Sehstörungen bei Parkinson-Syndromen

häufig nicht ausreichend beachtet, Teil 1

Einleitung

Neben den typischen Störungen der Beweglichkeit, wie Verlangsamung, Steifheit und/oder Ruhezittern leiden Parkinson-Patienten häufig unter nicht klar zu beschreibenden Sehstörungen, sie werden als unspezifisch bezeichnet. Diese Sehstörungen betreffen alle Verlaufsformen der Erkrankung. Obwohl sich in den letzten Jahren sehr viele Forschungsgruppen mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, gibt es noch keine ausreichenden Behandlungsangebote. Auch das Wissen um diese krankheitsbedingten Sehstörungen unter den Patienten ist lückenhaft.

Wesentlich bekannter sind die im Langzeitverlauf gefürchteten optischen Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen), welche einer Änderung der Medikation offenstehen. Sie sind nicht Thema dieser Arbeit.

Erkennung von Sehstörungen

Fast jeder zweite Patient klagt im mittleren und fortgeschrittenen Krankheitsstadium über unspezifische Sehstörungen, wie Verschwommensehen, Doppelbilder und Verschwimmen der Buchstaben. Alltägliche Dinge, wie Lesen, Fahrrad- oder Autofahren werden dadurch in einigen Fällen unmöglich. Die ohnehin schon vorhandene Gangunsicherheit mit gestörter Balance wird weiter verstärkt, das Sturzrisiko steigt. Neben den charakteristischen motorischen und vielfältigen nichtmotorischen Defiziten führen somit auch Sehstörungen zu einer Einschränkung der Aktivitäten des täglichen Lebens und konsekutiv zu einer Verschlechterung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten.

Sehstörungen sind multifaktoriell

Parkinson-Patienten vereinen gleich drei Ursachen für Sehstörungen. 1. die typischen Augenerkrankungen des Alters, wie der graue und der grüne Star und die Netzhautschädigung (Makuladegeneration), 2. Sehstörungen als Nebenwirkung der Parkinson-Medikation und 3., und auf dies soll später besonders eingegangen werden, Sehstörungen aufgrund von Parkinson-spezifischen Störungen der Lid- und Augenmuskulatur.

Altersbedingte Augenerkrankungen

Zu den typischen altersbedingten Augenerkrankungen bei Parkinson, welche mit Sehstörungen einhergehen, gehören der graue Star (Katarakt), der grüne Star (Glaukom) und die Makuladegeneration. Glaskörpertrübungen und Altersweitsichtigkeit sowie Gefäßveränderungen der Netzhaut infolge einer gleichzeitig bestehenden Zuckerkrankheit sind ebenfalls häufig. Die Therapie dieser Erkrankungen obliegt dem Augenarzt.

Bei all diesen Diagnosen ist ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung und damit eine frühzeitig beginnende Therapie zur Vermeidung von Spätschäden sehr wichtig. Aufgrund der sehr spezialisierten Diagnostik in der Augenheilkunde kommt der Kommunikation zwischen Augenarzt und Neurologen bei Parkinson-Patienten eine besondere Bedeutung zu.

Besonders erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind Studien mit Levodopa zur Behandlung der Makuladegeneration, die Ergebnisse der aktuellsten Studie wurden in diesem Jahr veröffentlicht [1].

Nebenwirkungen von Medikamenten als Ursache von Sehstörungen

Wahrnehmungs- und Sehstörungen, wie optische Halluzinationen, Verschwommensehen und Doppelbilder, werden in den Fachinformationen fast aller Parkinson-Medikamente dokumentiert. Eine Überprüfung der Medikation, und wenn möglich ein Auslassversuch, ist im Rahmen eines standardisierten Vorgehens dann zu empfehlen, wenn diese Sehstörungen erst nach Gabe eines neuen Parkinson-Medikaments aufgetreten sind.

Insbesondere können jedoch Medikamente mit einer sogenannten anticholinergen Wirkung zu Sehstörungen führen. Beschrieben werden Verschwommensehen, erhöhte Lichtempfindlichkeit infolge einer verminderten Pupillenbeweglichkeit und bei Parkinson-Patienten u.a. auch Halluzinationen. Bei Patienten mit einem Engwinkelglaukom und Parkinson sollten diese Medikamente gar nicht oder nur unter besonderer Überwachung zum Einsatz kommen. Leider haben viele Arzneimittel diese Nebenwirkung, für Parkinson-Patienten bedeutsam sind die Gruppe der Anticholinergika, welche auch aus anderen Gründen heute kaum noch verordnet werden, aber auch Amantadin.

Doppelbilder werden von einigen Patienten zum Beispiel unter Pramipexol berichtet (eigene Beobachtung), sie bessern sich durch Dosisreduktion oder Absetzen des Medikamentes. In der Fachinformation steht unter häufigen Nebenwirkungen: Sehstörungen einschließlich Doppeltsehen, verschwommenes Sehen und verminderte Sehschärfe. In den Fachinformationen anderer Dopaminagonisten werden sie unter der Rubrik „gelegentlich“ genannt.

Eine den M. Parkinson begleitende altersbedingte Makuladegeneration und eine fortgeschrittene Netzhautschädigung sind Gegenanzeigen für den Einsatz von Safinamid

Die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. finanziert als Forschungsprojekt die Entwicklung eines Sehtrainings für Parkinson-Patienten. Wenn Sie dieses Projekt mit einer Spende unterstützen möchten, hier die Daten: Volksband Düsseldorf Neuss eG, Kontonummer 555 555 555, BLZ 301 602 13 / IBAN DE34 3016 0213 0555 5555 55 / BIC: GENODED1DNE

Stichwort: Sehtraining

Quelle:

Figueroa A, Boyd BM, Christensen CA et al. Levodopa Positively Affects Neovascular Age-Related Macular Degeneration. Clin Res Stud 2021; 134 (1): 122-128.

 

Über den Autor

Dr. Ilona Csoti
Dr. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen

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