Wechselwirkung zwischen Kiefergelenks- und Wirbelsäulenbeschwerden

Schmerzen im Kiefergelenk sowie der Hals- und Brustwirbelsäule hängen oft miteinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Dies soll an einem Beispiel aus der Behandlungspraxis aufgezeigt werden.

Ein Fallbeispiel aus der osteopathischen Praxis.

Die Beschwerden einer gestressten Büroangestellten

Eine Patientin, 40-jährig, von Beruf Bürokauffrau, klagte über Schmerzen zwischen den Schulterblättern, zum Nacken und zur Halswirbelsäule hin ausstrahlend. Zum Abend hin wurden die Schmerzen immer heftiger, an manchen Tagen klagte sie auch über starke Kopfschmerzen.

Außerdem klagte sie über ein Knacken der Kiefergelenke.

Die Untersuchung

Bei der Haltungsinspektion wurde ein Rundrücken und eine nach vorne gestreckte Halswirbelsäule erkennbar.

Die Nacken- und Rücken-, Hals- und Gesichtsmuskeln waren sehr verspannt, sie fühlten sich beim Berühren hart und fest an. Außerdem waren sie druckschmerzempflindlich.

Beim Kiefergelenk fiel auf, dass der Mund nicht richtig zu öffnen war und die Zähne glatt geschliffen aussahen, was auf ein nächtliches Beißen hindeutet.

Weiterhin war das Becken nach vorne gekippt und die Knie durchgedrückt. Eine derartige Haltung belastet den Bandapparat der Kniegelenke.

Der Zusammenhang zwischen Kiefergelenk und Rücken

Kiefergelenk, Brustkorb und Rücken sind mit Faszien verbunden.

Der Hals ist mit mehreren Faszienschichten versehen: sie teilen sich auf in oberflächliche, mittlere und die tiefen Faszien. (Fascie cervicalis superfiscialis, Fascie cervicalis media, Fascie cervicalis profunda).

Die oberflächliche Halsfaszie reicht im vorderen Abschnitt vom Zungen- bis zum Schambein (Fascia thoracolumbalis). Im hinteren oder rückwärtigen Abschnitt reicht sie vom Schädelhauptknochen (Galea Aponeurotica) wird dann deutlich stärker und setzt an den Dornfortsätzen der Halswirbelsäule an. Dieses Band nennt man „Linie Nuchae“. Sie verbindet sich in Höhe der Halswirbelsäule mit der mittleren Halsfaszie und teilt sich in der unteren Halsregion in der Ebene des Schlüsselbeins wieder auf und überzieht den gesamten Rumpfbereich.

Die Behandlungen

Die ersten Behandlungen konzentrierten sich auf Kiefergelenk und Nackenmuskulatur.

In den folgenden Behandlungen wurden die Faszien sowohl der Brustwirbelsäule als auch des gesamten Brustkorbes nach der „Rolfing-Methode“ behandelt.

(Anmerkung: Rolfing-Methode und Faszien sind im Gesundheitskompass ausführlich beschrieben worden)

Das Ergebnis nach diesen Behandlungen war überzeugend: die Patientin fühlte sich nicht nur in der Brustwirbelsäule sehr viel leichter und lockerer an, sondern auch der Mund konnte ohne Knacken geöffnet werden.

Der Erfolg war: Die Patienten fühlte sich im Kopf- Nackenbereich leichter

Warum sind noch weitere Behandlungen sinnvoll

Die Faszien bedecken wie eine bindegewebige Platte den ganzen Körper. Sie befindet sich hauptsächlich zwischen dem Unterhautfettgewebe und dem Zellgewebe unter der Haut. Sie verlaufen jedoch nicht nur oberflächig, sondern sie ziehen auch in die Tiefe.

Nun zeigen Verspannungen des Körpers auch Veränderungen d. h. Verklebungen der Faszien und damit Dysfunktionen des Bindegewebes. Diese Verklebungen führen zu Fixierungen, die ihrerseits die Funktionsabläufe der Gelenke und Organe stören.

Um langfristig einen Nutzen dieser Therapie zu erhalten ist eine Behandlungsserie des ganzen Körpers wichtig, um damit auch die tiefen Faszienstrukturen zu therapieren.

Das Ergebnis dieser Behandlungsserie

Das Ergebnis dieser Behandlungsserie war: Die Patientin war von ihren Beschwerden befreit und hatte eine aufgerichtete Haltung erreicht. Um dies zu erhalten meldete sie sich zu einem Yoga-Kurs an.

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Claudia Agne
Claudia Agne

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Aktuelle Ausgabe02.07.