Moderne Behandlungsmethoden durch Digitalisierung in der Zahnmedizin

In den vergangenen Jahren hat die Digitalisierung in der Medizin einen großen Fortschritt gemacht. Insbesondere in operativen Fachbereichen erleben wir eine stetige Weiterentwicklung, die eine planbare und zugleich sichere und in vielen Fällen präzisere Behandlung ermöglicht.

Dieser Artikel soll einen Überblick über moderne Behandlungskonzepte sowie Methoden zur Behandlungsplanung in der Zahnmedizin und Oralchirurgie im heutigen „digitalen Zeitalter“ geben.

CAD-CAM Zahnersatz

Der Begriff CAD-CAM bedeutet wörtlich: „Computer Aided Design - Computer Aided Manufacturing“. Übersetzt bedeutet dies: Computergesteuertes Design und computergesteuerte Herstellung. In der Zahnmedizin gibt es verschiedene Herangehensweisen, die entweder eine direkte Fertigung von Zahnersatz, teils sogar in einer Sitzung in der Zahnarztpraxis, oder aber durch die Zusammenarbeit mit einem zahntechnischen Labor vorsieht. Zuerst wird durch einen Scan der Zähne und des Kiefers ein virtuelles Modell erstellt. Dies wird mit Hilfe einer speziellen Kamera durchgeführt. Die dreidimensionale Darstellung ist äußerst detailliert. Fehler können sofort erkannt und beseitigt werden, was mit einer konventionellen Abformung in der Regel nicht möglich ist. Auf der Basis des aufgenommenen Datensatzes wird eine virtuelle, dreidimensionale Darstellung des Kiefers und der Zähne erstellt. Dies ist die Grundlage zur virtuellen Konstruktion des späteren Zahnersatzes. Nun entscheidet der Zahnarzt über die weiteren Schritte bis zum fertigen Zahnersatz. Verfügt die Zahnarztpraxis über eine eigene Fräseinheit, so können Kronen, Brücken, Teilkronen oder Inlays direkt und hochpräzise gefräst werden. Auf diese Weise werden die Zähne sofort, im gleichen Termin, versorgt. Eine Wartezeit von mehreren Tagen oder Wochen entfällt. Eine Provisorische Versorgung der Zähne ist nicht notwendig. Im Falle einer Kooperation mit einem Dentallabor können die aufgenommenen Daten übermittelt werden, sodass ein direktes Weiterarbeiten garantiert ist. Die laborseitige Herstellung eignet sich insbesondere bei Versorgungen größeren Umfangs und ästhetisch hoch anspruchsvollen Rekonstruktionen.

Die Wahl der Materialien bei der CAD-CAM Versorgung

Die Anforderung an passende Materialien sind höchste Biokompatibilität ohne allergenes Potential, sehr gute Ästhetik, lange Beständigkeit im Mund des Patienten und gute Eigenschaften bei der Verarbeitung für höchste Präzision des angefertigten Zahnersatzes. Bei unmittelbar in der Zahnarztpraxis gefertigten Kronen, Brücken, Teilkronen oder Inlays fällt die Wahl meist auf vollkeramische Werkstoffe. Aus einem Keramikblock wird der Zahnersatz gefräst. Je nach Materialklasse folgt eine farbliche Individualisierung und ein anschließender Brennvorgang im speziellen Ofen. Auch hochvernetzte Composite können beispielsweise für langzeitprovisorische Kronen und Brücken verarbeitet werden. Durch die Schnittstelle zum Zahntechnischen Labor sind der Materialwahl kaum Grenzen gesetzt. Keramiken und Metalle können gefräst und Kunststoffe sogar im 3D Druckverfahren gefertigt werden.

Die Vorteile von CAD-CAM Zahnersatz in der Zahnmedizin:

  • hohe Präzision
  • Patientenkomfort erhöht durch Verzicht auf Abdrücke, optimal für Patienten mit starkem Würgereiz.
  • Keine provisorische Zwischenversorgung notwendig.
  • Möglichkeit des vollständig metallfreien Zahnersatzes.
  • Versorgung eigener Zähne sowie von Zahnimplantaten möglich.
  • Möglichkeit der Sofortversorgung von Patienten, die ausschließlich unter Vollnarkose behandelt werden können.

Digitalisierung im Bereich der Diagnostik und Planung

Nicht nur in der direkten Herstellung von Zahnersatz gibt es technische Weiterentwicklungen. Auch in der Diagnostik und Behandlungsplanung und hier ganz speziell im Bereich der Röntgentechnik hat die Digitalisierung einige Vorteile hervorgebracht.

3-Dimensionale Röntgendiagnostik – DVT

Die „Dentale Digitale Volumentomographie“ kurz „DVT“, ermöglicht die maßstabgetreue, dreidimensionale Darstellung des Kopf- Hals Bereichs, einschließlich des Kiefers und der Zähne. Eine übergeordnete Indikation dieser Aufnahmetechnik ist die genaue Planung von operativen Eingriffen in der Oralchirurgie. Dies umfasst insbesondere die Planung von Implantaten, Wurzelspitzenresektionen und komplexen Zahnentfernungen. Alle wichtigen anatomischen Strukturen können detailliert dargestellt und vermessen werden. Die genaue Lage und die Größe von krankhaft verändertem, entzündetem oder geschädigtem Knochen oder Zahngewebe kann erfasst und beurteilt werden. Für eine gezielte und minimalinvasive Behandlung bildet dies die beste Grundlage.

Virtuelle Planung von Implantaten

Für ein optimales Ergebnis einer Implantation hat das vorherige Wissen über die Knochenbeschaffenheit des Kiefers, die Lage aller relevanten anatomischen Nachbarstrukturen, sowie die Bestimmung des verfügbaren Knochenvolumen einen besonders hohen Stellenwert. Im Unterkiefer ist ein unbedingter Sicherheitsabstand zum Nervkanal des Hauptnervs einzuhalten. Im Oberkiefer sollte vor einer Implantation im Seitenzahnbereich eine genaue Vermessung des Kieferkamms mit dem Abstand zum Kieferhöhlenboden vorgenommen werden.

Moderne Behandlungskonzepte sehen ein sogenanntes „Backward Planning“ vor. Wörtlich übersetzt sprechen wir von einem „Rückwärtsplanen“. Dies bedeutet auf der Basis einer im virtuellen erstellten Prothetik (Kronen, Brücken, etc.) wird die optimale Position der späteren Implantate hinsichtlich der prothetischen aber auch der chirurgischen Aspekte festgelegt. Eine Implantation kann, mit allen geforderten Sicherheitsabständen, virtuell simuliert werden. Dies erhöht die Sicherheit des Eingriffs enorm. Der Zahnarzt weiß bereits im Vorfeld, welche genaue Implantatgröße verwendet wird. Das operative Risiko sinkt bei gesteigerter Qualität des Endergebnisses.

Die Implantate werden gemäß der Planung in den Kieferknochen eingebracht. In speziellen Fällen kann dies mit Hilfe einer Bohrschablone erfolgen. Diese wird auf der Basis der virtuellen Implantatplanung erstellt und im 3D Druckverfahren hergestellt. Die Bohrungen und das Einbringen der Implantate erfolgt mit Hilfe der Schablone im vorher exakt festgelegten Winkel und in der geplanten Tiefe. Die endgültigen Implantatpositionen entsprechen somit der vorherigen Planung.

Die Vorteile der digitalen Planung in der Zahnmedizin und Oralchirurgie:

  • geringeres operatives Risiko/ erhöhte Sicherheit für den Patienten
  • minimalinvasive Behandlungen und maximale Schonung des Gewebes
  • hohe Präzision
  • Möglichkeit der Versorgung von sehr komplexen Fällen (z.B. bei stark zurückgebildetem Kieferknochen)

 

Was bringt die Zukunft?

Mit einem Blick auf die aktuelle Entwicklung im Bereich der Zahnmedizin und Zahntechnik können wir von einer flächendeckenden Anwendung digitaler Behandlungsstrategien in den kommenden Jahren ausgehen. Modern ausgestattete Zahnarztpraxen nehmen heute schon eine Vorreiterstellung ein. Die Technik und das Behandlungsspektrum wird sich weiter ausdehnen und notwendige Gerätschaften werden für die Anwender wirtschaftlich erschwinglicher. Sicherlich wird die Benutzerfreundlichkeit der Methoden steigen, jedoch ist die Expertise und die Erfahrung der Ärzte im Umgang mit diesen speziellen Techniken der Schlüssel zum Erfolg.

 

Über den Autor

Dr. med. dent. Tobias Jung
Dr. med. dent. Tobias Jung

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe07.10.