Cannabis, das zukünftig legale Suchtmittel?

Die Diskussionen um die Freigabe von Cannabis schlagen zu weilen hohe Wellen und erregen die Gemüter. Dabei ist eine eindeutige Zustimmung beziehungsweise Ablehnung dieses Vorhabens gar nicht so einfach. Die Befürworter einer Freigabe geben vor, dass man in dem Moment in dem man den Cannabis Gebrauch legalisiert den illegalen Markt aufhebt und somit auch die Gefahr des Konsums von unreinen Stoffen minimiert.

Dies ist jedoch nicht grundsätzlich der Fall. Selbst, wenn man darüber nachdenken würde, die Vergabe von Cannabis entsprechend zu limitieren und klare Regelungen hinsichtlich der zu kaufenden Menge inklusive selbstverständlich des Jugendschutzgesetzes aufstellen würde, bestünde nach wie vor die Gefahr das auf dem Schwarzmarkt entsprechende Substanzen viel günstiger zu beschaffen wären.

Schon heute ist es ja so, dass der Besitz von geringen Mengen Cannabis im Sinne eines Eigengebrauches zwar strafrechtlich immer noch strafwürdig ist, von den Strafverfolgungsbehörden jedoch nicht mehr verfolgt wird. Hier liegt die Hauptproblematik vor allem auch darin, dass dies Landesregelungen sind und die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Grenzwerte haben. So ist die letztendlich akzeptierte Mengen in Berlin fast doppelt so hoch wie in Bayern.

Die Problematik des Cannabiskonsums liegt jedoch noch an vielen anderen Stellen. Eine davon ist, dass in den letzten Jahren die Konzentration des THC sehr viel höher geworden ist als noch vor Jahren. Grundsätzlich unter scheiden wir als Cannabisbestandteile das THC (Tetrahydrocannabinol) und das CBD (Cannabidiol). Während dem THC die psychoaktive Wirkung im Sinne von Angst Reduzierung, Beruhigung etc. zugeschrieben wird, galt bisher das CBD als wenig psychoaktive Substanz. Wenn sie aufmerksam die Bestandteile der momentan auf dem Markt befindlichen Werbung für Hanfprodukte lesen, dann werden sie dort einen sehr niedrigen THC und einen hören CBD Wert wieder finden. Damit werden die vorgeschriebenen Grenzwerte in der Zulassung von Nahrungsmitteln eingehalten. Fakt ist jedoch, dass auch diese Kombinationen durch aus nicht ganz unproblematisch sind und vor allem für Menschen, die bereits eine Abhängigkeit entwickelt haben, gefährlich werden können. Überhaupt ist, vor allem die psychologische Dimension, Hanf zu konsumieren und dies mithilfe von Würstchen, Plätzchen, und vielen anderen Nahrungsmitteln aufzunehmen, eine schleichende Legalisierung des Cannabis und bereitet den letzten Schritt zur Gesamtlegalisierung des Stoffes vor. Die Gefahr bei entsprechendem Cannabiskonsum, wie er zum Beispiel in einzelnen Bundesstarten von Amerika in welchen eine Freigabe durchgeführt wird sehr auffällig ist, besteht in einer deutlich erhöhten Rate von Psychosen die beim Konsum aufgetreten und welche bei den Nutzern zu erheblichen Problemen geführt haben. Noch deutlich verbreiteter bei dem THC Konsum ist die Nebenwirkung, dass durch die entsprechenden Veränderungen im Gehirn Menschen wesentlich größere Probleme haben Sich Informationen über längere Zeit zu merken und vor allem eine entsprechende Motivation aufbringen geplante Vorhaben auch wirklich in die Praxis umzusetzen. In der Fachsprache bezeichnet man das als „amotivationales Syndrom“ und beschreibt damit letztendlich die Tatsache, dass Menschen die Schwierigkeit haben „den Hintern hoch zu bekommen und wirklich aktiv zu werden“.

Mein Wunsch wäre die Entwicklung in anderen Ländern, selbst in der Niederlande geht der freizügige Umgang mit Cannabis immer weiter zurück, genau zu beobachten und wissenschaftlich zu begleiten um nicht von einer Problematik, der Alkoholkonsum und seine negativen Auswirkungen sind nach wie vor ebenfalls ein großes Problem in unserer Gesellschaft, in das nächste zu kommen.

 

Über den Autor

Dr. med. Thomas Klein
Dr. med. Thomas Klein
Ärztlicher Leiter
Klinik Eschenburg

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