Demenz – eine große Herausforderung

Wenn der Partner, Vater, Mutter, Oma oder Opa sich demenziell verändert, ist dies eine riesengroße Herausforderung für die Angehörigen.

Wie soll man damit umgehen, dass das Familienmitglied sich auf einmal verändert, sich nicht mehr erinnern kann, öfter nachfragt und die einfachsten Dinge des Lebens nicht mehr regeln kann.

Oft machen wir in unserer Einrichtung die Erfahrung, dass Angehörige verständnislos, hilflos und leider oft gereizt reagieren, haben sie doch ihren Angehörigen bisher ganz anders erlebt.

Zunächst einmal sollte man die Krankheit „Demenz“ als solche erkennen und akzeptieren.

„Am Anfang der Krankheit sind häufig Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört, im weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Die Betroffenen verlieren so mehr und mehr die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Eine Demenz ist jedoch weitaus mehr als eine einfache "Gedächtnisstörung". Sie kann sich auch in einer zunehmenden Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Sprache, des Auffassungs- und Denkvermögens sowie der Orientierung zeigen. Somit erschüttert eine Demenzerkrankung das ganze Sein des Menschen – seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.“ Auszug aus dem Bundesministerium für Gesundheit

 

Es nützt also nichts, einem dementen Menschen Vorhaltungen zu machen, warum er dies oder das vergessen hat, was er gestern noch wusste.

Er weiß es nicht mehr!

Es nützt nichts, ihm vorzurechnen, wie alt er ist, um ihm zu erklären, dass seine Mutter, nach der er fragt, schon lange gestorben ist.

Er weiß es nicht mehr!

Ein dementer Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Zum Teil fühlt er noch, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt, ist auf der Suche aber findet sich nicht mehr zurecht.

Ich kann mich noch an eine Dame erinnern, die unbedingt mit dem Bus nach Hause fahren wollte, weil ihre Mutter auf sie wartete.

Ich schrieb ihr 2 Abfahrtzeiten des Busses auf einen Zettel, sie war glücklich und hat nie mehr nach dem Bus gefragt.

Eine Dame kam zu mir, verzweifelt, weil ihre Mutter nicht wisse, wo sie sei.

Ich nahm den Telefonhörer in die Hand und sagte der „Mutter“ Bescheid- ohne gewählt zu haben. Danach war alles in Ordnung.

Seien Sie erfinderisch, spielen Sie mit.

Erzählen Sie von früher, sprechen Sie langsam, vielleicht ein Sprichwort, das ergänzt werden kann: z.B. Morgenstund` hat …. Gold im Mund

Es ist nicht alles Gold, ……was glänzt.

Wer andern eine Grube gräbt…fällt selbst hinein.

Hunde, die bellen, …beißen nicht.

 

Singen ist Balsam für die Seele. Früher wurde viel gesungen- vielleicht fällt Ihnen das eine oder andere Lied ein, das Sie gemeinsam singen können.

Berühren Sie Ihren Angehörigen vorsichtig am Arm, bevor Sie mit ihm sprechen,
dann haben Sie seine Aufmerksamkeit und achten Sie darauf, dass Sie sich ansehen.

Sprechen Sie langsam in einfachen Sätzen.

Gehen Sie möglichst viel an die frische Luft, das tut Ihnen Beiden gut und es gibt viel zu sehen, auf das man aufmerksam machen kann.

Auf den Spaziergängen mit meinem Vater habe ich leckere Himbeeren wieder neu entdeckt, die wir gemeinsam gekostet haben, uns an den Buschwindröschen erfreut und uns an das Sammeln der Bucheckern erinnert.

Es gibt so Vieles, an das man sich gemeinsam erinnern kann.

Denken Sie immer daran, dass das Gesprochene oft nicht verstanden wird.

Lassen Sie den Anderen sehen und spüren, um zu begreifen.

Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben. Werner Finck

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Susanne ter Jung
Susanne ter Jung

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Aktuelle Ausgabe4/2020