Eukalyptus als Heilpflanze

In der Weihnachtszeit waren sie wieder bei Gärtnern und an Marktständen zu haben, stark riechende Äste mit länglich-sichelförmigen Blätter und Fruchtkapseln, deren Form an kleine Hütchen erinnert: Eukalyptuszweige.

Die zugehörigen Eukalyptusbäume sind in Südostasien und Australien beheimatet. Es gibt über 500 verschiedene Arten, von denen einige durch den Menschen verbreitet auch den Weg nach Südeuropa gefunden haben. Dort werden die schnell wachsenden Bäume oft als Schattenspender oder nach Waldbränden zur schnellen Aufforstung gepflanzt. Oftmals verdrängen sie jedoch einheimische Arten und verändern die indigene Flora.

Aus pharmazeutischer Sicht liefert der Eukalyptusbaum mit seinem stark riechenden ätherischen Öl eine wichtige Grundsubstanz zur Herstellung wirksamer pflanzlicher Arzneimittel und ist somit eine interessante Heilpflanze. Gerade jetzt in der Winter- und Erkältungszeit werden Zubereitungen mit Eukalyptusöl, deren Wirksamkeit gut dokumentiert ist, häufig eingesetzt.

Allerdings gilt es bei Kauf und Anwendung einiges zu beachten, denn die Zusammensetzung des ätherischen Öles der verschiedenen Eukalyptusarten ist extrem unterschiedlich. Je nach Art oder chemischer Rasse kommen als Hauptkomponenten die Monoterpene 1,8-Cineol, α-Pinen, α-Phellandren, Citronellal oder Sesquiterpene wie Eudesmol vor. Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten Blättern gewonnen. Das Kochen von Tee aus Eukalyptusblättern (Gehalt an äth. Öl 0,5 – 1,7 %) ist jedoch nicht sinnvoll, da viele der wasserdampfflüchtigen Ölbestandteile stark reizend sind. Ebenso wird die Anwendung des Öles auf der Zunge nicht empfohlen, da es einen unangenehm campherartigen, zunächst brennenden, später kühlend empfundenen Geschmack hat. Grundsätzlich sollten daher nur rektifizierte Öle zum Einsatz kommen, die einen hohen Gehalt an 1,8-Cineol, dem Hauptwirkstoff, aufweisen. Das Deutsche Arzneibuch verlangt hier für in der Apotheke verwendete Öle einen Mindestgehalt von 70 %, sehr gute Öle enthalten 80 – 90 % 1,8-Cineol. Bei der Aufreinigung des Öles werden viele stark reizende Inhaltsstoffe, u.a. diverse Aldehyde und Sesquiterpene, abgetrennt und entfernt. Die Anwendung eines qualitativ hochwertigen, aufgereinigten Öles oder des reinen 1,8-Cineols ist also wesentlich sinnvoller und wirksamer. Das Öl kann aus heißem Wasser inhaliert, als Bestandteil von Erkältungssalben auf die Haut gerieben oder in Form von Kapseln eingenommen werden. Diese setzen im Magen das Öl frei, welches dann in den Atemwegen, Stirn- und Nebenhöhlen seine Wirkung entfaltet. 1,8-Cineol wirkt antiseptisch, expektorierend, sekretlösend, entzündungshemmend und schwach spasmolytisch.

Die im Handel befindlichen Öle und Fertigarzneimittel unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Ihr Apotheker weiß Rat und wird ein für Ihre Beschwerden geeignetes Präparat auswählen.

Über den Autor

Dr. Karl-Heinrich Horz
Dr. Karl-Heinrich Horz
Apotheker

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Aktuelle Ausgabe02.07.