Corona ist eine harte Nuss auf der wir beißen!

Kopf- Nacken- und Kieferschmerzen treten seit der Corona-Pandemie gehäufter auf. Homeoffice und wenige Sozialkontakte führten dazu, dass sich viele Menschen stärker zurückgezogen haben und irgendwie versuchen durchzuhalten. Zudem sorgte Corona bislang für jede Menge Stress in unserem Leben, da scheinbar nichts mehr so war, wie vorher. Wir mussten unseren Alltag neu organisieren und fürchteten uns um unsere Gesundheit. Es war und wird vielleicht auch wieder ein gewohntes Bild, dass Menschen in der Öffentlichkeit Mund und Nase bedecken. Für unsere mimische Muskulatur sowie die Körper-und Gesichtssprache war dies´ eine große Herausforderung. Das alles konnte zur Folge haben, dass unser Körper mehr muskulär-fasziale Spannung insgesamt aufbaut. Durch die mangelnden sportlichen oder beruflichen Aktivitäten stehen wir auch heute noch vor veränderten Alltagsituationen und es kommt nicht zum gewohnten Stressabbau, wie wir das vor Corona kannten. Folgen können innere Unruhe, Angst, Anspannung und Erschöpfung bis hin zur Resignation sein. Auch körperliche Beschwerden wie Magenprobleme, Kreislaufschwäche, Tinnitus oder Allergieschübe sind keine Seltenheit. Diese erhöhte Muskelspannung führt häufig zur Zunahme einer Schmerzsymptomatik- gerade im Bereich Kopf, Halswirbelsäule, Gesicht und Kiefer. Lächeln oder gar herzhaft laut Lachen ist gesellschaftlich etwas in den Hintergrund getreten- stattdessen tragen wir Masken, halten Distanz und schlimmstenfalls vereinsamen wir. Die eigene Belastungsgrenze wurde in den vergangenen zwei Jahren hart auf die Probe gestellt. So kommt es auch, dass dieser Stress besonders nachts, mit „Zähne zusammenbeißen“ verarbeitet wird.

 

Anatomie Kiefergelenk Im Prinzip besteht unser Kauapparat aus dem festen Ober- und dem sich bewegenden Unterkiefer. Fehlbelastungen und Überspannungen in diesem Bereich können sich auf das gesamte Gesicht, den Schädel und die HWS auswirken. Seit der Pandemie haben sich die täglichen Beanspruchungen wie Lachen, Sprechen, Singen usw. reduziert und verändert, gerade im Bereich der Kieferbewegungen. In unserem Körper zählen die Kiefermuskeln zu den am stärksten belasteten Muskeln. Diese können sich verkürzen und lösen dann Spannungserhöhungen direkt im Kiefer aus. Durch das steigende Stresslevel können die Folgen sein: nächtliches Zähneknirschen, ausgerenkte Gelenkbereiche, CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion=Störung des Kausystems) bis hin zu ungünstigen Mundöffnungswinkeln und Arthrose im Kiefergelenk.

Wie überall im Körper, so entsteht durch einen „Bewegungsmangel“ auch in diesem Bereich ein riesiges Defizit. Wenn die Bewegungswinkel nicht mehr voll ausgenutzt werden, so kommt es zu dauerhaft verkürzten Überspannungen. Das kann sich auch auf andere Körperhaltungen und -funktionen übertragen und dort Schmerzen verursachen. So können sich z.B. Dauerspannungen gegen zu enganliegende Masken aufbauen, was wiederum zu sehr unangenehmen und schmerzhaften Folgen in der Kiefer- und Gesichtsregion führen kann. Der Gesichtsbereich kann sehr darunter leiden und die Folge der vermehrten Spannungszüge im Gesicht kann unter anderem ein Auslöser für eine Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz) sein. Selbst im Bereich des Ohres kann es zu Spannungserhöhungen über die Halsmuskulatur kommen, was dazu führt, dass z.B. äußerst unangenehme Ohrgeräusche entstehen (Tinnitus).

 

Beuge vor! Mein Tipp: Reduzieren Sie diese Überspannungen. Nutzen Sie dazu einen Korken oder den Kieferretter als passives Hilfsmittel um eine Verbesserung im Bereich Kiefer/Zähneknirschen/CMD/Tinnitus/ Migräne/HWS-Probleme/Trigeminusneuralgien zu erreichen. Üben Sie täglich Ihre Kieferöffnung.

Übung 1: Nehmen sie den Kieferretter oder einen entsprechend hohen Korken zwischen die Frontzähne und halten diese passive Kieferöffnung für 2 min. Dann entnehmen Sie das Hilfsmittel und öffnen maximal, aktiv den Mund für weitere 10 Sekunden. Der Vorteil des Kieferretters ist, dass dieser individuell in 18 Dehnstufen verstellbar ist (Kieferöffnungswinkel von 35-69 mm). Das bedeutet eine hohe Effektivität und gleichzeitig auch das Sichtbarmachen des Erfolges.

Übung 2: Nehmen Sie Ihre rechte Hand an den linken, leicht geöffneten Unterkiefer und ziehen diesen langsam, stetig weiter nach rechts- 2 Minuten lang. Dann lösen Sie Ihre rechte Hand und lassen Ihren Unterkiefer für 10 Sekunden maximal aktiv weiterhin in dieser Rechtsrichtung. Danach üben Sie entsprechend auf Ihrer anderen Seite.

Es lohnt sich also, denn je weniger Spannung Ihr Gesicht hat, umso besser ist Ihr Gesichtsausdruck und Sie wirken wieder freundlich. Lächeln Sie J

Ihre Petra Müller

Über den Autor

Petra Müller
Petra Müller
Physiotherapeutin, Heilpraktikerin
LNB Schmerztherapiepraxis Wetzlar

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