Die minimalinvasive Entfernung des Überbeins (Ganglion)

Ein Überbein (lat: Ganglion) ist eine flüssigkeitsgefüllte Aussackung einer Gelenkkapsel und stellt eine häufige Ursache dar, weshalb Patienten einen Arzt aufsuchen.

Symptome:

Patienten, die unter einem Überbein am Handgelenk leiden, bemerken in der Regel eine prallelastische Raumforderung im Bereich des Handrückens oder der Innenseite des Handgelenkes (Abbildung 1).

Diese kann zwischen wenigen Millimetern und bis zu einigen Zentimetern messen. Ruhe- und belastungsabhängige Schmerzen, eine Bewegungseinschränkung des Handgelenkes sowie ein Taubheitsgefühl der Finger können begleitende Symptome sein. Während viele Patienten die kosmetisch störende Beule am Handgelenk zum Arzt führt, stehen bei anderen Patienten die Beschwerden im Vordergrund. Oft strahlen die Beschwerden aus und verursachen Schmerzen im gesamten Arm. Die Größe des Ganglion steht in keinem Verhältnis zu den Beschwerden. Kleine Ganglien können ebenso ausgeprägte Beschwerden verursachen wie größere Ganglien.

Ursache und Risikofaktoren:

Die Ursache warum sich Ganglien bilden ist nicht abschließend geklärt. Neben einer anlagebedingten Bindegewebsschwäche kommen unterschiedliche Risikofaktoren, wie rezidivierende Traumata, eine berufliche oder private Überbelastung des Handgelenkes, Arthrose und Rheuma in Frage. Häufig finden sich jedoch keine Ursachen und das Ganglion tritt bei gesunden Personen auf. Eine anatomische Schwachstelle der Kapsel ist die Grundlage dafür, dass sich Ganglien bilden.

Häufigkeit und Lokalisation:

Prinzipiell können Ganglien in jedem Lebensalter und an jedem Gelenk vorkommen. Gehäuft tritt es jedoch bei Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Etwa 30 von 100 000 Menschen haben ein Ganglion. Häufigste Lokalisation ist das Handgelenk sowie die Finger.

Erforderliche Untersuchungen

Die Diagnose eines Ganglions wird in erster Linie klinisch im Rahmen einer Untersuchung gestellt. Um Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen (Differentialdiagnosen) auszuschließen sollten noch ergänzende Untersuchungen wie ein Ultraschall (Sonografie) oder eine Magnet-resonanztomografie (MRT) durchgeführt werden (Abbildung 2a-b). Das Röntgen ist ebenso wie die Computertomographie (CT) nicht für die Diagnose eines Ganglions geeignet.

Konservative Therapie

Zunächst sollte versucht werden ein Ganglion konservativ zu behandeln. Oft verschwindet es ohne jede Maßnahme wieder. Daher sollte nicht voreilig operiert werden. Die Therapie durch geschulte Hand- und Ergotherapeuten bzw. Krankengymnasten zeigt immer wieder gute Erfolge. Entsprechende Rezepte kann der behandelnde Arzt ausstellen. Die Punktion eines Ganglions wird häufig durchgeführt, ist aber wegen dem assoziierten Infektionsrisiko sowie der hohen Rezidivrate umstritten.

Operative Therapie

Zeigen die konservativen Maßnahmen keine Wirkung und beklagt der Patient weiterhin die oben aufgeführten Symptome, so muss über die Operation gesprochen werden. Diese wird in der Regel in einer Arm- (Plexusanästhesie) oder Vollnarkose im Rahmen einer ambulanten Operation durchgeführt.

Während die letzten Jahrzehnte Ganglien in der Regel im Rahmen einer Operation offen, d.h. über einen ausgedehnten Schnitt entfernt wurden, erfolgt die Entfernung heutzutage regelhaft arthroskopisch (minimalinvasiv).

Während der Operation liegt der Patient auf dem Rücken. Der zu operierende Arm ist an einer speziellen Halterung aufgehängt.

Die gesamte Operation dauert in der Regel nicht länger als 20 Minuten.

Um das Risiko eines Rezidives zu reduzieren ist es nach der Operation erforderlich das Handgelenk in einer Schiene für kurze Zeit ruhigzustellen. Regelmäßige Wundkontrollen, sowie die Entfernung des Nahtmaterials nach 10-14 Tagen folgen. In Abhängigkeit der beruflichen und privaten Belastung der Hand, kann eine Wiederaufnahme der Tätigkeiten nach etwa 3-4 Wochen erfolgen.

Risiken der Operation:

Die arthroskopische Ganglionentfernung ist sehr risikoarm. Mögliche Risiken sind in seltenen Fällen Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nachblutungen und Rezidive (erneutes Auftreten des Gaglion). Eine operationsbedingte Verletzung eines Gefäßes oder Nerven gilt als eine gravierende, dafür aber auch sehr seltene Komplikation dieses Eingriffes. Darüber werden Sie jedoch ausführlich in einem Aufklärungsgespräch vom behandelnden Arzt, informiert.

Krankheitsverlauf und Prognose:

Der Verlauf und die Prognose der Ganglionoperation ist sehr gut. In der Regel sind bei korrekt durchgeführter Operation alle Symptome reversibel und die Hand im Anschluss sowohl im beruflichen, als auch privaten Umfeld wieder voll belastbar.

In der Sektion für Handchirurgie der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Gießen werden pro Jahr eine große Anzahl an Ganglionoperationen durchgeführt. In der Handsprechstunde besprechen wir mit den Patienten die vorhandenen Befunde und ob die Indikation für einen operativen Eingriff bereits besteht oder noch weitere Untersuchungen zur Diagnosefindung erforderlich sind. Ebenso wird mit dem Patienten besprochen, ob Ergo- Hand- oder Physiotherapie helfen kann die Beschwerden zu lindern. Sollte es zu einer Operation kommen werden Sie gesondert von einem Narkosearzt über die individuell für Sie beste Narkoseform aufgeklärt.

Gerne können Sie sich an mich wenden, wenn Sie Fragen zu dieser oder einer anderen Problematik an ihrer Hand haben.

Über den Autor

Dr. med. Gabor Szalay
Dr. med. Gabor Szalay
Leitender Oberarzt,
Leiter der Sektion Handchirurgie am UKGM, Gießen

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