Macht Zugluft krank?

In Zeiten von Corona wird uns zu häufigem Lüften der Innenräume geraten. Schulklassen sollen gar alle 20 Minuten die Fenster öffnen. Der Luftaustausch reduziert die Krankheitserreger und senkt so das Infektionsrisiko.
Doch haben wir nicht schon als Kinder gelernt, dass Zugluft krank macht? Pass auf, dass du dir keinen Zug holst – so der Volksmund. Es drohen Nackenschmerzen und Erkältung. Wie denn nun: Macht Lüften krank oder schützt es uns vor Krankheit?

Erkältungen durch Zugluft

Zugluft kann zu einer raschen Abkühlung des Körpers sowie der Schleimhäute in Nase und Rachen führen. Die Schleimhäute werden dann weniger durchblutet, trocknen aus und können feine Risse bilden. Das begünstigt das Eindringen von Krankheitserregern. Es kann zu einer Erkältung kommen. Das Risiko eines Infektes nimmt zu, wenn der Körper zuvor geschwitzt hat. Die Zugluft erzeugt dann eine Verdunstungskälte und der Körper kann noch stärker auskühlen.

Der steife Nacken

Eine weit verbreitete Vorstellung ist, dass die Kühlung der Hautoberfläche ein Zusammenziehen der darunter liegenden Blutgefäße bewirkt und die davon betroffene äußere Nackenmuskulatur dann verkrampft. Die Verkrampfung und Verspannung nehmen wir als steifen Hals wahr. Diese Erklärung finden sie in vielen Boulevardblättern, sie klingt plausibel und ist trotzdem falsch.

Für Physiotherapeuten, Masseure und Osteopathen gehört die Behandlung eines steifen Halses zum Alltag. Sie alle können bestätigen, dass bei diesem Beschwerdebild weniger die oberflächliche Nackenmuskulatur verspannt ist als vielmehr die tiefen Muskelschichten. Messungen der Muskelspannung ergaben sogar, dass die oberflächlichen Muskel bei betroffenen Patienten in einer Studie weicher war als in einer beschwerdefreien Kontrollgruppe.

Viele Menschen nehmen, wenn sie von Zugluft getroffen werden, eine unnatürliche (Schutz-) Haltung ein. Diese führt dann unwillkürlich zu Muskelverspannungen und Nackensteife. Möglicherweise ist das Phänomen noch ausgeprägter, wenn wir an die Schädlichkeit der Zugluft glauben.

Auf das Lüften sollte man trotzdem nicht verzichten.

Wenn’s kalt wird: Vorher warm einpacken.

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Claudia Agne
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Aktuelle Ausgabe01.04.