Im kleinen Team vom großen Netzwerk profitieren Deutsches Schilddrüsenzentrum in Ehringshausen


Schilddrüse kompakt

Die Schilddrüse ist ein kleines schmetterlingsförmiges Organ und liegt am Hals unterhalb des Kehlkopfes. In der Schilddrüse werden aus Jod und anderen Substanzen Schilddrüsenhormone gebildet. Obwohl die gesunde Schilddrüse nur etwa 25 Gramm wiegt, ist dieses kleine Organ ein ganz wichtiger Schrittmacher für viele Körperfunktionen.

Durch schleichenden Jodmangel oder vererbte Anlagen kann es zu einer Reihe von Erkrankungen kommen. In unserer Region leidet etwa jeder dritte Einwohner unter einer Erkrankung seiner Schilddrüse. Am häufigsten sind Schilddrüsenvergrößerungen, Knoten- oder Zystenbildungen, gut- und bösartige Tumoren sowie verschiedene Entzündungen (z.B. M. Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis). Zusätzlich kann eine Über- oder Unterversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormon bestehen. Dann können alle Organe und Stoffwechselvorgänge beeinträchtigt werden.

Da häufig Kombinationen der einzelnen Erkrankungen bestehen, sind die möglichen Beschwerden und Symptome von Schilddrüsenerkrankungen sehr vielgestaltig. Deshalb werden Schilddrüsenerkrankungen und deren Folgen von Ärzten verschiedener Fachdisziplinen untersucht und behandelt. Wichtige Kerndisziplinen sind die Nuklearmedizin, die Endokrinologie und die Chirurgie.

Für die Diagnose der unterschiedlichen Schilddrüsenerkrankungen gibt es genau definierte Untersuchungsgänge: Am Anfang stehen Laboruntersuchungen anhand derer bereits eine Differenzierung verschiedener Funktionsstörungen getroffen werden kann. Ganz im Zentrum der heutigen Untersuchungstechniken steht die Sonographie /Ultraschall der Schilddrüse. Die allermeisten Erkrankungen können damit differenziert werden. Zur genaueren Einteilung ist die Schilddrüsenszintigrafie nach wie vor erforderlich. Hinzu kommt die Feinnadelpunktion, und zunehmend auch das MRT und PET-CT als Schnittbildverfahren.

Nach Abschluss aller benötigten Untersuchungen wird für jeden Patienten die weitere Behandlung festgelegt. Manchmal gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Der Großteil der Schilddrüsenerkrankungen wird zunächst medikamentös behandelt. Bei bestimmten Erkrankungen mit einer drohenden oder bestehenden Überfunktion kommen eine Operation oder eine Radiojodtherapie zum Einsatz. Bei einer störenden oder komplizierten Vergrößerung der Schilddrüse und bei allen krebsverdächtigen Knoten sollte operiert werden. Je nach individueller Befundlage und Beschwerdebild werden auch weitere Spezialisten in die Behandlung mit einbezogen.

Die allgemeine Tendenz zur Spezialisierung in der Chirurgie ist zunehmend auch im Therapieangebot für Schilddrüsenerkrankungen festzustellen, mit der Absicht, durch Bündelung von Kompetenz und Erfahrung den größtmöglichen Nutzen für die Patienten zu generieren.

Dieser Entwicklung folgend ist die Chirurgie am KAV Krankenhaus Ehringshausen im vergangenen Jahr dem deutschlandweit agierenden Deutschen Schilddrüsenzentrum beigetreten.

Dabei handelt es sich um eine Plattform für Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen mit Fokussierung auf Schilddrüsenerkrankungen. Der Erfolg liegt in der Information, Spezialisierung und der starken Vernetzung der Struktur.

Überzeugende Vorteile ergeben sich gerade bei Qualitätssicherungsmaßnahmen sowie im fachlichen Austausch zwischen erfahrenen Schilddrüsenoperateuren in Falldiskussionen und ggfls. Zuweisung von Patienten in besonders spezialisierte Abteilungen.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche und komplikationsarme Schilddrüsenchirurgie ist und bleibt die persönliche operative Expertise des Chirurgen, neben den selbstverständlichen räumlichen und technischen Voraussetzungen. Exemplarische seien das Neuromonitoring mit Tubuselektrode, die Lupenbrillenchirurgie und mikrochirurgische Techniken genannt.

Für viele Patienten ist es von enormer Bedeutung, wenn Diagnostik, Therapie und Nachbehandlung aus einer Hand kommen, ein Vorteil, den Belegärzte am Belegkrankenhaus bieten können. Hier setzt der Grundgedanke des Schilddrüsenzentrums an:

  • Aufklärung und Vorbeugung von Schilddrüsenerkrankungen
  • Motivation zur frühzeitigen Diagnose und Behandlung
  • Fachübergreifende Behandlung nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • Erstellung interdisziplinärer Behandlungspfade für Patienten und Hausärzte
  • Erarbeitung verbindlicher Therapieempfehlungen im Einzelfall
  • Durchführung regelmäßiger Expertenkonferenzen
  • Rascher Befund- und Datenaustausch
  • Durchführung von Qualitätssicherungsprogrammen
  • Hilfen bei Terminvergabe und Behandlungskoordination
  • Vermittlung weiterer Spezialisten bei besonderen Problemen
  • Informationsangebote für Patienten auf der Website des Schilddrüsenzentrums

Alle diese Maßnahmen sollen zur Vorbeugung und zur Verbesserung der Behandlungsqualität von Schilddrüsenerkrankungen führen. Eigentlich ist Vorbeugung die beste Behandlungsmaßnahme. Trotz aller zurzeit bekannten Ansätze wie gesunde Lebensweise oder jodreiche Ernährung kann das Auftreten von Schilddrüsenerkrankungen nicht vollständig verhindert werden. Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sollen Nebenwirkungen und Folgeschäden verhindert werden. Ein effektives, abgestimmtes und ganzheitliches Behandlungsangebot soll ein maximale Behandlungsqualität gewährleisten. Davon profitieren in erster Linie die betroffenen Patienten. Dadurch wird auch die Zusammenarbeit zwischen den Hausärzten und den Spezialisten verbessert und somit die gesamte Behandlung optimiert.

www.cgp-ehringshausen.de

www.kav-krankenhaus.de

www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/

Über den Autor

Dr. med. Michael Jäger
Dr. med. Michael Jäger
Chirurgische Gemeinschaftspraxis Ehringshausen

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