„Pädiatrische Nachlese“ zu einem heißen Schwimmbadsommer

Hitzeschutz ist eine unverzichtbare Vorsichtsmaßnahme

Ungeschützt, direkt intensives „Sonnenbaden“ ist für Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche auch Erwachsene grundsätzlich gesundheitsschädlich! Ärzte und Notfallärzte behandeln immer mehr Unvernünftige mit akutem Sonnenbrand aller Schweregrade bis Hautverbrennungen, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen gar Multiorganversagen bei einem potentiell tödlichen Hitzschlag. Ungeachtet dessen setzen Eltern ihre Kinder teils erstaunlich lange ohne Kopfbedeckung oder Sonnenschirm intensivster Sonnenbestrahlung aus. Nur selten sieht man kleine Zelte als Ganzkörperschutz zum Mittagsschläfchen oder in der Erholungspause, wobei ein schattiger und ruhiger Liegeplatz selbstverständlich ist.

Jeder Sonnenbrand zählt lebenslang,

die Haut verzeiht und vergisst nicht!

„Dermatologenweisheit“

Hautärzte diagnostizieren neben der bekannt sichtbar auffällig faltenreich, pigmentiert, verschorften „Altershaut“ eine seit Jahren dramatische Zunahme von Aktinischer Hyperkeratose und Basaliom als weiße, potentiell maligne Krebsvorstufen sowie dem Melanom als schwarzem, bösartigen Hautkrebs.

Sonnenschutzcreme mit Mindestlichtschutzfaktor (MLS) 50 muss, wenn sie wirklichen Schutz bieten soll, systematisch, reichlich und nach jedem „Wassergang“ erneut auftragen werden! Kurze „Kosmetik“ schützt nicht.

Regelmäßiges Trinken darf nicht vergessen werden. Gegen Durst und Schwitzen helfen am besten Wasser, Tee oder verdünnte Obstsäfte.

Beim Kiosk im Freibad sind allermeist Bratwurst/Schnitzel mit Pommes samt Eis in allen Variationen gefragt. Sicherlich leckere Nahrungsmittel – aber mit mindestens zwei Nachteilen behaftet:

Vorsicht Wespeninvasion! Alle Badegäste waren in diesem Sommer mit mehr oder weniger Panik damit beschäftigt, die stechenden Plagegeister abzuwehren - Ruhe bewahren, Süßes und gebratenes oder gegrilltes Fleisch aus dem Weg räumen und nicht barfuß laufen. Nach einem Stich: Kühlen, Antihistaminika Salbe, bei bekannter Allergie Notfallmedikamente einsetzen sowie Badeaufsicht evtl. Notarzt informieren. Kinder bei allen Unfällen nie unbeaufsichtigt alleine lassen - beruhigen und trösten hilft immer!

Adipositas, die erhebliche Übergewichtigkeit ist nicht nur bei vielen Erwachsenen, sondern bereits bei Kindern und Jugendlichen in Badekleidung nur zu gut zu beobachten. Leider bietet die Freibadgastronomie kaum vegetarisch leichte Kost als Alternative an. Ein Umdenken zu mehr gesunder, kalorienärmerer Ernährung wäre auch für Schwimmbäder –nicht nur für Kita und Schule - eine mehr als begrüßenswerte Bereicherung!

Mangel an Aufsichtspersonal

Teils übermütige aber auch ignorante Jugendliche gefährden bei Rasenspielen und im Wasserbecken immer wieder schutzbedürftige Kleinkinder.

Klare Ansage des Schwimmbadpersonals bei Verhaltensübertretungen aller Art ist ebenso gefragt, wie die Leerung überfüllter Mülleimer oder ein Lärm- und Rauchverbot nicht nur wegen der weit verstreuten Zigarettenkippen und Brandgefahr bei ausgetrocknetem Rasen.

Tod durch Ertrinken – meist in offenem Gewässer - wurde in diesem Sommer erschreckend häufig gemeldet. Fahrlässiger Leichtsinn durch Ignorieren von offiziellen Badeverboten, Überschätzung der eigenen Kräfte und Fähigkeiten und Alkoholkonsum sind die häufigsten Ursachen.

Die altbekannte Forderung von Pädagogen und Ärzten nach einem qualifizierten Schwimmkurs bereits im frühem Kindergartenalter und als Schulsportfach ist aktueller denn je! Informationen gibt es allerorten beim Bademeister vor Ort, Sportlehrer und jedem Schwimmverein.

Dann wird der Freibadausflug ein ungetrübtes sonniges Erlebnis . . .

Über den Autor

Dr. med. Josef Geisz
Dr. med. Josef Geisz
Kinder-Jugendarzt/Allergologie, Wetzlar

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