Erste Hilfe geht jeden etwas an -
Richtiges Handeln kann Leben Retten

„Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, ich spaziere mit einem leckeren Eis in der Hand über den Domplatz in Wetzlar, der wie an jedem schönen Frühlingstag gut besucht ist. Doch plötzlich passiert es! Da bricht einfach jemand vor mir zusammen…“

Was ist jetzt zu tun?

Wann war mein letzter Erste-Hilfe-Kurs?

Kann ich helfen oder muss ich sogar helfen?

Machen wir uns heutzutage über dieses Thema überhaupt noch Gedanken?

Erste Hilfe beschäftigt den Großteil der Bevölkerung meist zum ersten Mal in Zusammenhang mit dem Führerschein, doch danach im Alltag leider viel zu selten. Dabei dient Erste Hilfe nicht nur der Gefahrenabwehr, sondern hilft im Notfall Leben zu retten. Allein aus diesem Grunde ist es so wichtig sich die Erste Hilfe regelmäßig ins Gedächtnis zu rufen. Wissen was zu tun ist schafft Sicherheit für den Ernstfall.

Das Thema der Ersten Hilfe ist, ebenso wie der gesamte Bereich der Medizin, einer stetigen Entwicklung unterlegen. Durch modernste Technik, z.B. durch den frühzeitigen Einsatz eines Automatisierten Externen Defibrillators (AED) bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand durch Ersthelfer, steigt die Überlebensrate des Betroffenen enorm! Und gerade, weil diese Entwicklung fortwährend stattfindet, sollte es im Interesse aller sein, sich regelmäßig zu informieren und fortzubilden. Mit diesem Artikel soll allerdings nicht nur das Interesse für die Erste Hilfe Aus- und Fortbildung an sich geweckt werden, es soll vor allem Ihnen, lieben Lesenden, auch zeigen, dass helfen nicht schwer ist und Sie sich in den meisten Fällen auf Ihr Bauchgefühl verlassen können.

Begeben wir uns wieder in unsere Einstiegsszene auf den Domplatz von Wetzlar:

„Da bricht einfach jemand vor mir zusammen …“

Im Gespräch mit den verschiedensten Menschen über dieses Szenario ist vielen diese Situation zunächst einmal unangenehm, sie verspüren Angst und auch Hilflosigkeit. Fragen kommen auf:

Kann ich dem Menschen denn überhaupt helfen? Will, darf und muss ich denn eigentlich helfen?

Fürs Erste kann man immer nur ermutigen zu helfen, denn aus der anderen Perspektive, würde man sich selbst in dieser hilflosen Lage befinden, wäre jeder froh und dankbar, wenn geholfen wird. Hilfe leisten, sozial interagieren und jemandem beistehen, gehört zu dem ursozialen Verhalten, dass der Mensch über Millionen von Jahren entwickelt hat. Helfen bedeutet nicht nur Wunden versorgen oder die lebensrettende Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen, Helfen bedeutet da zu sein, wenn jemand, nicht nur physisch, am Boden liegt. Hilfe bedeutet ein nettes Wort, oder die Betreuung einer Person bis medizinische Hilfe eingetroffen ist. Hilfeleistungen ziehen sich durch unsere Gesellschaft von der Bibel mit Sankt Martin bis hin zum EU- Rettungsschirm oder sonstigen Hilfspaketen. Helfen ist also in der heutigen Welt allgegenwärtig und nicht nur anerkannten Hilfsorganisationen vorbehalten.

Kommen wir zu der Frage des Dürfens beziehungsweise des Müssens:

In Deutschland ist jeder per Gesetz dazu verpflichtet Hilfe zu leisten (§323c StGB), soweit dies erforderlich und den Umständen nach zumutbar ist und ohne dass man sich selbst in Gefahr begibt oder dabei andere wichtige gesetzliche Pflichten verletzt (z.B. Aufsichtspflicht). Dabei umfasst die Zumutbarkeit mindestens das Absetzen des Notrufes über die allgemein bekannten Notrufnummern 112 (Feuerwehr und Rettungsdienst) oder 110 (Polizei).

 

Ein wichtiger Grundsatz der Ersten Hilfe ist

„Bei der Ersten Hilfe gibt es kein Falsch, es wäre nur falsch, nichts zu tun!“

Es geht noch darüber hinaus. Ersthelfende sind, was viele nicht wissen, während der Hilfeleistung sogar über die Unfallkassen der jeweiligen Länder in zweierlei Hinsicht versichert. Sowohl Eigene (z.B. beschädigte Kleidung), wie auch fremde Schäden (z.B. Sachschäden) werden ersetzt, denn als Lebensretter setzen sich Menschen für andere ein, was wiederum im Interesse der Allgemeinheit stattfindet.

Zurück am Domplatz in Wetzlar: „Da bricht einfach jemand vor mir zusammen …“

Ich kann bereits den Notruf wählen, den Betroffenen ansprechen und betreuen, ohne dafür eine besondere Ausbildung absolviert zu haben. Ist der Betroffene ansprechbar, ist dieser folglich auch bei Bewusstsein und atmet. Am Notruftelefon sitzen geschulte Mitarbeitende, die jeden Anrufer während der Hilfeleistung begleiten. Das einzig wichtige bei diesem Telefonat ist, dass das Gespräch erst dann zu Ende ist, wenn der Disponent am anderen Ende keine Fragen mehr hat und das Gespräch von sich aus beendet. Wurde so z.B. vergessen zu sagen, wo sich der Notfallort befindet können Rückfragen von Seiten der Rettungsleitstelle gestellt werden.

Ist der Betroffene nicht ansprechbar muss die Atmung überprüft werden, indem der Kopf soweit es geht nach hinten gebeugt und geprüft wird, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Ist dies der Fall ist es unabdingbar den Betroffenen auf die Seite zu drehen, wobei der Kopf der tiefste Punkt sein muss, der weiterhin nach hinten gebeugt gelagert werden muss. Auch hierzu leitet die Rettungsleitstelle den Helfenden an.

Atmet der Betroffene jedoch nicht muss umgehend mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden, indem 30-mal auf die Mitte des Brustkorbs, circa 5-6cm tief, mit einer Frequenz von 100 -120-mal pro Minute gedrückt wird und danach bei nach hinten gebeugtem Kopf zwei Atemspenden abgegeben werden. Auch während dieser Wiederbelebungsmaßnahmen führt ein Mitarbeitender der Leitstelle den Helfenden durch die durchzuführenden Maßnahmen.

Aufgrund der vorherrschenden Corona Situation liegen Atemspenden jedoch im Ermessen des Einzelnen. Wichtig und unverzichtbar ist die Herz-Druck-Massage, zu deren Durchführung auch auf die Atemspenden komplett verzichtet werden kann.

Weiter verbessert werden können die Überlebenschancen, wenn durch einen zweiten Helfer ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) gebracht wird.

Diese Geräte hängen frei zugänglich in öffentlichen Gebäuden, wie Banken, Bahnhöfen oder auch in Firmen. Gekennzeichnet ist das Vorhandensein mit einem grün-weißen Schild, auf welchem ein Herz mit einem Blitz vorhanden ist. Weiterhin gibt es Apps in denen verzeichnet ist wo solche AEDs zu finden sind. AEDs können bei Herz-Kreislauf-Stillständen das Herz mit Hilfe von Strom wieder in den natürlichen Rhythmus befördern.

Schauen Sie sich bei Ihrem nächsten Spaziergang aufmerksam um, vielleicht entdecken Sie das ein oder andere Hinweisschild. Ein AED könnte auch Ihr Leben retten. Noch dazu ist die Handhabung eines solchen Gerätes einfach und für Laien ausgelegt, weshalb dazu z.B. keine besondere Einweisung erforderlich ist. Es führt akustisch durch Ansagen und visuell durch Piktogramme durch die Wiederbelebungsmaßnahmen. Der Automatisierte Externe Defibrillator funktioniert eigenständig, sodass ein Fehler bei der Anwendung durch den Ersthelfer ausgeschlossen ist. Der Schock wird nur dann freigegeben, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.

Durch Ihre rechtzeitige Hilfe können Sie Leben retten!

 

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Aktuelle Ausgabe07.04.