Corona Wissen:
Welche Maske ist die richtige?

In Asien hatte sich das Tragen von Gesichtsmasken schon beim Ausbruch von SARS-COV-1 in 2012 bewährt. Nun hat sich die Erkenntnis, dass Masken zusammen mit einem physischen Abstand das Übertragungsrisiko mindern auch in Europa durchgesetzt. Doch welche Maske ist die richtige für wen und in welcher Situation?

Wir unterscheiden drei Gruppen von Gesichtsmasken:

"Chirurgische Masken"

Diese Masken wurden für den Einsatz im Operationssaal entwickelt und sollen verhindern, dass Keime, die sich in den Atemwegen eines OP-Teams befinden könnten, in die offene Wunde eines Patienten gelangen. Sinn ist also nicht der Schutz des Behandlers vor Keimen des Patienten, sondern umgekehrt der Schutz des Patienten vor potentiellen Krankheitserregern des Maskenträgers. So gesehen sind "Chirurgische Masken" der Prototyp "Sozialer Masken".
Als letztere werden Masken bezeichnet, mit denen man andere vor den eigenen Keimen schützt. Das ist auch der Sinn der Maskenpflicht, die von der Regierung vorübergehend z.B. für das Betreten von Läden vorgeschrieben wurde. "Chirurgische Masken" sind nicht waschbar und für den Einmalgebrauch gedacht. Wird das Material feucht, sollte die Maske entsorgt werden. Auch eine Wiederverwendung über mehrere Tage ist nicht sinnvoll, weil die Maske dann zur Brutstätte von Keimen werden und damit schaden kann.

"Soziale Masken aus Stoff"

Weil o.g. "Chirurgische Masken" dringend in medizinischen Einrichtungen benötigt werden, zudem knapp, teuer und nicht wieder verwendbar sind, werden für den privaten Gebrauch nichtmedizinische Masken aus Stoff empfohlen. Neben der Verfügbarkeit haben diese Masken den Vorteil, dass man sie waschen kann und sie damit beliebig oft verwendbar sind. Die Filterwirkung muss dabei nicht schlechter sein (je nach verwendetem Material könnte sie sogar besser sein) als die einer medizinischen Maske. Sie ist aber materialabhängig unterschiedlich ausgeprägt und nicht medizinisch zertifiziert. Die Masken sollten täglich gewechselt, bei mindestens 60° gewaschen und am besten auch gebügelt werden. Insgesamt schützt eine täglich frische Stoffmaske besser als eine mehrfach bzw. über längere Zeit getragene medizinische Maske.

"N95", "FFP2", "FFP3" - Masken

Diese Masken werden ausschließlich für den Einsatz in Risikobereichen in Medizin und Labor produziert. Sie bestehen aus einem besonders virendichten Material und schließen zudem mit ihren Rändern am Gesicht des Trägers besonders gut ab. Beide Eigenschaften zusammen ermöglichen einen besseren Schutz vor Viren. Wegen des dichteren Materials fällt das Atmen jedoch schwerer. Weil diese Masken auf der gesamten Welt kapp sind und dringend in medizinischen Einrichtungen gebraucht werden, sollten sie nicht für den privaten Gebrauch gekauft oder verwendet werden.

Masken mit Ausatemventil

Weil die Virenfilter der o.g. Masken das Atmen erschweren, wurden für diejenigen Menschen, die über mehrere Stunden ohne Unterbrechung in einem Risikobereich (z.B. Station mit COVID-Patienten) arbeiten müssen, Masken mit einem Ausatemventil entwickelt. Sie filtern die Luft nur beim Einatmen, während die Ausatemluft ungefiltert abgegeben wird. Damit schützen sie nur den Träger, nicht sein Umfeld. Den Sinn einer "Sozialen Maske" (s.o.) erfüllen sie damit nicht und haben nicht nur deshalb absolut nichts im öffentlichen Raum (z.B. Einkaufsladen) verloren.

 

In Hessen gibt es eine Meldepflicht* für den Besitz medizinischer Masken und anderer Schutzausrüstung.

Trotz des unbestrittenen Nutzens von Masken sei abschließen nochmals darauf hingewiesen, dass die unsachgemäße Anwendung von Masken, insbesondere die Mehrfach- bzw. Dauernutzung zu einer gesundheitsschädlichen Verkeimung führen kann

 

* Meldepflicht ist mengenabhängig. Siehe Hessische "Verordnung zum Umgang mit und zur Einführung einer Meldepflicht von persönlicher Schutzausrüstung (Sechste Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus) vom 2. April 2020, in der Fassung vom 28.5.2020".

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

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Aktuelle Ausgabe3/2020