Wann muss die Gallenblase raus?

Rund jeder fünfte Erwachsene in Deutschland hat Gallensteine. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Aber nur ungefähr ein viertel der von Steinen betroffenen Gallenblasen müssen entfernt werden.

Welche Gallenblase muss raus und welche darf drin bleiben?

Wenn Gallensteine den Abfluss der Galle behindern und dadurch typische, oft kolikartige Schmerzen verursachen, sollte die Gallenblase raus. Auch wenn die Koliken verschwinden ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wieder kommen und / oder sich die Gallenblase entzündet. Eine Entzündung der Gallenblase, egal ob sie akut oder chronisch verläuft, deutliche oder auch keine Schmerzen verursacht, kann zu schweren Entzündungen im Bauchraum führen und geht bei chronischem Verlauf mit einem erhöhten Krebsrisiko einher. Daher sollte eine entzündete Gallenblase immer entfernt werden.

Gallensteine mit einer Größe von mehr als drei Zentimetern erhöhen das Risiko für Gallenblasenkrebs um das zehnfache und sind damit ein weiterer Grund für eine Operation. Eine durch Steine und Entzündung bedingte Verkalkung der Gallenblase (sogenannte Porzellangallenblase) geht mit einem Krebsrisiko von 62% einher, weshalb auch hier die Gallenblase raus muss.

Ein weiterer Risikofaktor für Gallenblasenkrebs können Gallenblasenpolypen sein. Etwa 6% der deutschen Erwachsenen haben mindestens einen Polypen in der Gallenblase. Bei einer Größe bis 4 mm besteht kein relevant erhöhtes Entartungsrisiko. Ab einer Größe von einem Zentimeter beträgt das Krebsrisiko jedoch ca. 50 %. Daher sollten kleine Polypen mittels Ultraschalluntersuchung beobachtet, Große hingegen samt Gallenblase entfernt werden.

Im Rahmen anderer großer chirurgischer Eingriffe, insbesondere bei Krebsoperationen an Speiseröhre oder Magen und in der Adipositas-Chirurgie kann die zusätzliche Entfernung der Gallenblase sinnvoll sein.

Zusammengefasst sind die Gründe für eine Operation die Verhinderung von Schmerzen (Koliken), die Vermeidung von Komplikationen, die sich aus einer Gallenblasenentzündung ergeben können und die Absenkung des Krebsrisikos.

Gründe für eine Gallenblasenoperation:
- Gallensteine, die Schmerzen verursachen
- große Gallensteine ab drei Zentimetern
- eine entzündete Gallenblase
- eine Porzellangallenblase
- Gallenblasenpolypen ab 1 Zentimeter Größe, oder bei Größenzunahme
- im Zusammenhang mit einer Krebsoperation oder manchmal in der Adipositaschirurgie

Gibt es Alternativen zur Operation bei Gallensteinen?

Während Nieren- und Harnleitersteine häufig mittel Stoßwellen zertrümmert werden können, hat sich dieses Verfahren für Gallensteine nicht bewährt.

Der Versuch Steine medikamentös aufzulösen, zeigt bislang nur bescheidene Erfolge. Sofern die Entleerung der Gallenblase noch gut funktioniert, die Konkremente frei von Kalk und klein sind, liegt die Erfolgsrate einer sechsmonatigen Behandlung mit Ursodesoxycholsäure bei ca. 60%. Nach Absetzen des Medikamentes ist die Rezidivrate hoch. Daher wir diese Behandlung nur in Ausnahmefällen empfohlen.

Nach vielen warnenden Worten kommt hier noch eine gute Nachricht:

Gallensteine die weniger als drei Zentimeter messen und keine Beschwerden verursachen müssen nicht behandelt werden. Und das betrifft immerhin dreiviertel aller Menschen mit Gallensteinen.

Über den Autor

Dr. med. Roger Agne
Dr. med. Roger Agne
Chefarzt Innere Medizin
Dill-Kliniken

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