COVID – Was kommt noch auf uns zu?

Fragen und Antworten zur Pandemie

Als 2020 die ersten COVID-Impfstoffe zugelassen wurden, schien das Ende der Pandemie in Sicht. In den Medien dominierte die Frage welches Land sich am schnellsten wieviel Impfstoff sichert. Nicht die Frage, ob man sich impfen lassen wolle, sondern wer zuerst drankommen darf, stand im Vordergrund. Der Bundesgesundheitsminister versprach keine Impfpflicht einzuführen. Viele Menschen glaubten, dass die Pandemie in Deutschland noch im Sommer 2021 besiegt würde und keine weiteren Kontaktbeschränkungen nötig werden.
Doch die Rechnung ging nicht auf. Zu wenige Menschen haben ihr Impfangebot wahrgenommen. Das Virus ist in seiner vierten Welle und verbreitet sich mehr als je zuvor. Um das exponentielle Wachstum ohne Kontaktbeschränkungen zu stoppen, müssten ca. 90% der Bevölkerung geimpft oder genesen sein.

Was geschieht, wenn die Impfquote nicht steigt?
Steigt die Impfquote (Stand Dez. 21) nicht drastisch an, dann werden in Deutschland noch mehr als 100.000 nicht geimpfte Menschen an Corona sterben. Die Zahl errechnet sich aus der bekannten Sterblichkeit der jeweiligen Altersgruppen. Das Tempo, mit dem sich die Infektionen ausbreiten, d.h. die Inzidenz, bestimmt in welchem Ausmaß das Gesundheitssystem belastet wird. Eine Überlastung des Systems trifft nicht nur an COVID Erkrankte, sondern alle Patienten (z.B. auch Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Verkehrsunfälle). Will man dies ohne höhere Impfquote verhindern, bleiben nur Kontaktbeschränkungen und Lockdown. Das wird dann immer so weiter gehen, bis genügend Menschen durch Impfungen oder überstandene Infektionen eine ausreichende Immunität haben. Sollten Mutationen entstehen, vor denen eine überstandene Infektion nicht schützt, kann die Pandemie noch viel mehr Opfer fordern und sich über Jahre fortsetzen.

Was nützt die Impfung, wenn neue Coronavarianten entstehen?
Wenn ein Virus mutiert, verändert es sich in Teilen aber nie vollständig. Es bleiben in aller Regel auch unveränderte Bestandteile, die vom „geimpften Immunsystem“ erkannt werden.
Der Impfnutzen kann gegenüber einer Virusmutation schwächer ausfallen, wird aber nicht null sein. Daher ist keine Impfung sinnlos. Lässt der Impfschutz deutlich nach, kann eine weitere Impfung mit einem ggf. dann angepassten Impfstoff helfen.
Letztlich wird das Virus nicht verschwinden, sondern dauerhaft bleiben.
Es wird erst dann harmlos werden, wenn das menschliche Immunsystem gelernt hat, mit ihm fertig zu werden. Dabei wird sich jeder irgendwann infizieren. Impfungen helfen dabei, dies gut zu überstehen.

Ist ungeimpft aber getestet nicht sicherer als 2G?
Nein. Das Risiko sich bei einer ungeimpften Person mit negativem Test anzustecken ist sehr viel größer als bei einem Geimpften ohne Test. Das hat zwei Gründe. Infektionen sind bei Ungeimpften viel häufiger als bei Geimpften. Beispielsweise wurde am 24.11. in Bayern bei Ungeimpften eine 15,4 mal höhere Inzidenz ermittelt als bei Geimpften (1726,3 vs 112,7). Das damit verbundene höhere Ansteckungsrisiko lässt sich durch Tests nicht ausgleichen. Denn Tests erkennen nicht alle Infektionen. Schnelltests können falsch negativ sein, wenn zwischen Infektion und Test zu wenig Zeit lag. PCR-Tests sind hier zwar genauer, dauern aber länger und sind daher weniger aktuell. Zudem sind infizierte Geimpfte in aller Regel weniger und kürzer ansteckend als Ungeimpfte.

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

Bildergalerie

Aktuelle Ausgabe07.07.