Beschwerden nach Operationen am Brustbein

Bei vielen Operationen an Herz oder Lungen ist es notwendig das Brustbein der Länge nach zu durchtrennen damit der Brustkorb eröffnet werden kann und der Operateur so Zugang zu Herz und Lungen erhält. Am Ende der Operation wird das Brustbein wieder zusammengeheftet und mit Drähten stabilisiert. Die dann einsetzende Heilung des Brustbeines, ist die eines künstlich herbeigeführten Knochenbruches. Während bei Knochenbrüchen an Armen oder Beinen eine Ruhigstellung durch einen Gipsverband die Heilung fördert, ist dies beim Brustbein nicht möglich. Der Brustkorb hebt und senkt sich bei jedem Atemzug und atmen ist nun mal lebensnotwenig. Jedoch kann tiefes Einatmen nach einer frischen OP Schmerzen bereiten. Daher ist eine gute Versorgung mit Schmerzmitteln in der Anfangszeit nach einer OP sehr wichtig. Schließlich muss der Patient auch lernen sich so zu bewegen, dass der Knochenbruch heilen kann. Anstrengende Tätigkeiten, z.B. das Heben schwerer Gegenstände sind zu vermeiden. Das richtige Aufstehen und Hinlegen muss mit Hilfe des Physiotherapeuten erlernt werden.

Eigentlich ist der Betroffene zunächst überglücklich solch eine schwierige Operation endlich erfolgreich hinter sich zu haben. Nun kann es aber sein, auch wenn alles gut verlaufen ist, dass dennoch Schmerzen beim Ein- oder Ausatmen auftreten.

Diese Schmerzen können verschiedene Ursachen haben:

Insgesamt besitzt der Mensch 12 Rippenpaare, die sich von der Brustwirbelsäule vom Rücken aus in Richtung Körpervorderseite erstrecken. Jede Rippe hat eine gelenkige Verbindung an den Brustwirbelkörpern, die sich bei der Atmung be­wegen.

Diese Rippen-Wirbel-Gelenke sind wie alle anderen Gelenke anfällig für unvorhergesehene Verschiebung der Gelenkflächen jedoch besonders nach einer Operation am Brustkorb. Diese Verschiebungen führen oft zu Blockaden die in aller Regel zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führen können.

Die normale Atembewegungen des Thorax

Insgesamt sind die Rippenbewegungen beim Atmen kaum sichtbar: beim Einatmen erfolgt eine leichte Ausdehnung zur Seite sowie nach Vorne und zur Rückseite, die Arme bewegen sich geringfügig nach Außen, auch die Wirbelsäule streckt sich etwas.

Beim Ausatmen senken sich die Rippen, so dass das Volumen des Brustkorbes wieder etwas abnimmt und die Wirbelsäule formt sich wieder zu einem leichten Bogen, das heißt sie geht in die leichte kyphotische Position zurück.

Die Rippendysfunktion bei der Ausatemphase

Blockiert eine Rippe in der Einatemphase – wird Schlüsselrippe genannt -, diese steht hoch, kann sie sich beim Ausatmen nicht senken und blockiert somit auch die darunter befindlichen Rippen.

Die Rippendysfunktion in der Einatemphase

Oder eine Rippe blockiert beim Ausatmen – auch Schlüsselrippe genannt -: das heißt, diese steht über den tiefstehenden Rippengruppe und werden beim Einatmen „gebremst“.

Weil eine Rippenblo­ckade von dem Beschwerdebild dem eines Herzschmerzes (bis zum Herzinfarkt hin) gleicht, muss zunächst ärztlicherseits das Herz als Ursache ausgeschlossen bzw. die Blockade fest­gestellt werden. Erst dann kann eine manuelle Behandlung erfolgen.

Wirbelsäule- oder Rippenblockade

Vor der Behandlung wird untersucht, ob eine Wirbelsäulen- oder eine Rip­penblockade oder beides vorhanden ist.

Die Behandlung einer Rippenblockade

wird in den meisten Fällen rein konservativ durch eine manuelle Intervention des Therapeuten behoben. Ziel ist es die Blockade zu lösen bzw. mindestens eine Linde­rung der akuten Schmerzsymptomatiken zu erreichen. Andererseits sollte die Behandlung auch einer erneuten Rippenblockade vorbeugen, also präventiven Schutz bieten.

Die Behandlung einer Rippenblockade erfolgt durch genaues Ertasten dieser festen Struktur. Mit Hilfe von intensiver Atmung und gleichzeitiger Fixierung des Rippenbogens in der Ein- oder Ausatemphase entsteht Gegenspannung der entsprechenden Rippe und die Blockade kann gelöst werden.

Der Erfolg nach solch einer Behandlung ist, dass das Atemvolumen wieder zunimmt, darüber hinaus sich die kardiorespiratorische Kapazität verbessert, die allgemeine Mobilität gesteigert werden kann mit dem Ergebnis, dass auch die Schmerzen nachlassen oder ganz verschwinden.

 

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Claudia Agne
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Aktuelle Ausgabe4/2020