Die Versorgung der Handgelenksarthrose mit einer Totalendoprothese

Die Implantation einer Handgelenksprothese stellt ein Verfahren dar, welches analog zur Hüfte, der Schulter sowie dem Kniegelenk sehr ausgereift ist (Abbildung 1). Die richtige Indikationsstellung vorausgesetzt, zeigen sich in einem hohen Prozentsatz der versorgten Patienten sehr gute Ergebnisse.

Warum entsteht eine Arthrose des Handgelenkes?

Neben anderen Erkrankungen können beispielsweise Frakturen des gelenktragenden Anteils des Radius (Speiche) oder der Ulna (Elle), Bandverletzungen im Bereich der Handwurzel, eine chronische Überlastung, Infektionen sowie eine Veranlagung die Grundlage für eine Abnutzung des Knorpels sein.

Welche Beschwerden haben Patienten mit einer Handgelenksarthrose?

Patienten die unter einer Handgelenksarthrose leiden, beklagen in der Regel belastungsabhängige Beschwerden sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit im Bereich des Handgelenkes. Die Folge ist eine deutliche Funktionseinschränkung der oberen Extremität, die eine Vielzahl von Tätigkeiten im Alltag nicht mehr ermöglicht.

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Neben einem Röntgenbild (Abbildung 2), einer Computertomographie (CT) und einer Kernspintomographie (MRT) kann eine Spiegelung des Handgelenkes (Arthroskopie) helfen die Diagnose zu sichern.

Gibt es konservative Therapiemöglichkeiten?

Prinzipiell sollte immer versucht werden, die Beschwerden durch konservative Maßnahmen zu mildern. Krankengymnastik, Ergo- und Handtherapie sind geeignet die Symptome zu reduzieren. Auch eine das Gelenk ruhigstellende Schiene (Orthese) sowie eine medikamentöse Schmerztherapie kann vorübergehend zum Einsatz kommen, sollte jedoch keine längerfristige Therapieoption darstellen. Erst wenn die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und der Patient unverändert über Beschwerden klagt, muss zwischen Patient und behandelndem Arzt besprochen werden, welche Operation geeignet ist, ein höchst mögliches Maß an Handfunktion und damit auch Lebensqualität zurückzugeben.

Wer kommt für eine Handgelenkprothese in Frage?

Einflußfaktoren, welche Operation für den Patient in Frage kommt, sind neben der Ausprägung der Arthrose und der Lage und Ausdehnung der betroffenen Knorpelanteile natürlich das Alter, der Beruf und die Belastung des Handgelenkes bei privaten und sportlichen Aktivitäten. Auch die Frage ob es sich bei der betroffenen Hand um die dominante Hand handelt sollte ebenso angesprochen werden. Im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgespräches, berät der Arzt über Therapieoptionen. Neben der Denervierung, der Teil- oder Vollversteifung sowie der Entfernung der oberen Reihe der Handwurzelknochen, stellt die Implantation einer Handgelenksprothese eine mögliche Therapieoption dar.

Was wird bei der Operation gemacht und wie geht es danach weiter?

Im Rahmen der Implantation der Prothese, werden die von der Arthrose betroffenen Anteile des Gelenkes zunächst entfernt. Der eine Teil der Prothese verankert sich im Bereich der Handwurzelknochen, der andere im Schaft der Speiche (Radius). Die Operationszeit beträgt etwa 90 Minuten und wird in einer Plexusanästhesie (nur der Arm wird betäubt) oder einer Vollnarkose durchgeführt. Die nach der Operation angefertigten Röntgenbilder dokumentieren den korrekten Sitz der implantierten Prothese (Abbildung 3). Die Hand wird für etwa 4 Wochen in einer Schiene, die zum Waschen oder in Ruhe ausgezogen werden kann, ruhiggestellt. Im Anschluss erfolgt Krankengymnastik oder Ergotherapie.

Wird der Eingriff ambulant oder stationär durchgeführt?

In Abhängigkeit des Alters sowie der Nebenerkrankungen, wird dies im Rahmen der zwingend erforderlichen Aufklärung mit dem Operateur und dem Narkosearzt sowie mit dem Patienten besprochen. Obwohl eine ambulante Operation prinzipiell möglich ist, entscheiden sich die meisten Patienten für einen stationären Aufenthalt.

Welche Komplikationen können auftreten?

Neben den Risiken einer Operation wie Wundheilungsstörung, Wundinfekt, Blutungen und Nachblutungen ist die gravierendste, jedoch sehr seltene Komplikation die Lockerung der Prothese. Die modernen Prothesen sind mittlerweile so weiterentwickelt worden, dass in Studien mit hohen Patientenzahlen nachgewiesen werden konnte, dass die Lockerung der Prothese auch im Langzeitverlauf selten auftritt.

Wann bin ich wieder arbeitsfähig und voll einsatzbereit?

In Abhängigkeit des Berufes, ist mit einer Arbeitsfähigkeit nach 6-8 Wochen zu rechnen. Während nach Ablauf dieser Zeit eine Belastung im Alltag problemlos möglich ist, sollten stark belastende Tätigkeiten unterlassen werden.

Wer sollte keine Handgelenksprothese implantiert bekommen?

Menschen, die beruflich oder privat die Hand sehr stark belasten müssen (Bsp. Handwerker), sollten wegen des erhöhten Risikos einer Lockerung keine Prothese implantiert bekommen.

In der Sektion für Hand- und Ellenbogenchirurgie der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Gießen, werden pro Jahr eine große Anzahl an Eingriffen auf Grundlage einer Handgelenksarthrose durchgeführt. In der Handsprechstunde besprechen wir mit den Patienten die vorhandenen Befunde, und ob die Indikation für einen operativen Eingriff bereits besteht, oder noch weitere Untersuchungen zur Diagnosefindung erforderlich sind. Ebenso wird mit dem Patienten besprochen, ob Ergo-, Hand- oder Physiotherapie, eine temporäre Ruhigstellung oder eine Schmerztherapie an Stelle einer Operation helfen kann die Beschwerden zu lindern.

Gerne können Sie sich an mich wenden, wenn Sie Fragen zu dieser oder einer anderen Problematik an ihrer Hand haben.

Über den Autor

Dr. med. Gabor Szalay
Dr. med. Gabor Szalay
Leitender Oberarzt,
Leiter der Sektion Handchirurgie am UKGM, Gießen

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Aktuelle Ausgabe3/2020