Shaolin Qi Gong bei chronischen Erkrankungen

In der Chinesischen Medizin wird Qi Gong zur Behandlung chronischer Erkrankungen eingesetzt. Zu den chronischen Erkrankungen zählen in der Chinesischen Medizin auch auszehrende Erkrankungen, z. B. Tumore, ebenso das durch SARS-CoV-2 ausgelöste „Long COVID” oder „Post-COVID-Syndrom“.

„Long COVID“ Patienten berichten in erster Linie über folgende Symptome: das Gefühl nicht ausreichend Luft zu bekommen, die herabgesetzte Leistungsfähigkeit und ständige Müdigkeit sowie, bei längerem Bestehen der Symptome ohne signifikante Besserung, die Depression.

Shaolin Qi Gong eignet sich bei der Therapie chronischer Erkrankungen. Bei den oben aufgezählten gesundheitlichen Problemen helfen

- spezielle Atemtechniken zur Kräftigung der Lunge - dieser sind die Emotionen Trauer und Depression zugeordnet - und der oberen Atemwege,

- Bewegungsübungen für Kraft, Gesundheit, Reinigung und Heilung des Körpers und

- die Meditation bzw. Achtsamkeitsübungen zur Stärkung des Geistes und der inneren Ruhe.

Eine Anpassung an die jeweilige Leistungsfähigkeit des Patienten ist möglich, da Übungsabläufe nicht nur im Stehen, sondern bei geschwächtem Allgemeinzustand auch in sitzender oder liegender Position ausgeführt werden können. Patienten, die nach den Regeln der Schulmedizin als austherapiert gelten, können ebenfalls von diesen Übungen profitieren. Dabei sind jedoch folgende Punkte zu beachten:

- Das Ausüben von Shaolin Qi Gong darf nicht auf die Therapiestunden beschränkt bleiben, sondern muss eigenständig täglich weitergeführt und perfektioniert werden.

- Nach der Chinesischen Philosophie, die in engem Zusammenhang mit der Chinesischen Medizin steht, wird der Körper (Ti) beübt, um die Essenz (Jing) zu nähren. Die Essenz wird beübt, um die Lebensenergie (Qi) zu nähren. Die Lebensenergie wird beübt, um den Geist (Shen) zu nähren. Und der Geist wird beübt, um zum Ursprung (Xu) zurückzukehren. Demzufolge wird die Beübung des Körpers, ohne den Geist mit einzubeziehen, von geringem Erfolg sein, da Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstliebe nur durch eine Stärkung des Geistes entstehen. Vor allem letzteres ist wichtig, um eine Krankheit und die Situation, die diese hervorruft, annehmen zu können.

- Übungen sollen möglichst im Freien durchgeführt werden. Laut der Chinesischen Medizin wird Energie aus der umgebenden Natur aufgenommen. Aktuelle wissenschaftliche Forschungen belegen die Stärkung des menschlichen Immunsystems durch Terpene, Duftstoffen, die von Bäumen abgesondert werden.

Die Übungen des Shaolin Qi Gong harmonisieren Körper und Geist, lindern Beschwerden, bauen Kraft auf und mehren die Energie. Der Leitsatz der AO Foundation (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen), den ich in meiner Ausbildungszeit in der Unfallchirurgie-Orthopädie gelernt habe, bekommt in diesem Kontext eine Allgemeingültigkeit: „Life is movement and movement is life“.

Ergänzend können die übrigen Säulen der Chinesischen Medizin eingesetzt werden: Die Anpassung der Ernährung, Akupunktur/Akupressur, Selbst-/Fremdmassagen und der Einsatz von Heilkräutern.

Über den Autor

Dr. med. Georg Forster
Dr. med. Georg Forster

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Aktuelle Ausgabe06.10.