oder man ist ein sog. Breakfast-Skipper und isst sowieso nichts am Morgen.

Dabei ist Ernährung mitunter eine der wichtigsten Säulen zur Gesunderhaltung und Krankheitsprävention. Viele Erkrankungen, die man heutzutage auch als Zivilisationskrankheiten bezeichnet sind ernährungsabhängig oder wenigstens ernährungsmitbedingt.

Die richtige Ernährung ist wissenschaftlich schwerer zu beleuchten, als man geheimhin denkt. Studien unter kontrollierten Bedingungen zu schaffen oder sich die Wirkung einzelner Lebensmittel oder Mahlzeiten (auch Placebo-kontrolliert) anzuschauen ist fast unmöglich und sollte bedacht werden, wenn man sich auf Studienaussagen beruft. Daneben funktioniert Ernährung nur als Ganzes; die Lebensmittelmatrix, die ganze Frucht oder die komplette Mahlzeit wirken auf den Körper, nicht nur der einzelne Vitalstoff sei es Vitamin C, Calcium oder Glucose.

Über das Ernährungsmuster und die eigenen Ernährungsgewohnheiten ergibt sich die Ausgewogenheit einer „richtigen“ bzw. optimalen oder „gesunden“ Ernährung, nicht über einzelne Lebensmittel. Das richtige Ernährungsmuster zeigt sich in Form des eigenen Verhaltens und entscheidet über den langfristigen Beitrag zur Gesundheitsprävention und –erhaltung.

Hier kommt nun das Frühstück ins Spiel. Zu einem optimalen Ernährungsverhalten gehört das regelmäßige Frühstück! Das Auslassen des Frühstücks ist fatal. Sowohl das Kita-Kind, der Abiturient wie auch die Bürokauffrau oder der Bankmanager benötigen für den richtigen Start in den Tag eine Grundlage, die Energie und Nährstoffe liefert. Nur so lassen sich Konzentrationsfähigkeit und Leistungspotenzial aufrechterhalten. Dies hat sich auch wissenschaftlich gezeigt und Breakfast Skipper scheinen sich die „eingesparten“ Kalorien über den Tag verteilt zurückzuholen und eventuell sogar mehr Kalorien aufzunehmen. So entsteht Frühstücksmuffeln kein Vorteil ohne Frühstücken.

Die Wichtigkeit des regelmäßigen Essens bzw. Frühstückens ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sehr lange bekannt und daher in deren Ernährungslehre fest verankert. Die Jahrtausende lange Erfahrung und deren Erklärungsmodelle werden nach und nach auch wissenschaftlich anerkannt.

Mittlerweise bestätigen auch Chronobiologen, dass, neben Licht, die Nahrungsaufnahme einer der wichtigsten Taktgeber für die innere Uhr ist und so Stoffwechsel- und Zellaktivität synchronisieren. Daher ist regelmäßiges Essen mit entsprechenden langen Pausen für den Körper unerlässlich. Das Frühstück bricht dabei das nächtliche Fasten wie der englische Ausdruck "breakfast" trefflich verrät.

Die Organuhr zeigt in der TCM die beste „Arbeitszeit“ der Organe an. Hier korrespondiert die klassische Frühstückszeit von 7 – 9 Uhr mit der Optimalzeit des Magens. So, dass dieser morgens das Frühstück bestens „verwerten“ kann. Aus Sicht der TCM wird der „Ofen“ optimal angeheizt, um den Tag über richtig arbeiten zu können. Sprich morgens werden Energie und Nährstoffe bereitgestellt um den Tag bzw. Morgen über konzentriert arbeiten zu können. Ansonsten gleicht der Tagesbeginn ohne Frühstück einem Kaltstart, der an die Energiereserven geht.

Ohne Frühstück wird in der TCM davon ausgegangen, dass langfristig die Verdauungskraft schwächer wird und die Energieproduktion zurückgeht. Sprich, wenn das Angebot fehlt, wird die Nachfrage reduziert. So, dass Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Frieren, Abwehrschwäche und Übergewicht entstehen können.

Was gehört jetzt zu einem guten Frühstück?

Die Wichtigkeit des Frühstücks steht damit also außer Frage. Wie sieht es nun mit der Umsetzung bzw. dessen Inhalten aus? Hier gibt es klassische Unterschiede zwischen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der TCM.

Die DGE empfiehlt Müsli mit Milch/Joghurt und Früchten oder Vollkornbrot mit Käse/fettarmer Wurst, dazu idealerweise Rohkost in Form von Obst sowie Milchprodukte. Damit gilt man optimal versorgt mit Vitaminen, Calcium, Ballaststoffen sowie wenig Fett und Kalorien.

In der TCM zeigt sich ein anderer Ansatz, der sich nicht auf einzelne Nährstoffe konzentriert, sondern auf Bekömmlichkeit und „Energieversorgung“ fokussiert. Hier sollte es sich um ein „warmes Frühstück“ handeln. Dabei sind der eigenen Kreativität oder dem Appetit keine Grenzen gesetzt. Ein klassisches Porridge aus gekochten Getreideflocken mit Obst und Gewürzen ist genauso empfehlenswert wie Suppe oder Brühe sowie Eier mit gekochtem Gemüse. Grundsätzlich sind gekochte/erhitzte Zutaten besser verträglich und fordern das Verdauungssystem am Morgen nicht unnötig. Zusätzlich wärmen die warmen/heißen Mahlzeiten den Körper, was sich über ein entsprechendes Wohlgefühl äußert. Die Energie des Essens kann optimal verwertet werden und trägt zur besseren Stoffwechselleistung bei.

Aus Sicht der TCM stellen die klassischen „deutschen“ Frühstücksbestandteile wie Milch, Brot, Käse, Obst einen schlechter verdaulichen, kühlenden Aspekt dar, der so die optimale Verstoffwechselung und Bereitstellung der Nahrung behindert. Dies ist merklich ungünstig, da wir ja aktiv, konzentriert und leistungsfähig in den Tag starten wollen. Daher wird dies durch eine Auswahl an warmen, aromareichen, gewürzten Zutaten beim TCM-Frühstück berücksichtigt. Eine entsprechende Basis aus Makronährstoffen (Komplexen Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten) bringen die nötige Energie, machen satt und sind gekocht gut bekömmlich.

Probieren Sie es aus!

Über den Autor

Dr. Andre Spinneker
Dr. Andre Spinneker
Aktuelle Ausgabe1/2020