Die Macht der Gedanken

Gerade in unserer jetzigen Zeit, in welcher wir jeden Tag Informationen gedanklich verarbeiten müssen, die sehr oft mit weniger schönen Ausblicken verbunden sind, ist die Frage nach der „Macht der Gedanken“ hoch spannend.

Die Tatsache, dass unser Organismus allein auf bestimmte Vorstellungen beziehungsweise Erwartungen, die sich ausschließlich in unserem Kopf abspielen, reagiert ist eine über Jahre beobachtete Tatsache, die wir jedoch oftmals nicht wahrhaben wollen. So kennen wir die „Macht der Gedanken“ zum Beispiel aus der so genannten Placebo Forschung, wobei Testpersonen in zwei Gruppen aufgeteilt werden, in welcher die eine Gruppe ein wirkliches Medikament mit einem zu erwartenden Wirkungsspektrum bekommt und die andere Gruppe eben nur Zuckerplätzchen. Entscheidend ist, dass niemand weiß in welcher Gruppe er ist. Sehr viele Untersuchungen haben in den letzten Jahren ergeben, dass z.B. die reine Erwartung ein schmerzreduzierendes Medikament einzunehmen, oder den Blutdruck zu senken, oder die Befindlichkeit zu verändern, massive Auswirkungen auf den Organismus haben. Leider wird das immer etwas abfällig belächelt, im Sinne von „naja, das ist eben Einbildung“. Oder auch, „Einbildung ist die einzige Bildung!“

Naja, ganz so ist es nicht. Wir wissen heute sehr genau, dass allein die Vorstellungskraft beziehungsweise die erwartete Wirkung letztendlich in unserem Gehirn auch zur Ausschüttung von körpereigenen Opioiden, also hochpotent wirksamen Stoffen führt. Wir reagieren also messbar, d.h., es ist nicht nur Einbildung, sondern unser Körper hat dazu beigetragen, dass wir wirklich weniger Schmerzen empfinden oder der Blutdruck gesenkt wird oder es uns auch wirklich psychisch besser geht.

Was können wir daraus lernen? Lernen können wir vor allem daraus, dass wir sehr bewusst und achtsam mit uns selbst umgehen müssen und Entscheidungen darüber eigenständig treffen, was wir uns anhören, wem wir zuhören und wo und wie wir uns zum Beispiel Informationen besorgen. Ja, wir sind einer Flut von äußeren Faktoren ausgeliefert, ja, wir werden täglich von den Medien damit überhäuft, d.h. aber noch lange nicht, dass wir alles kritiklos konsumieren müssen und vor allem daraus unsere eigenen inneren Welten bestimmen lassen. Die „Macht der Gedanken“ heißt auch, sich eigene Gedanken zu machen, eigene Welten aufzubauen und sich im positiven Sinne selbst zu beeinflussen.

Es ist medizinisch auf ganz vielen Ebenen durch hochwissenschaftliche Studien bestätigt, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter hinein lernfähig bleibt. Ja, es gibt entsprechende Erkrankungen, vor denen wir vielleicht auch Angst haben (davor möchte ich mich nicht ausnehmen) aber, es gilt erst einmal grundsätzlich davon auszugehen, dass wir im gesunden Zustand diese Lernfähigkeit haben, behalten und fördern können.

Wenn wir alle aus der aktuellen Krise auch etwas gelernt haben, dann auch, dass wir in der Lage sind Krisen zu bewältigen. Dass wir, auch wenn es nicht schön ist, in der Lage sind Kontakte für eine gewisse Zeit zu reduzieren und, ganz im Sinne unseres Selbsterhaltungstriebes, mit der Hoffnung auf Veränderung unseren Alltag auch bewältigen.

Dies gelingt jedoch nicht allen gleich gut, von daher ist es wichtig nach links und rechts zu schauen, ob und wem man eventuell wie unterstützen kann und, im Vertrauen auf die „Macht unserer Gedanken“ davon überzeugt sein darf, dass auch kleine Gesten und Aufmunterungen ankommen und Wirkung haben.

Über den Autor

Dr. Thomas Klein
Dr. Thomas Klein
Dr. Thomas Klein
Stellv. Geschäftsführer Fachverband Sucht e.V. Bonn

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Aktuelle Ausgabe06.01.