Tanzen – ein gesunder Präventionssport

Ein gesunder Lebensstil wirkt sich positiv auf vielfältige Aspekte der Gesundheit aus, so auch auf den Blutdruck. Kern von Lebensstiländerungen sind zumeist Optimierung des Körpergewichts, Meiden von schädlichen Angewohnheiten (Rauchen, Stress, übermäßig viel Alkohol), eine positive Lebenseinstellung – und eben mehr Sport. Hier wird zumeist mehr Ausdauertraining empfohlen, aber auch richtig betriebenes Kraftausdauertraining hat nachweislich positive Einflüsse auf den Körper mit Senkung eines erhöhten Blutdrucks.

Für das Konzept eines Präventionssports, der über möglichst lange Zeit und regelmäßig durchgehalten werden sollte, bietet sich das Tanzen geradezu an. Schon seit langem ist bekannt, dass das Tanzen mit dem Erlernen und Einüben der Schrittfolgen eine Bewegungsform ist, die in hohem Maße Körper und Geist positiv beeinflussen kann. Tanzen trainiert den ganzen Körper, von der Beweglichkeit über Balance und Ausdauer bis hin zur Schulung von Koordination und des Rhythmusgefühls und – ganz wichtig – der Lern- und Merkfähigkeit.

Tanzen gehört sportmedizinisch zu den sogenannten kompositorischen Sportarten, bei denen also mehrere sportliche Fähigkeiten gemeinsam gefordert werden, um das Ziel zu erreichen. Es vereinbart eine Kombination aus Koordination, Rhythmisierungsfähigkeit, Ausdauer, Kraft und Merkfähigkeit. Mit Blick auf mögliche positive Effekte für den Blutdruck steht auch beim Tanzen die Ausdauerkomponente und auch sekundär die Kraftausdauerkomponente des Sports im Vordergrund.

Ein Wettkampftanz ähnelt in seiner Belastung in etwa der eines 800 m-Laufs. Bei einer Stunde Tanzen verbraucht eine 60 kg schwere Frau durchschnittlich 200 kcal – genauso viel wie z.B. bei einer Stunde Gymnastik oder Volleyballspielen. Ein 70 kg schwerer Mann, der eine Stunde lang Rock`n Roll tanzt, verbraucht rund 600 kcal – genauso viel wie bei einer Stunde joggen. Eine Stunde Tango macht immerhin noch durchschnittlich 400 kcal weniger in der Energiebilanz, etwa so viel wie eine Stunde Badminton.

Es gibt aktuelle Studien zu der Fragestellung, ob und in wieweit das Tanzen geeignet ist, den Blutdruck von Hochdruckpatienten günstig zu beeinflussen. Dabei konnten die leistungssteigernden und gewichtsreduzierenden Effekte des Tanzens belegt werden. Diese hängen weniger vom Tanzstil als vielmehr von der Dauer und Intensität der körperlichen Bewegung ab. Bezüglich des Blutdrucks konnte Tanzen den systolischen Blutdruck um 12 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 3 mmHg senken. Diese Effekte liegen deutlich höher als die von Kraftausdauertraining und in etwa auf dem Niveau von Ausdauersport.

Im Zeitalter der Corona-Pandemie ist Tanzen in Abhängigkeit der lokalen Infektionszahlen unter Einhaltung der Hygiene- und Lüftungskonzepte sowie der Personenanzahl im Raum, Wahrung des Mindestabstandes zu anderen Tanzenden und Meiden eines Wechsels des Tanzpartners auch unter Corona-Bedingungen möglich.

Die Daten belegen, dass Tanzen sehr gut als Präventionssport geeignet ist und hier anderen Sportarten in nichts nachsteht. Auch mit Blick auf blutdrucksenkende Effekte bei Bluthochdruckpatienten schneidet Tanzen recht gut ab. Schließlich kann man Tanzen in fast jedem Alter beginnen. Es ist als Gruppensport und besonders mit Partner langzeitmotivierend. Zudem bietet Tanzen sportliche Anreize bis ins hohe Alter.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Martin Brück
Prof. Dr. med. Martin Brück
Chefarzt der Medizinischen Klinik I
Klinikum Wetzlar

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