Eine Milbenlarve verursacht den „Herbstbeiss“

Trombidiosis autumnalis

Regelmäßig im Spätsommer und den warmen Herbstmonaten befällt eine winzige Milbenlarve als hartnäckiger Quälgeist Natur liebende Menschen – Große wie Kleine –mit einem gezielten Saugbiss, der ein stark juckendes Hautekzem zur Folge hat.

Die „Lauf/Heu/Wandermilbe“ gehört zur großen Familie der Spinnentiere.

Mit 2 mm Größe ist sie nur schwer zu erkennen, tritt jedoch europaweit regional gehäuft als wahre Plage auf. In Folge der fortschreitenden Klimaerwärmung wird sie mittlerweile immer häufiger bereits schon im Frühjahr beobachtet.

Ihre (nur) sechsbeinigen Larven (Größe 0,3 mm) benutzen Vögel, Mäuse, Kleinsäugetiere auch Haustiere wie Hund und Katze als Zwischenwirte, wobei der Mensch ein fataler „Fehlwirt“. für sie ist: Sie können sich weder weiter entwickeln noch vermehren. Ob die Larven für uns gefährliche Infektionserreger wie Rickettsien, Borrelien oder Zeckenviren übertragen können ist bislang noch nicht abschließend erforscht. Klinische Fälle sind nicht bekannt, im Labor wurden jedoch vereinzelt Träger von Zoonosen entdeckt.

Milbenlarven lieben die Sonnenwärme. Sie lauern im Gras und Unterholz bis zu einer Höhe von einem halben Meter. Dann beißen sie zumeist in den frühen Abendstunden und gerne bei Temperaturen über 30 C. Betroffen sind gehäuft Körperstellen, an denen ihre „Wanderstrecke“ durch beengende Kleidung wie Gürtel, Hosenbund auch Pampers in Gelenkbeugen wie Achsel, Armbeugen, Kniekehle oder im Lendenbereich behindert wird. So ergibt sich die typische straßenläufige Ausbreitung der Effloreszenzen. Die Nymphen stechen mit ihren Beißzangen, haken sich in der Oberhaut fest, saugen flüssiges und vor verdaute Haut und Gewebelymphe samt ihrem Speichel durch ihren Rüssel auf und machen sich bereits nach einigen Stunden „aus dem Staub“. Der eigentliche Biss wird nicht bemerkt, doch tritt nach einiger Zeit - schneller bei nächtlicher Bettwärme – ein sehr lästiger, mehrtägiger Juckreiz auf. An der Bissstelle bildet

sich eine hochrote, rundlich ovale Papel mit weißlichem Randsaum (Quaddel), die bis zu einem Zentimeter groß werden kann. Durch kaum vermeidbares Reiben und Kratzen vergrößert sich die immer unblutige Läsion, die dann nässen und zusätzlich bakteriell infiziert werden kann.

Die Beschwerden klingen in der Regel nach etwa 10 Tagen ohne Narbenbildung ab.

Was kann man gegen diese Parasiten tun?

Prophylaktisch möglichst wenig „nackte Haut“ anbieten oder bewährte Repellents als Insektenabwehr einsetzen. Akut hilft immer schnelle Kühlung mit kaltem Wasser sowie zusätzlich Salben - auch mit topischem Kortison z.B. „FeniHydrocort Creme“. Antihistaminika wie Cetrizin/Fenistiltropfen oder Tabletten lindern deutlich den Juckreiz. Großflächiges Betupfen mit Tumenol Lotio als Kühlung. Bei einer bakteriellen, insbesondere eitrigen Superinfektion nach zu heftigem Kratzen der Bissstelle sind antibiotikahaltige Salben wie „Infectopyoderm“ oder „Fucidine“ indiziert.

Differentialdiagnostisch muss immer an eine Skabies, die Hautmilbenkrätze gedacht werden, die mit ähnlichem Erscheinungsbild jedoch sehr viel hartnäckiger auftritt und nach Anleitung konsequent mit z.B. „Goldgeist forte“ über mehrere Tage behandelt werden muss. Im Säuglingsalter/Kleinkindalter kuriert z.B. „InfectoPedicul“ die Infektion.

In vielen Fällen ist bei der sich schnell weiter verbreitenden Krätze eine antientzündliche Salben- oder Lotion Nachbehandlung erforderlich. Täglicher Kleiderwechsel! Alle Familienmitglieder müssen gründlich auf Milbenbefall mit Bisswunden, Gänge teils mit Eiern und noch aktiven Läusen „abgesucht“ und systematisch mit behandelt werden.

Bei starken oder lang anhaltenden Ekzembeschwerden durch Insektenstiche oder Bisse sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.

Lassen Sie sich den Restsommer und Herbst nicht durch Parasiten aller Art

verderben – bleiben Sie und ihre Kinder vorsichtig und achtsam

 

Über den Autor

Dr. med. Josef Geisz
Dr. med. Josef Geisz
Kinder-Jugendarzt/Allergologie, Wetzlar

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