Corona: Wann hört das endlich auf?

Am 27. Januar 2020 wurde die erste Infektion mit SARS-COV-2 in Deutschland gemeldet. Damals ahnten wir nicht, was das auf uns zukam und wie nachhaltig dies auch noch mehr als ein Jahr später unser Leben verändert. Mittlerweile geht vielen das mediale Dauerthema Corona auf die Nerven und auch die sich hinziehenden Beschränkungen sind schwer zu ertragen. Doch unsere Missgunst ist dem Virus ganz egal.

Eines ist ebenso banal wie sicher: Das Virus wird solange nicht aufhören sich auszubreiten, wie es Menschen findet, die es anstecken kann. Damit das aufhört, müssten weltweit nahezu alle Menschen immun werden, am besten durch eine wirksame Impfung, am zweitbesten nach durchgemachter Infektion. Wie lange eine solche „Weltimpfung“ dauert ist nicht abzusehen. Zwischenzeitlich rüstet das Virus auf durch Mutationen. Einige dieser Mutationen zeigen dann einen „Immun-Escape“, d.h. dass Impfstoffe hier weniger wirksam sind und Infektionen auch nach überstandener Erkrankung vorkommen. Wird dieser „Immun-Escape“ zu groß, müssen die Impfstoffe an die mutierten Viren angepasst werden. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass dies eintritt noch bevor COVID durch weltweites Impfen gestoppt werden könnte. Wenn dem so ist, wird die Pandemie noch viele Jahre dauern und wir werden mehrfach neue Impfungen benötigen. Damit scheint auch klar, dass sich nahezu alle Menschen früher oder später mit dem Virus anstecken werden – entweder als Geimpfte oder eben ohne Impfschutz.

Möglich, dass die Menschheit im Laufe der Jahre nach Impfungen und Infektionen eine „Grundimmunität“ entwickelt und sich SARS-COV-2 dann allmählich zu den anderen harmloseren Cornaviren gesellt. Möglich ist aber auch, dass dies nicht geschieht und wir dauerhaft impfen müssen. In beiden Fällen wird es notwendig weltweit möglichst viele Menschen zu impfen – auch um Mutationen und damit neue Pandemiewellen zu verhindern. Die Weltgemeinschaft steht vor einer großen Aufgabe.

Die Impfung ist unsere wirksamste Waffe gegen COVID. Sie wird das Virus in absehbarer Zeit nicht auslöschen. Aber es werden weniger Menschen an COVID sterben und weniger schwer erkranken. Sind erst mal die Risikogruppen geschützt, würde selbst eine höhere Neuinfektionsrate weniger schaden. Natürlich nur in Grenzen. Und das steckt das Problem. Steigen die Infektionsraten unkontrolliert exponentiell an, könnte auch eine hohe Zahl vergleichsweise junger Menschen schwer erkranken, früh invalide werden oder sterben. Sind hingegen genügend Menschen geimpft, werden die Neuinfektionen von alleine sinken. Die Frage ist, welche Mittel wir bis dahin brauchen.

Die Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter gerät schnell an ihre Grenzen, wenn die Infektionszahlen steigen. Technische Lösungen könnten da helfen. Asiatische Länder nutzen zur Kontaktverfolgung und Quarantänesicherung verpflichtende Apps und/oder Smartphonedaten. In Taiwan ist man so erfolgreich, dass auf einen Lockdown verzichten werden konnte und bis zur Erstellung dieses Artikels nur 9 Todesfälle beklagt werden. In Deutschland sind derartige Eingriffe in den Datenschutz aktuell nicht vorstellbar. Doch wäre manche Beschränkung von Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit, Religionsfreiheit und Wirtschaftsleistung vermeidbar, wenn wir dem Staat nur einen Teil der Daten zugestehen würden, die viele von uns Facebook und anderen sozialen Medien unkritisch anvertrauen. Trotz alldem müssen Politik und Gesellschaft entscheiden mit welchen Maßnahmen wir die Zeit bis zu einer ausreichenden Impfung sowohl wirtschaftlich als auch gesundheitlich bewältigen.

 

Fazit:
Das Coronavirus SARS-COV-2 wird die Menschheit noch lange begleiten. Aber durch Impfungen werden wir die Pandemie beherrschen und nicht umgekehrt. Das Virus wird seinen Schrecken verlieren. Ich bin optimistisch, dass wir noch im laufenden Jahr zu einem weitgehend gewohnten Leben zurückkehren können. Das wird nicht überall auf der Welt so sein. Reiseziele sollte man wohl noch lange Zeit mit Bedacht auswählen.

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

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