Herzklappenreparatur im Herzkatheterlabor

Herzklappenerkrankungen gehören zu den sehr häufigen Erkrankungen des Herzens. Angeborene werden von erworbenen Herzklappenerkrankungen unterschieden, letztere treten erst im höheren Alter auf.

Ursächlich kommen Entzündungen der Herzklappen (Endokarditis), Verschleißerscheinungen oder Auswirkungen anderer Herzerkrankungen auf die Herzklappen wie Herzschwäche, Herzinfarkt oder erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie) in Frage. Symptome sind Kurzatmigkeit, eingeschränkte Belastbarkeit, Schwindel, Ohnmachtsanfälle oder Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme). Erkrankungen der Herzklappen sind meist chronische Erkrankungen, die über Jahre entstehen und durch konservative Maßnahmen (z.B. Medikamente) zumeist lange behandelt werden können. Der Prozess schreitet in der Regel langsam fort. Allerdings geht es in manchen Fällen auch schneller. Aus diesem Grund sind regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig.

Die Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz) ist nach der Engstelle der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) der zweithäufigste erworbene Herzklappenfehler. Jeder 10. Mensch in Deutschland über 75 Jahre hat eine bedeutsame Mitralklappeninsuffizienz, so dass in Deutschland ca. 800.000 Menschen eine relevante Undichtigkeit der Mitralklappe aufweisen.

Die Mitralklappe ist eine Segelklappe, die den linken Vorhof von der linken Herzkammer trennt. Bei deren Undichtigkeit kommt es zu einem Rückfluss des Blutes von der linken Herzkammer in den linken Vorhof (Abb. 1). Dies führt im weiteren Verlauf zu einer Dehnung (Dilatation) des linken Vorhofs und bei schweren Formen auch der linken Herzkammer (Ventrikel), die in einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und in Vorhofflimmern mündet. Der Mitralklappeninsuffizienz liegt oft ein nicht behandelter hoher Blutdruck mit Vergrößerung des Herzens, Durchblutungsstörungen bzw. ein Infarkt des Herzens infolge Engstellen der Herzkranzarterien oder ein Abriss von Haltefäden der Mitralklappe als Folge von Alterserscheinungen ursächlich zugrunde. Die Undichtigkeit der Mitralklappe führt zu einem Herzgeräusch, das der Hausarzt im Rahmen der körperlichen Untersuchung beim Abhören des Herzens erkennt. Der Herzultraschall bestätigt zumeist die Verdachtsdiagnose und stellt die wichtigste Untersuchungsmethode dar. Nach der Diagnosestellung einer undichten Mitralklappe ist zu entscheiden, ob eine medikamentöse Behandlung ausreicht oder eine Herzklappenreparatur zu empfehlen ist.

Die übliche und etablierte Behandlung der schweren Mitralklappeninsuffizienz stellt die herzchirurgische Therapie dar. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von der Reparatur (Rekonstruktion) bis zum vollständigen Ersatz der Herzklappe. Dieses Verfahren erfordert jedoch die Eröffnung des Brustkorbes und die Verwendung der Herzlungenmaschine. Es gibt aber Patienten, bei denen dieser herzchirurgische Eingriff aus medizinischen Gründen mit einem zu hohen Risiko einhergeht, z.B. durch schwere Begleiterkrankungen, Herz-Voroperationen oder eine vorangegangene Bestrahlungstherapie des Brustkorbes. So werden über 50 % der an einer schweren Mitralklappeninsuffizienz leidenden Patienten nicht operiert.

Hier bietet die Reparatur der Mitralklappe im Herzkatheterlabor eine Alternative. Die Methode des MitraClip ist ein neues minimal-invasives Verfahren, welches es ermöglicht, ohne Operation und ohne Eröffnung des Brustkorbes die undichte Mitralklappe am schlagenden Herzen zu behandeln. Hierbei wird – unter Vollnarkose – über die Leistenvene mit Hilfe eines Einführbesteckes (Abb. 2) ein Katheter in das Herz vorgeschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich der Clip (Abb. 3), der dann mittels kontinuierlicher Ultraschallkontrolle an der richtigen Stelle zwischen den Segeln der Mitralklappe platziert wird (Abb. 4). Durch die kontinuierliche Ultraschallkontrolle und die Möglichkeit der Repositionierung oder der Platzierung mehrerer Clips wird das bestmögliche Resultat erzielt (Abb. 5). Die Verwendung von Röntgenkontrastmittel ist in der Regel nicht erforderlich, so dass der Eingriff auch bei schwerer Nierenschwäche unproblematisch ist. Sobald der Clip an der richtigen Stelle sitzt, werden die Katheter entfernt und die Behandlung ist beendet. Die Dauer des Eingriffs hängt sehr von dem einzelnen Menschen ab, bei dem der MitraClip eingesetzt wird. In der Regel kann der MitraClip innerhalb einer Stunde eingesetzt werden.

Die vorliegenden Ergebnisse haben gezeigt, dass das MitraClip-Verfahren für ausgewählte Patienten eine risikoarme, schonende und effektive Alternative zur herkömmlichen Herzoperation darstellt. Aufgrund niedriger Komplikationsraten und des schonenden Eingriffs eignet sich das Verfahren insbesondere für Patienten mit einem hohen OP-Risiko. Die Therapie reduziert nachweislich die Undichtigkeit und ermöglicht dem Herzen, sich von seiner Überlastung wieder zu erholen. Viele Patienten bemerken direkt nach dem Eingriff bereits eine deutliche Verbesserung ihres Befindens. Allerdings kann dieses individuell sehr unterschiedlich sein. Nach der MitraClip-Behandlung muss das Blut für eine gewisse Zeit verdünnt werden, um ein sicheres Einheilen des Clips zu gewährleisten und um die Ausbildung von Blutgerinnseln zu vermeiden. Um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen, sind regelmäßige Nachuntersuchungen wichtig und erforderlich.

Das Verfahren ist seit 2008 zur Behandlung von Patienten mit schwerer Mitralklappeninsuffizienz zugelassen und ist bislang weltweit bei mehr als 48.000 Menschen eingesetzt worden. Die MitraClip-Behandlung wird seit ca. einem Jahr für Patienten des Herzzentrums Wetzlar angeboten. Für weitere Fragen stehen die Mitarbeiter des Herzzentrums gerne zur Verfügung.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Martin Brück
Prof. Dr. med. Martin Brück
Chefarzt der Medizinischen Klinik I
Klinikum Wetzlar

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Aktuelle Ausgabe05.04.