Die Dyspepsie - Was schlägt Ihnen auf den Magen?

Unter dem Begriff Dyspepsie werden Beschwerden zusammengefasst, die im Oberbauch lokalisiert sind und dem Magen zugeordnet werden. Die Beschwerden können – zum Beispiel bei einem Magen-Darm-Infekt – akut über Stunden oder Tage auftreten. Sie können aber auch chronisch über Monate oder Jahre andauern. Bei Infekten klingen die Beschwerden oft schon nach kurzer Zeit auch ohne Behandlung wieder ab. Bei chronischen Beschwerden kommen verschiedene Ursachen in Frage. Es sind dies Entzündungen und Geschwüre von Magen und Zwölffingerdarm oder Erkrankungen der Gallenblase. Auch Herzmuskelerkrankungen oder Lungenerkrankungen können ursächlich sein.

All diese Möglichkeiten sollten diagnostisch abgeklärt werden. Die Schlüsseluntersuchung ist die Magenspiegelung. Wenn die entsprechenden Untersuchungsverfahren keine Ursache ermitteln können, dann spricht man von der „funktionellen Dyspepsie“, auch als „Reizmagen“ bezeichnet.

Erstellt man eine Diagnose nach den Prinzipien der chinesischen Medizin, dann ergibt sich häufig, dass emotionale Belastungen eine zentrale Rolle spielen. Die Behandlung besteht meist aus Akupunktur und der Einnahme von Heilkräutern.

 

Wer ist betroffen?

Nach einer Umfrage der Apothekenumschau klagen 18 – 20 Prozent der Deutschen über entsprechende Beschwerden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Damit ist die funktionale Dyspepsie zusammen mit dem Reizdarmsyndrom die häufigste Störung des Magen-Darm-Trakts. Die Lebenserwartung ist nicht verändert, aber Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit können deutlich beeinträchtigt sein.

 

Was sind die Symptome der Dyspepsie?

Die häufigsten Beschwerden sind Unbehagen, Völlegefühl, Magendrücken, vorzeitiges Sättigungsgefühl, Gefühl des Aufgeblähtseins, Übelkeit, Aufstoßen, Erbrechen, Brennen oder Magenschmerzen.

Nicht selten sind diese Symptome mit anderen Beschwerdebildern kombiniert, wie zum Beispiel Migräne, Herzsymptome, Angstzustände, Menstruationsbeschwerden, Schlafstörungen oder Depressionen. Die Beschwerden können über Monate, Jahre oder auch lebenslang bestehen.

 

Was sind die Ursachen des Reizmagens?

Die Ursachen sind letztlich noch ungeklärt. Es ist sogar noch unsicher, ob die Beschwerden, die in der Regel auf den Magen bezogen werden, wirklich im Magen entstehen. Diskutiert werden unter anderem Störungen des Nervensystems und der Magenbeweglichkeit, erbliche Faktoren und psychosoziale Ursachen. Bei einem Teil der chronisch Betroffenen ging ein Magen-Darm-Infekt voraus.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei der Dyspepsie bzw. dem Reizmagen handelt es sich um eine so genannte Ausschlussdiagnose, das heißt, organische Ursachen müssen immer ausgeschlossen werden. Es sollten Stuhl und Blut untersucht werden, eine Ultraschalluntersuchung sowie Magen- und Darmspiegelung durchgeführt werden. Auch Allergien sowie Milch- und Fruchtzuckerunverträglichkeiten sollte nachgegangen werden. Wenn nun all diese Untersuchungen kein Ergebnis bringen und in den letzten drei Monaten entsprechende Beschwerden bestanden, dann wird die Diagnose Reizmagen gestellt.

 

Wie wird der Reizmagen behandelt?

Da die Ursache der Erkrankung unklar ist, gestaltet sich die schulmedizinische Behandlung schwierig. Zunächst werden Allgemeinmaßnahmen empfohlen. Das ist z.B. eine die Vermeidung von Stressfaktoren, Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen, körperliche Aktivität und Meidung von Kaffee, Alkohol und scharfen Gewürzen. Es gibt kein Medikament, das die Beschwerden vollständig beseitigt. Mitunter werden krampflösende Mittel, Säureblocker, Schmerzmittel oder auch Antidepressiva verabreicht. Auch pflanzliche Mittel wie Minze, Fenchel, Anis, Melisse oder Kümmel sind ein sinnvoller Ansatz.

 

Der Reizmagen aus Sicht der chinesischen Medizin

Zunächst werden die Symptome und die Begleitumstände analysiert. Es wird sehr genau hinterfragt, wie die Beschwerden sind, wann sie auftreten, wodurch sie sich verschlimmern oder verbessern. Wichtig sind auch alle anderen Beschwerden, auch wenn sie vordergründig nicht mit dem Magen in Verbindung stehen. Das sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Nackenverspannung, Monatsbeschwerden, Ängste, Depressionen, Selbstzweifel, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Herzbeschwerden und viele mehr.

Ein Reizmagen kann nach chinesischer Diagnose ganz unterschiedliche Ursachen haben und entsprechend unterschiedliche Behandlungen erfordern. Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass nach der chinesischen Medizin häufig emotionale Belastungen wie Stress, Ärger oder Enttäuschung die Ursache der Beschwerden sind.

Meist wird die Erkrankung mit einer Kombination aus Akupunktur und chinesischen Heilkräutern behandelt. Anfänglich wird die Akupunktur häufiger, d.h. zweimal pro Woche durchgeführt. Nach einiger Zeit bzw. mit dem Abklingen der Beschwerden wird die Häufigkeit der Akupunkturbehandlungen reduziert. Die Kräuter werden in unserer Praxis meist als Granulat verordnet. Granulate sind pharmazeutisch hergestellte Kräuterauszüge in Pulverform. Der Apotheker fügt die Kräuter entsprechend dem Rezept zusammen und stellt sie als Fertigmischung bereit. Die Kräuter werden zu Hause in warmem Wasser aufgelöst eingenommen.

Die Ernährung wird als dritte Säule der Behandlung neben Nadeln und Kräutern eine wichtige Rolle spielen. Als Zielsetzung der Behandlung geht es natürlich um eine Besserung der Beschwerden, aber auch ein höheres Maß an innerer Ruhe und Gelassenheit wird angestrebt, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen.

 

Über den Autor

Thomas Wetzel
Thomas Wetzel
Traditionelle Chinesische Medizin, Weilburg
Aktuelle Ausgabe3/2018