Wie funktioniert eigentlich „Impfung“?

Normalerweise schreibe ich im Gesundheitskompass über Themen, die im Zusammenhang stehen mit der vermutlich häufigsten Volkskrankheit der westlichen Welt, der Adipositas. Darüber zu schreiben und die Leser des GK kompetent zu informieren, halte ich für entscheidend, damit Betroffene sinnvolle Entscheidungen zur Behandlung dieser, in der Gesellschaft nicht als solche anerkannten, Krankheit treffen können.
Heute möchte ich über ein sehr viel aktuelleres Thema aufklären, das mir auf den Nägeln brennt:

Die Impfung gegen die Erkrankung Covid-19.

Seit dem Frühjahr des letzten Jahres bin ich als Impfarzt im Impfzentrum des LDK tätig. In letzter Zeit komme ich zunehmend mit den so genannten „späten Erstimpflingen“ in Kontakt. Immer wieder kommen Menschen ins IZ, die immer noch nicht geimpft sind. Und diese Menschen unterscheiden sich in zwei Punkten erheblich von der großen Gruppe der Menschen, die früher zur Erstimpfung oder aktuell zur Boosterimpfung kommen.
Der erste Punkt ist eine ausgeprägte Uninformiertheit über die Erkrankung Covid-19 und über die Impfung.
Der zweite Punkt ist eine nahezu bei allen Erstimpflingen auffallende Angst. Wirkliche Impfgegner, im Sinne einer wirklichen Ablehnung der Maßnahme, kommen sehr selten vor. Die Uninformiertheit kommt daher, dass wir uns meistens über die Medien oder das Internet informieren und dass es für uns alle in der heutigen Gesellschaft schwierig ist, eine klare Unterscheidung zwischen Meinungen und Wissen zu erkennen. In den Medien werden Meinungen so dargestellt und verbreitet, als seien diese Meinungen Wissen. Die Medien leben davon, gegensätzliche Meinungen gegenüberzustellen und sie in Talkshows oder wo auch immer zu kommentieren und zu diskutieren. Wir suchen uns dann heraus, was wir glauben wollen und was nicht. Es lebe der „mündige Bürger.“
Wissen hingegen muss man sich erarbeiten. Es ist durch Studien fundiert und unterliegt einem ständigen Entwicklungsprozess, was nichts anderes bedeutet, als dass es durch neue Erkenntnisse – und nur dadurch – immer wieder hinterfragt und verändert wird. Im Gegensatz zur Meinung oder zum Glauben ist es überprüfbar.

Zwischen der Uninformiertheit und der Angst gibt es einen Zusammenhang. Immer wenn Menschen viele unterschiedliche Informationen bekommen, entsteht zuerst Unsicherheit und dann Angst. Aus meiner Zeit als klinisch tätiger Chirurg kenne ich dieses Problem genau. Die entscheidende Grundlage einer jeden erfolgreichen Therapie ist nämlich die an den Patienten angepasste Aufklärung durch den behandelnden Arzt, die der Patient verstehen kann, die dadurch Vertrauen bildet und dem Patienten die Angst nimmt.
Diese Aufklärung, die das Bundesministerium für Gesundheit leisten müsste, vermisse ich.
Vor jeder Wahl ist es möglich, dass die Parteien in kurzen Werbespots für sich werben. Warum ist es nicht möglich jeden Abend nach der Tagesschau im Fernsehen mit kurzen Spots des Bundesministeriums für Gesundheit, wissenschaftlich fundierte Information zu übermitteln? Warum ist es nicht möglich auf diese Weise systematisch aufzuklären, gegen die Verunsicherung der Menschen zu arbeiten und für die Impfung zu werben?
 

Bei der Impfkampagne spielen Impfstoffe, die auf der so genannten mRNA-Technologie basieren bisher die entscheidende Rolle. mRNA ist etwas, was in unserem Körper jeden Tag zig-1000 mal hergestellt und weggeworfen wird. Wenn man sich das Nervensystem unseres Körpers als Telefonnetz vorstellt und unser Hormonsystem als eine Art Paketdienst, wäre das mRNA-System so etwas wie das e-Mail-System oder SMS-System unseres Körpers. In jeder Zelle schickt unser Zellkern, der unsere Erbinformation enthält ständig mRNA-e-Mails an die chemische Fabrik der Zelle. Diese Fabrik nennt man Ribosom. Die chemische Fabrik stellt einen Eiweiß-Stoff her, der gerade gebraucht wird und schmeißt danach die mRNA-e-Mail weg. Bei der Impfung schicken wir eine mRNA-e-Mail an die Zellen der Oberarmmuskulatur (dorthin wird die Impfung gespritzt). Die mRNA-e-Mail geht in die chemische Fabrik und erteilt den Auftrag „stell mal Spike-Proteine des Corona-Virus her. Hier ist der Plan.“ Die Fabrik liest die Botschaft, schmeißt die mRNA weg (sie wird abgebaut) und stellt die angeforderten Spikeproteine her. Diese werden aus unserm eigenen Eiweißvorrat hergestellt. Es wird also außer der winzigen Menge mRNA kein Fremdeiweiß verabreicht. Dies ist ein Vorteil gegenüber allen herkömmlichen Impfstoffen, denn diese enthalten immer viel Fremdeiweiß, was zu Unverträglichkeitsreaktionen im Körper führen kann.
Die Muskelzellen produzieren Spike-Proteine und geben sie in unser Blutsystem ab. Unser Körper erkennt nun nach kurzer Zeit diese Spike-Proteine als fremd und unbekannt, obgleich wir sie selbst hergestellt haben. Er bildet Antikörper, die sich wie ein Hut auf die Spikeproteine setzen und mit ihnen verkleben. Diesen Müll aus Spikeprotein und Antikörper-Hut wirft der Körper ebenfalls weg. Dies dauert wesentlich länger als das Wegwerfen der mRNA. Und nun? Es ist ja alles weg!!
Unser Körper ist extrem effektiv was Abwehr von Feinden angeht. Er behält einige Antikörper quasi in seiner Waffenkammer und merkt sich gleichzeitig in seinem Immungedächtnis das Aussehen der Spikeproteine. Es ist ähnlich wie ein Steckbrief im wilden Westen. In dem Augenblick, wo der Verbrecher, in diesem Fall ein Spikeprotein des Coronavirus erneut im Körper erkannt wird, kommt das SEK-Team und beginnt sofort den Kampf. Auf diese Weise bremst unser Körper die Vermehrung der Viren sehr viel früher als bei einem ungeimpften Menschen. Dadurch erreicht unser Körper drei Dinge:
1. Wir werden weniger schwer krank. Dies ist für uns selbst am Wichtigsten.
2. Wir sind weniger stark ansteckend.
3. Wir sind weniger lang ansteckend. Diese beiden Punkte sind für unsere Kontaktpersonen am Wichtigsten.
Der oben beschriebene Vorgang wird als Immunantwort bezeichnet. Er dauert insgesamt etwa zwei Wochen, und wir können diesen Vorgang manchmal als Impfreaktion spüren. Aber genauso wie ein „blaues Auge“ eine normale körperliche Reaktion auf einen gezielten Faustschlag ist, sind die körperlichen Beschwerden auf die Immunantwort ebenfalls eine ganz normale „Reaktion auf die Impfung“ und keine Nebenwirkung. Leider wird in den Medien nicht unterschieden zwischen der „normalen Impfreaktion“ und den Nebenwirkungen. Die echten Nebenwirkungen der Impfung mit mRNA-Impfstoffen sind nämlich absolut selten (z.B die Herzmuskelentzündung). Sie treten in der Regel deutlich später auf als die Impfreaktion und sind meistens durch merkwürdige Symptome gekennzeichnet. Wenn man sagen kann, „So was habe ich ja noch nie gehabt…“ sollte man zum Arzt gehen und die Symptome abklären lassen. Sie sind so selten, dass nahezu jedes Medikament, welches wir einnehmen, angefangen mit Schmerzmitteln, deutlich häufiger und mehr Nebenwirkungen hat als die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Mir ist absolut nachvollziehbar, dass Menschen Bedenken haben gegen die neuen Impfstoffe, dass sie Angst haben vor der Impfung und sich nicht impfen lassen wollen. Angst ist ein Gefühl, das wir alle kennen. Sie ist ein Gefühl, gegen das wir nicht so einfach etwas tun können. Wir können sie nicht abstellen, wie einen Ventilator. Und sie ist ein wichtiges Gefühl, denn sie schützt uns davor, uns in gefährliche Situationen zu begeben und eventuell Schaden zu nehmen. Die Angst hat unsere Vorfahren davor bewahrt, von wilden Tieren gefressen zu werden. Aber sie hat auch dazu geführt, dass wir unser Gehirn dazu benutzt haben, wirksame Waffen gegen die wilden Tiere zu entwickeln. Nur so konnten wir von den Bäumen, auf denen wir uns in Sicherheit gebracht hatten, wieder heruntersteigen und sind nicht auf ihnen verhungert.
Wir sollten unsere Angst immer sehr ernst nehmen aber dann unser Gehirn einsetzen und uns nicht von der Angst leiten lassen. Angst wird immer dann verschlimmert und bestimmt unser Handeln, wenn Glaube an Meinungen uns die Sicht auf Wissen verstellt und Nachdenken verhindert.

Über den Autor

Dr. med. Thomas Friedrich-Hoster
Dr. med. Thomas Friedrich-Hoster
Ehemaliger Leitender Oberarzt Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie Klinikum Wetzlar
Ärztlicher Leiter des Adipositaszentrum

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