Die endoskopische Operation des Karpaltunnelsyndroms

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Ursache, weshalb Patienten einen Arzt aufsuchen. Ursache ist eine Kompression des mittleren Armnerven (Nervus medianus) auf Höhe des Handgelenkes.

Symptome

Patienten, die unter einem Karpaltunnelsyndrom leiden, beklagen ein Taubheitsgefühl in einem klar definierten Bereich der Hand (Abbildung 1). In Frühstadien sind zunächst nur einzelne oder Teilbereiche der Finger betroffen und die Symptome treten nur zeitweise, bevorzugt nachts oder nach Belastungen auf. Im späteren Stadium sind die Empfindungsstörungen dauerhaft vorhanden oder treten auch ohne erkennbaren Anlass auf. Während bei vielen Patienten die Missempfindung das einzige Symptom ist, beklagen einige Patienten zusätzlich Schmerzen in der Hand, die bis in den Arm und die Schulter hinaufziehen. Betroffene wachen oft nachts mit schmerzenden Fingern auf, morgens sind die Finger häufig angeschwollen und steif. Den Patienten fällt es zudem häufig schwer ein Kleidungsstück zuzuknöpfen oder kleine Gegenstände aufzuheben. In fortgeschrittenen Stadien kommt es zu einem Muskelschwund (Muskelatrophie) im Bereich des Daumenballens (Abbildung 2).

Ursache und Risikofaktoren

Die Verdickung der Beugesehnenscheide ist ein Grund für den erhöhten Druck auf den mittleren Armnerven im sogenannten Karpaltunnel. Dieser Durchgang wird von den Handwurzelknochen und einem stabilisierenden Band (Retinaculum flexorum) gebildet. Weitere Ursachen sind Verletzungen wie beispielsweise ein Knochenbruch im Bereich des Handgelenkes, hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Wechseljahre), erbliche Faktoren oder andere Erkrankungen wie u.a. Rheuma, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes, Übergewicht oder eine chronische Nierenerkrankung. Schwere körperliche Belastungen und Arbeiten mit speziellen Maschinen (wie beispielsweise Presslufthammer) sowie repetitive, belastende Tätigkeiten sind weitere Risikofaktoren. Findet sich keine konkrete auslösende Ursache, spricht man von einem "idiopathischen Karpaltunnelsyndrom".

Häufigkeit

Etwa 10 % der Bevölkerung haben Symptome eines Karpaltunnelsyndroms. Nicht alle sind behandlungsbedürftig. Pro Jahr erkranken etwa drei von 1.000 Menschen neu an einem Karpaltunnelsyndrom. Frauen sind etwa drei Mal häufiger betroffen als Männer. Das Karpaltunnelsyndrom tritt meist zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr auf. Kinder und Jugendliche sind selten betroffen.

Neurologische Untersuchung

Jeder Patient, der den klinischen Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom hat, sollte einem Facharzt für Neurologie vorgestellt werden. Mit der Elektroneurografie (ENG) in Form einer Oberflächen-ENG oder einer Nadel-ENG wird gemessen, wie schnell der mittlere Armnerv empfangene Reize weiterleitet und auf einen Muskel überträgt. Damit kann das Ausmaß der Nervenschädigung gemessen werden.

Weitere Untersuchungen

Bei Unklarheiten oder um Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen (Differentialdiagnosen) auszuschließen, können noch ergänzende Untersuchungen wie ein Ultraschall (Sonografie), ein Röntgen oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.

Konservative Therapie

In Frühstadien der Erkrankung sowie bei nur geringer Ausprägung der Symptome sollte versucht werden, durch konservative Maßnahmen die Beschwerden zu lindern. Insbesondere bei jungen Menschen, Schwangeren und jenen, die eine behandelbare Grunderkrankung haben, sollte zunächst dieser Form der Therapie der Vorrang vor operativen Ansätzen gegeben werden. Mögliche Maßnahmen, die im individuellen Fall vom Arzt entschieden werden müssen, sind beispielsweise eine nächtliche Ruhigstellung des Handgelenks mit einer speziellen Schiene, die Verabreichung von Kortison oder die körperliche Schonung. Insbesondere die Therapie durch geschulte Hand- und Ergotherapeuten bzw. Krankengymnasten zeigt immer wieder gute Erfolge. Entsprechende Rezepte kann der behandelnde Arzt ausstellen.

operative Therapie

Zeigen die konservativen Maßnahmen keine Wirkung, beklagt der Patient starke Schmerzen, eine dauerhafte Gefühllosigkeit der betroffenen Finger und liegt eine stark verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit vor, muss mit dem Patienten über die Operation gesprochen werden. Neben der offenen Spaltung des Karpaldaches in lokaler Betäubung besteht auch die Möglichkeit diesen minimalinvasiv (endoskopisch) zu spalten. Diese wird in der Regel in einer Vollnarkose oder einer Plexusanästhesie (nur der Arm wird betäubt) im Rahmen einer ambulanten Operation durchgeführt. In unserer Praxis bieten wir sowohl die offene ebenso wie die endoskopische Karpaltunneloperation, an. Über einen etwa 1-2 cm messenden querverlaufenden Schnitt etwas oberhalb der Beugesehnenfalte wird das Endoskop in den Karpalkanal eingeführt (Abb. 3) und anschließend das Karpaldach auf kompletter länge dargestellt (Abb. 4) und mit dem im Endoskop integrierten Messer gespalten (Abb. 5 und 6). Dadurch hat der Nerv wieder Platz und die auslösende Ursache ist behoben. Mit der Hautnaht (Abb. 7) und einem Verband endet die Operation nach wenigen Minuten. Eine anschließende Ruhigstellung in einer Schiene wird nur in seltenen Fällen durchgeführt. Ein lockerer Verband sowie die Schonung der Hand für 2-3 Wochen ist ausreichend. Regelmäßige Wundkontrollen sowie die Entfernung des Nahtmaterials nach 10-14 Tagen folgen. In Abhängigkeit der beruflichen und privaten Belastung der Hand kann eine Wiederaufnahme der Belastung nach etwa 2-3 Wochen erfolgen.

Risiken der Operation

Die von uns durchgeführte offene ebenso wie die endoskopische Karpaltunneloperation ist sehr risikoarm. In seltenen Fällen kommt es zu Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Nachblutungen. Eine operationsbedingte Verletzung des Nerven gilt als eine gravierende, dafür aber auch seltene Komplikation dieses Eingriffes. Darüber werden Sie jedoch ausführlich in einem präoperativen Aufklärungsgespräch vom behandelnden Arzt informiert.

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose des Karpaltunnelsyndroms hängen von der Ausprägung der Symptome ab. In der Regel sind bei korrekt durchgeführter Operation alle Symptome reversibel und die Hand im Anschluss sowohl im beruflichen als auch privaten Umfeld wieder voll belastbar. Bestanden die Symptome schon lange Zeit und liegt bereits eine Atrophie der Daumenballenmuskulatur vor, so erholt sich dies in seltenen Fällen nicht immer vollständig.

 

In der Praxis an der Sportklinik in Bad Nauheim werden pro Jahr eine große Anzahl an Karpaltunneloperationen durchgeführt. In der Sprechstunde besprechen wir mit den Patienten die vorhandenen Befunde und ob die Indikation für einen operativen Eingriff bereits besteht oder noch weitere Untersuchungen zur Diagnosefindung erforderlich sind. Ebenso wird mit dem Patient besprochen, ob Ergo-, Hand- oder Physiotherapie helfen kann, die Beschwerden zu lindern.

Gerne können Sie sich an mich wenden, wenn Sie Fragen zu dieser oder einer anderen Problematik an Ihrer Hand haben.

Über den Autor

Dr. med. Gabor Szalay
Dr. med. Gabor Szalay
Leitender Oberarzt,
Leiter der Sektion Handchirurgie am UKGM, Gießen

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