ein Update

Coronapandemie bei Kindern und Jugendlichen

Aktuelle Situation für Kinder und Jugendliche

gegen Ende des Jahres 2021

Auch nach fast zwei Jahren täglicher Medienmeldungen über Infektions-statistiken, Krankheitsverläufe, Therapieansätze mit sozialen Verhaltensregeln zur Prophylaxe gibt es keinen Zweifel, dass Cov-Sars-2 noch nicht besiegt ist. Weltweit erkranken weiterhin Menschen aller Altersgruppen und zu viele erkranken schwer, bleiben chronisch krank oder erleiden trotz Intensivtherapie einen qualvollen Tod. Säuglinge, Klein- und Schulkinder sowie Jugendliche waren bisher die Altersgruppe mit der niedrigsten Infektionsrate und allermeist – bis auf Kinder mit schweren Vorerkrankungen - mildem Verlauf. Seit dem Auftauchen neuer, unberechenbarer Mutanten mit höherer Aggressivität und Infektiosität hat sich dieses Bild verändert. Wir wissen heute: Kinder stecken sich grundsätzlich genauso häufig an und sind genauso infektiös wie Erwachsene. Die Krankheit verläuft weiterhin meist leicht, Pädiater beobachten jedoch immer häufiger auch schwere Verläufe mit zum Beispiel lebensbedrohender Herzmuskelentzündung, schwere Lungenschädigung und gravierende Langzeitschäden (Long Covid Syndrom).

Seit dem Ende der Sommerferien- nach langer psychosozialer Isolation - jetzt mit heiß ersehntem Wiedersehen der Freunde in Kita, Schule, Sport und Freizeit bei gleichzeitiger Lockerung der öffentlichen Hygiene – und Abstandsprophylaxe steigt die Infektionsrate und damit auch die Zahl stationärer Behandlungen seit Herbst auch bei Kindern und Jugendlichen - beängstigend an.

Was läuft aktuell schief in unserer Gesellschaft, die doch für den möglichst optimalen Schutz ihrer Kinder verantwortlich ist?

Vielfältige und durchaus schon frühe Hinweise auf mannigfache Verhaltensstörungen durch die strenge Isolation und den langen Kontaktverlust zu Gleichaltrigen bei zusätzlich gestresstem Familienleben wurden- trotz frühzeitiger Mahnung von Kinderärzten, Kinderpsychiatern, aufmerksamer Betreuerinnen in Kita und Schulen - nicht ernst genug genommen.

So kam es zu einer erschreckenden Zunahme von Essstörungen mit Übergewicht und Magersucht, Angst- und Depressionsepisoden, Bewegungsmangel im Allgemeinen besonders im Lock Down mit geschlossenem Sport- und Spielangebot.

In Kitas und Schulen fehlten viele Monate und noch bis heute nach Beginn des neuen Schuljahres 2021 bundesweit einheitliche, handfest verbindliche Konzepte für die sozialpädagogische Betreuung beim Homeschooling, die individuell digitale Kompetenz und technische Ausrüstung. Dringend notwendige Hygienemaßnahmen mit oder ohne Mundschutz, Sanierung der Toilettenanlagen, räumliches Abstandhalten durch ideenreiche Schulraumorganisation, regelmäßiges Lüften oder flächendeckende Ausrüstung der Schulräume mit qualifizierten Luftfiltern offenbaren das Dilemma.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stehen wir schlicht schlecht da. Alle obengenannten offensichtlichen Defizite müssen schnell und systematisch bundesweit behoben werden.

Was ist mit dem Impfschutz vor dem Corona Virus?

Seitdem ausreichend Impfstoff verschiedener Anbieter mit weltweit von den zuständigen WHO und regionalen Zulassungsstellen – so auch der STIKO (Ständige Impfkommission -mit Experten vieler Fachgebiete am Paul Ehrlich Institut der Gesundheitsämter) als wirksam, verträglich und mit sehr niedriger Nebenwirkungsrate frei gegeben wurde, haben sich in Deutschland bisher erst knapp 65 % der Bevölkerung 2x impfen lassen. Für eine effektive Herdenimmunität aller Bürger sollte dieser Wert bei mindestens 80 % liegen! Alle Kinder und Jugendliche von 12 -18 Jahre – insbesondere die mit chronischen Vorerkrankungen -können sich seit September z.B. mit dem mRNA Impfstoff der Fa. Biontec beim Hausarzt oder -zur Zeit noch - in Impfzentren nach persönlicher Aufklärung impfen lassen. Dieses Angebot wird bisher recht gut angenommen. Nach einer Corona -Impfung sollen alle Jugendliche auf anstrengenden Sport oder anderweitige starke körperliche Anstrengung für 10 Tage verzichten, um der seltenen, aber schweren Nebenwirkung einer Herzmuskelentzündung durch Überforderung zu entgehen. Gynäkologen empfehlen bereits jetzt Impfungen gegen Sars-Cov-2 für Schwangere und Stillende!

Bis Ende des Jahres werden Zulassungen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für Impfstoffe ab dem 5. Lebensjahr erwartet und solche für Säuglinge ab dem 6. Monat sind in der letzten Testphase. Impfstoffe werden grundsätzlich nur zugelassen, wenn sie alle Testungen und Studien erfolgreich durchlaufen haben. Sie gehören zu den Medikamentenparate mit der niedrigsten Nebenwirkungsrate.

Wenn es noch eines Beweises der Unverzichtbarkeit auf die Impfung im verzweifelten Kampf gegen das Coronavirus mit seinen Mutanten gebraucht hätte, dann ist es die weltweit bestätigte Statistik, dass 90 % aller aktuell an Covid-19 schwer erkrankten oder verstorbenen Krankenhauspatienten nicht geimpft waren! Bitte lassen Sie sich selbst und ihre Kinder impfen – nur so erhalten sie auch für ihre Familie und Lieben den Schutz durch die Herde.

 

Über den Autor

Dr. med. Josef Geisz
Dr. med. Josef Geisz
Kinder-Jugendarzt/Allergologie, Wetzlar

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