Corona und der Krebs

Als die COVID-Welle in Italien zunehmend viele Menschleben forderte und auch bei uns die Infektionszahlen stetig stiegen, war nicht absehbar, wie viele Behandlungs-, Beatmungs- oder Intensivplätze in Deutschland noch benötigt würden. Daher wurden Kliniken verpflichtet vorsorglich planbare bzw. nicht dringliche Behandlungen zu verschieben. Auch ging die Zahl der persönlichen Patientenkontakte in vielen Arztpraxen aus Infektionsschutzgründen zurück.

Insgesamt haben wir die erste Infektionswelle besser bewältigt als viele andere Länder. Klar ist aber auch, dass die Erkrankungen, deren Abklärung und Behandlung verschoben wurde, nicht verschwunden sind. Sie müssen nachgeholt werden. Dazu gehören auch Untersuchungen zur Krebsvorsorge.

Vorsorge ist kein Notfall und eine Verschiebung in einem angemessenen Zeitraum unproblematisch. Folglich wurden auf dem bisherigen Höhepunkt der „Coronakrise“ weniger Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt und weniger Krebserkrankungen entdeckt als noch im Vorjahresvergleich. Nun sollte die Vorsorge aber nicht vergessen, sondern nachgeholt werden. Verzögert sich eine Krebsdiagnose nicht nur um wenige Wochen oder Monate, sondern um z.B. ein Jahr, kann sich dies erheblich auf die Heilungschancen auswirken.

Damit Sie Ihre Vorsorgeuntersuchungen nicht vergessen, will Sie dieser Artikel über die von Ärzten und dem Gesundheitsministerium empfohlenen Krebsvorsorgeuntersuchungen und deren Zeiträumen informieren.

Welche Krebsvorsorge sollte wann erfolgen?

Frauen sollten ab dem 20. Lebensjahr zur Gebärmutterhals-Krebsvorsorge beim Frauenarzt gehen. Bis zum 34. Lebensjahr sollte die Untersuchung jährlich erfolgen, danach alle drei Jahre. Ab dem 30. Geburtstag sollten Frauen jährlich zur Brustkrebsvorsorge, im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre zur Röntgenuntersuchung der Brust (Mammographie-Screening).

Männer und Frauen sollen sich ab 35 Jahren im Abstand von je zwei Jahren beim Hautarzt zur Hautkrebsvorsorge vorstellen.

Männern wird ab einem Alter von 45 Jahren eine jährliche Prostatakrebsvorsorge beim Urologen empfohlen.

Ab einem Alter von 50 Jahren beginnt geschlechtsunabhängig die Darmkrebsvorsorge. Dazu gehört ein jährlicher Test auf verborgenes Blut im Stuhl bis zum Alter von 54 oder darüber hinaus bis zur ersten Darmspiegelung. Männern wird ab einem Alter von 50 Jahren eine Darmspiegelung sowie einer Wiederholung nach 10 Jahren empfohlen. Frauen wird die erste Darmspiegelung mit 55 Jahren und ebenfalls eine Wiederholung nach 10 Jahren empfohlen.

Der Begriff der Vorsorge und die genannten Empfehlungen beziehen sich auf gesunde Menschen ohne Krankheitssymptome. Geht es um die Abklärung einer Krankheit so können alle notwendigen Untersuchungen selbstverständlich unabhängig von allen Vorsorgeplänen durchgeführt werden.

Empfehlungen für Risikopatienten

Risikopatienten meint hier nichts im Sinne einer COVID-Erkrankung, sondern Menschen mit besonderen Risiken für eine Krebserkrankung. Diese können sich beispielsweise ergeben, wenn Krebserkrankungen bei Familienangehörigen aufgetreten sind oder eigene Erkrankungen bekannt sind, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen. Für diese gelten oft abweichende Vorsorgeempfehlungen.

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

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