Kinder auf der Skipiste

Chirurgischer Ratgeber:
Verletzungsrisiko bei Kindern begrenzen

Werden Schlitten, Schlittschuhe, Skier, Carver, Snowboards mit dem ersten Schnee in Vorfreude hervorgeholt, sollten die Erwachsenen sich bewusst sein, welche Gefahren bei Kindern bestehen.

Die Unfallhäufigkeit im Wintersport liegt bei 50.000 Verletzten im Jahr.

In der Skisaison 2018/19 wurden über 17% aller Verletzungen durch Kollisionen (mit)verursacht, die Anzahl erhöht sich von Jahr zu Jahr.

Kinder sind besonders gefährdet

Kinder fahren häufig sehr schnell und unvorsichtig. Bis zu 10mal ist die Neigung zum Risiko höher als bei Erwachsenen, obwohl sie ihre Bretter meist noch nicht richtig unter Kontrolle haben. Sie können Geschwindigkeit und Gefahren nicht richtig einschätzen, Hindernisse werden gefährlich. Nicht selten endet deshalb das Skivergnügen für den Nachwuchs im Krankenhaus.

Verletzungsrisiko bei Kindern vermindern

Die Verletzungen bei Kindern betreffen vorwiegend Hände, Arme und Schlüsselbeine, bei Erwachsenen die unteren Gliedmaßen, an erster Stelle das Kniegelenk.

Am häufigsten sind Prellungen und Verstauchungen, gefolgt von Brüchen und Ausrenkungen der Gelenke sowie Zerreißung von Bändern, Sehnen und Muskeln.

In rund zehn Prozent aller in der Klinik behandelten Skiunfallopfer liegt eine Verletzung am Kopf vor. Nasenbluten und Kratzer sind nicht so schlimm, Schädelbrüche sind selten aber sehr gefährlich. Bei schweren Unfällen wie einem Überschlag oder einem Frontalcrash mit Bewusstseinsstörungen ist dringliche Hilfe erforderlich, eine Gehirnerschütterung muss ausgeschlossen werden.

Sicherheit durch Schutzhelm erhöhen

Was sich beim Radfahren längst bewährt hat, trifft seit Jahren auch auf den Wintersport zu. Den entscheidenden Sicherheitsvorteil eines Schutzhelms für ihren Nachwuchs halten die meisten Eltern für wesentlich. Die Sorge, dass sich Nackenverletzungen einstellen, weil die Last des Helmes bei Kindern zu groß ist, hat sich als unbegründet herausgestellt. Das Risiko einer Kopfverletzung halbiert sich, wenn Ski- und Snowboardfahrer bei einem Unfall einen Helm tragen. Zusätzlich sorgt farbenfrohe auffällige Kleidung dafür, dass der Skinachwuchs auch bei schlechten Sichtverhältnissen nicht übersehen wird. Schoner an Knien oder Handgelenken können vor schmerzhaften Sturzfolgen schützen. Die richtige Einstellung der Ski- Bindung ist unerlässlich für eine zuverlässige Auslösung bei einem Sturz. Lassen Sie deshalb Ihre und Ihres Kindes Ski- Bindung jährlich überprüfen und neu einstellen.

 

Kinder durch eigenes Vorbild schützen

Die Verantwortung der Eltern, ihrem Nachwuchs das richtige Verhalten auf der Piste oder Rodelbahn vorzuleben, dürfte die ausschlaggebende Verhaltensweise sein, Unfallgefahren zu minimieren.

Wichtig ist, dass Eltern immer ein gutes Vorbild abgeben, denn bei ihnen schaut sich der Nachwuchs seine Fahrweise ab. Sich an die Pistenregeln zu halten, sollte deshalb selbstverständlich sein. Um die Kinder nicht zu überfordern, gilt es zudem das Tempo ihren Fähigkeiten anzupassen. Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, mithalten zu müssen, sie neigen oft zu Selbstüberschätzung und erhöhter Risikobereitschaft.

Kindern Pausen gewähren

Wenn an den Nachmittagen des Wintersporttages die Konzentration und Kraft nachlässt, steigt die Unfallhäufigkeit deutlich an. Pausen, um sich auszuruhen, zu essen und zu trinken, sind wesentliche Zeiten, um den „Akku“ wieder aufzuladen. Kinder überschreiten unabsichtlich die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit, weil sie sich selbst nicht umfassend einschätzen können und die Kleineren den Größeren nicht nachstehen wollen.

Treffpunkt und Uhrzeit besprechen

Unabdingbar ist es, das Tempo dem Vermögen des Kindes anzupassen, auch auf einfachen Pisten und bei bestem Wetter. Nicht selten ist plötzlich kein Blickkontakt mehr vorhanden. Vereinbaren Sie mit Ihrem Nachwuchs immer vorher einen gemeinsamen Treffpunkt für den Fall, dass Sie sich verlieren. Auch die Vereinbarung eines Zeitrahmens mit feststehender Uhrzeit sollte immer vor unliebsamen Suchen, Warten und Sorgen schützen.

DSV-Skisport-Verhaltensregeln

  1. Rücksicht auf die Anderen - jeder Skifahrer muss sich stets so verhalten, dass er niemanden gefährdet oder schädigt.
  2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise - Jeder Skifahrer muss Geschwindigkeit und Fahrweise seinem Können und den Gelände - und Witterungsverhältnissen anpassen.
  3. Wahl der Fahrspur- Der von hinten kommende Skifahrer muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer nicht gefährdet.
  4. Überholen – Überholt werden darf von oben oder unten, von links oder rechts, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
  5. Pflichten des unteren und des querenden Skifahrers – Jeder Skifahrer, der in eine Abfahrtsstrecke einfahren oder ein Skigelände queren will, muss sich zuvor nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und anderen tun kann. Dasselbe gilt auch nach jedem Anhalten.
  6. Verweilen auf der Abfahrt – Jeder Skifahrer muss es vermeiden, sich ohne Not an engen und unübersichtlichen Stellen einer Abfahrtsstrecke aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer muss eine solche Stelle so schnell wie möglich wieder freimachen.
  7. Aufstieg – Der aufsteigende Skifahrer darf nur den Rand einer Abfahrtsstrecke benutzen; er muss auch diesen bei schlechten Sichtverhältnissen verlassen. Dasselbe gilt auch für den Skifahrer, der zu Fuß absteigt.
  8. Beachten der Zeichen – Jeder Skifahrer muss die Markierungen und Hinweisschilder auf den Abfahrtsstrecken beachten.

9. Bei Unfällen ist Jeder zur Hilfeleistung verpflichtet.

  1. Ausweispflicht bei Unfällen – Jeder, der Zeuge oder Beteiligter, ob

verantwortlich oder nicht, muss bei einem Unfall seine Personalien angeben.

 

Und verlassen Sie nie die markierten Pisten, ein falsches Signal für Ihre Kinder! Ski und Rodel gut! Die schönste Nebensache bei herrlichem Sonnenschein und Pulverschnee.

Über den Autor

Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold
Dr. med. Klaus-Dieter Schiebold

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Aktuelle Ausgabe07.01.