Grippeimpfung rettet leben

Die Influenza, auch „echte Grippe“ genannt, war im 20 Jahrhundert in Europa die mit Abstand tödlichste Infektionserkrankung. Die schwerste bekannte Grippepandemie gab am Ende des 1. Weltkrieges. An der sogenannte „Spanischen Grippe“ starben in den Jahren 1918 bis 1920 weltweit etwa 50 Millionen Menschen. Die Grippe forderte mehr Menschenleben als der Krieg. Die letzte Grippepandemie wurde unter dem Namen „Hongkong-Grippe“ bekannt. An ihr starben zwischen 1968 und 1970 ca. eine Million Menschen weltweit. In Deutschland gehen Experten von rund 40 Tsd. Toten im Winter 1969/70 aus. Die schlimmste Grippewelle im 21 Jahrhundert hatten wir im Winter 2017/2018 mit nach Angabe des Robert-Koch-Institutes 25.100 Toten.

Ist die Influenza gefährlicher als SARS-COV-2?

Liest man allein diese Zahlen, könnte der Eindruck entstehen, dass die Grippe gefährlicher sei als die aktuelle Corona-Pandemie. Doch es gibt einige wesentliche Unterschiede: Gegen die Grippe gibt es seit 1942 einen wirksamen Impfstoff. Grippe-Todesfälle sind daher weitestgehend vermeidbar. Die globale Bilanz der COVID-Erkrankung ist nicht abschätzbar, da die Erkrankung noch lange nicht vorbei ist. Ohne die weltweit ergriffenen Maßnahmen wäre die Zahl der COVID-Opfer wesentlich höher.

Der mehrfache Nutzen einer Grippeimpfung

Die Grippeimpfung schützt nicht nur den geimpften vor einer schweren Erkrankung. Sie vermindert auch die Ausbreitung der Erkrankung. Die Verhinderung einer starken Grippewelle entlastet Arztpraxen und Kliniken und erleichtert damit die Behandlung von COVID-Patienten

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Grippeimpfung wird allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren und chronisch Kranken jeden Alters empfohlen. Auch Säuglinge und Kleinkinder können geimpft werden. Ferner sollten Menschen die im Gesundheitswesen arbeiten geimpft werden, sofern sie Patientenkontakte haben und damit einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.

Leider haben sich in den letzten Jahren nur etwa ein Drittel der Menschen, denen eine Impfung empfohlen wird, impfen lassen. Offensichtlich wird die Erkrankung noch immer nicht ernst genug genommen. Mehr Impfungen können viele Menschenleben retten.

Wann sollte geimpft werden?

Die Impfung sollte am besten vor Beginn der Grippesaison, d.h. im Oktober oder November vorgenommen werden. Da sich Grippeviren häufig verändern, sollte die Impfung jährlich mit dem aktuellen Impfstoff wiederholt werden.
 

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

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