Rückenbeschwerden ganzheitlich behandeln

Häufiges Sitzen, schweres Heben, ruckartige Drehbewegungen, länger bestehende Fehlhaltungen, starke psychische Belastungen – die Auslöser für Rückenbeschwerden sind sehr zahlreich, ebenso wie die Anzahl der Betroffenen.

Mittlerweile haben rund ein Drittel der Bevölkerung häufig oder dauerhaft Beschwerden entlang der Wirbelsäule, des Beckens und der Schulter – mit steigender Tendenz.

Den Grund für die Rückenbeschwerden erkennen

Bei der ganzheitlichen Behandlung von Rückenbeschwerden wird zunächst in einem gezielten Gespräch herausgefunden, aufgrund welcher Faktoren sich die Beschwerden etabliert haben.

Fragen sind beispielsweise „Was ist das für ein Mensch? Wie ist seine Konstitution?

Wie haben die Beschwerden angefangen? Gab es akute Auslöser?

Bewegt er sich regelmäßig und treibt Sport? Wie ernährt er sich? Neigt er zu Übergewicht?

Wie sieht sein Arbeitsplatz aus? Fühlt er sich dort oder im privaten Bereich stark belastet oder gar erschöpft? Wie ist seine Verdauung? Haben die Rückenbeschwerden Auswirkungen auf das Alltagsleben und fühlt er sich eventuell sogar eingeschränkt?

In der Kommunikation mit dem Patienten ergibt sich so ein erster wichtiger Eindruck, der durch eine anschließende ausführliche körperliche Untersuchung im Sinne der Ganzheitlichkeit untermauert wird. Folgendes ist dabei abzuklären: Wie ist der Muskeltonus, wie die Haltung? Besteht eine Skoliose, evtl. mit Beinlängendifferenzen? Gibt es umschriebene Muskelverspannungen, Blockierungen? Liegt eine Beckenschiefstellung, evtl. mit einer Blockierung des Kreuz-Darmbeins vor? Sind Nervenwurzelreizungen, z.B. durch degenerative Veränderungen oder durch Bandscheibenprobleme oder evtl. auch durch eine Osteoporose nachweisbar?

Therapievorschläge nach ganzheitlicher Betrachtung

Es kommt durchaus vor, dass Patienten bereits komplett orthopädisch und radiologisch voruntersucht sind, aber keine ausreichende Linderung der Beschwerden erfahren haben. In diesen Fällen werden in der Praxis für Ganzheitsmedizin die bildgebenden Befunde mit den funktionellen und energetischen Untersuchungen abgeglichen und die weiteren therapeutischen Vorschläge mit dem Patienten besprochen. Wenn noch keine Vorbefunde vorliegen, ist es für die ganzheitliche Betrachtung sehr wichtig festzustellen, ob der Patient zunächst einer weiteren Diagnostik bedarf, z.B. wenn der Verdacht auf eine osteoporotische Wirbelfraktur oder einen Bandscheibenprolaps besteht. Dieser Verdacht erhärtet sich allerdings in den seltensten Fällen.

Ganzheitliche Devise im Praxisalltag

So wenig Chemie wie nötig, so viele naturheilkundliche, regulierende, aktivierende, entspannende und aufbauende Maßnahmen wie möglich.

Akupunktur und Neuraltherapie im Zentrum des Therapiekonzeptes

Im Zentrum der Therapie steht ganz eindeutig die Akupunktur mit ihren schmerzlindernden, muskelentspannenden, durchblutungsverbessernden und auch psychisch regulierenden Eigenschaften.

Bei einem röntgenologisch nachgewiesenen sogenannten „degenerativen LWS- Syndrom“ geht es –bei der Diagnostik nach Akupunktur-Kriterien – beispielsweise weniger um die angestrengte Suche nach einer Ursache, vielmehr um ein funktionelles Beschreiben des Zustandes.

Bei Rückenschmerzen wird dann von einem „in seinem Fluss gestörten Qi“ (Qi heißt Lebenskraft/Energie/Lebensenergie) gesprochen. Mit Akupunktur-Nadeln entlang der Wirbelsäule und über Fernpunkte an Händen und Füßen wird der Energiefluss wieder in Gang gebracht.

Gleichzeitig ist es für den Patienten ratsam, Eigeninitiative zu ergreifen, sich mehr zu bewegen, häufig die Körperhaltung zu wechseln, Lockerungs- und Entspannungsübungen zu machen und zu hinterfragen, ob die psychische Konstitution evtl. für muskuläre Verspannungen verantwortlich sein könnte.

Ein zweiter wesentlicher Bestandteil der Schmerztherapie in der Ganzheitsmedizin ist die Neuraltherapie (landläufig etwas verkürzt als „Quaddeln“ bezeichnet). Hier werden örtliche Betäubungsmittel – oft kombiniert mit homöopathischen Komplexmitteln – an Akupunkturpunkte oder an verspannte Muskelpunkte gespritzt. Ziel ist es, eine Entspannung, Entkrampfung und Durchblutungsverbesserung zu erreichen. Zudem können auf diese Weise Narben unterspritzt und Störherde „gelöscht“ werden.

Pflanzliche und homöopathische Medikamente, Enzyme sowie energetische Verfahren

In Abhängigkeit vom Beschwerdebild kommen darüber hinaus pflanzliche und homöopathische Medikamente sowie auch Enzyme zur Anwendung – zum Beispiel Phytodolor-Tropfen, Teufelskralle, Wobenzym). Baseninfusionen, Schröpftherapie, Akutaping und energetische Verfahren ergänzen bedarfsweise das Therapiekonzept.

Wichtig bei der ganzheitlichen Betrachtungsweise ist es vor allem, den Patienten in seinem

„Sosein“ anzunehmen und mit ihm gemeinsam das ideale Therapiekonzept zu erarbeiten.

Lebensstil hinterfragen und Körperbewusstsein schulen

Gerade bei schon länger bestehenden Beschwerden ist es angebracht, gemeinsam mit dem Patienten eine Änderung des Lebensstils zu hinterfragen und gegebenenfalls mehr sportliche Aktivitäten, eine Diät mit dem Ziel der Gewichtsreduktion, eine Entsäuerung des Körpers oder eine Mikrobiologischer Therapie zu empfehlen.

Sehr häufig ist die Verordnung einer Physiotherapie in Form einer manuellen Therapie und/ oder Osteopathie medizinisch indiziert.

Unter ganzheitlichen Gesichtspunkten ist es zudem ratsam, den Patienten für das eigene Körperbewusstsein zu schulen, um Wohlbefinden zu steigern. Yoga, Qi Gong und andere Entspannungs- und Meditationsverfahren können hier viel bewirken, denn durch das gleichmäßige Fließenlassen des Atems in Verbindung mit sanften Bewegungen entsteht ein Energiefluss, der entspannt und harmonisiert.

Über den Autor

Dr. med. Manfred Krüger
Dr. med. Manfred Krüger

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Aktuelle Ausgabe3/2020