Myome – muss ich mir Sorgen machen?

Myome sind Wucherungen, die in der Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) auftreten. Sie sind die häufigsten gutartigen Tumore der Frau und können sich bei jeder Frau entwickeln - in Europa ist Schätzungen zu Folge je nach Alter etwa jede zweite bis fünfte Frau im gebärfähigen Alter davon betroffen.

Bei einigen betroffenen Frauen verursachen die eigentlich ungefährlichen Knoten teils schwere Beschwerden: starke Regelblutung, Zwischenblutungen, Blasenprobleme, Enddarm-und Darmprobleme, Bauchkrämpfe oder Rückenschmerzen.

Solche Beschwerden können die Lebensqualität dabei erheblich beeinträchtigen und sollten behandelt werden. Nur in ausgesprochen seltenen Fällen liegt eine bösartige Veränderung vor, die von Myomen abgegrenzt werden muss. Diese sogenannten Leiomyosarkome kommen in Nordeuropa mit etwa 0,4 Fällen / 100 000 Frauen in allen Altersgruppen vor und sind eine Rarität. Mitunter kann jedoch die Abgrenzung Myom/Leiomyosarkom für den Arzt eine große Herausforderung sein.

Myome können zudem ähnliche Beschwerden bereiten wie eine Adenomyose – versprengte Schleimhaut der Gebärmutter in der Gebärmuttermuskulatur. Gerade jüngere Frauen können hier starke Beschwerden haben und sollten daher ärztlich beraten werden.

Diagnostik und Therapie

Myome können oft schon bei einer körperlichen Tastuntersuchung in der gynäkologischen Sprechstunde festgestellt werden. Zur gezielten Abklärung stehen uns neben gründlicher Erhebung der Krankengeschichte hochauflösende Ultraschallgeräte zur Verfügung. In einigen Fällen kann die Durchführung einer MRT-Untersuchung sinnvoll sein neben Laboruntersuchungen. In der Regel reicht bei symptomenlosen Myomen ein kontrollierendes Vorgehen durch den Arzt. Bei beeinträchtigenden Beschwerden sollte dahingegen eine Therapie besprochen werden.

Hormonelle Behandlung von Myomen

Mit Hormonpräparaten lässt sich die Zeit bis zu einer geplanten Operation oder dem Eintritt der Wechseljahre überbrücken. Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (GnRH-Analoga – übergeordnete Steuerungshormone zur Beeinflussungen des Weiblichkeitshormons Östrogen) und andere Gegenspieler des Geschlechtshormons Östrogen helfen, das Myomwachstum vorübergehend zu bremsen. Die Medikamente haben jedoch zum Teil starke Nebenwirkungen und sind nicht für eine langfristige Therapie geeignet.

Embolisation

Alternativ zur Operation kommt in bestimmten Fällen eine Embolisation infrage. Dabei spritzt der Arzt unter Röntgenkontrolle Kunststoffpartikel in die Arterie, die das Myom mit Blut versorgt. Das Gefäß verstopft, der Knoten wird nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und schrumpft in der Folge, wodurch myombedingte Beschwerden nachlassen können.

Daneben können fokussierter Ultraschall und Radiofrequenzablation, im weitesten Sinne wird das Myomgewebe hier erhitzt und dadurch verödet, eine Option zur Behandlung sein.

Operative Therapie

Bei der operativen Behandlung von Myomen hängt das genaue Vorgehen von der Größe und der Lage der Myome in der Gebärmutter ab. Minimal-invasive und organerhaltende Verfahren im Rahmen einer Gebärmutterhöhlenspiegelung (Hysteroskopie) oder einer Bauchspiegelung (normale Laparoskopie bei einfachen Fällen, komplexe Fälle mit dem DaVinci System) werden angestrebt. Häufig kann hiermit eine Gebärmuttererhaltung erreicht werden.
Nur in Einzelfällen kann es aufgrund der Lage, Anzahl oder der Größe von Myomen notwendig sein, diese durch eine Bauchschnitt-Operation zu entfernen. Dabei wird ein kleiner Bauchschnitt (Minilaparotomie) eingesetzt. Der Krankenhausaufenthalt ist dann in etwa drei bis fünf Tage lang.

Die Entfernung der Gebärmutter versuchen wir nach Möglichkeit zu vermeiden. Wird diese dennoch notwendig, kann häufig durch Entfernen des den Myom-tragenden Anteils der Gebärmutter durch eine Bauchspiegelung (LASH-Methode, die laparoskopische suprazervikale Hysterektomie), eine Heilung erzielt werden. Bei dieser Methode bleibt der Gebärmutterhals erhalten. Hierdurch soll die Beckenbodenintegrität (Nervenerhalt, Senkungsvorbeugung) gefördert werden.

Bei der vollständigen Gebärmutterentfernung, TLH (totale laparoskopische Hysterektomie), wird der Gebärmutterhals mit entfernt. Der Scheidenabschluss wird durch feine Nähte verschlossen. Diese Variante kann bei ungünstiger Myomlage, Endometriose oder bösartigen Veränderungen inclusive ihrer Vorstufen notwendig werden. Bei vollständiger Entfernung der Gebärmutter sollte auch der schonende Zugang über die Scheide für die Operation in Betracht gezogen werden.

Gerne bieten mein Team und ich Ihnen Beratung und Behandlung bei gutartigen Myomen ebenso wie bösartigen Veränderungen der Gebärmutter an. Wir verfügen in diesem Bereich über eine große Erfahrung und sind daher ein zertifiziertes Zentrum für bösartige Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Mein besonderer Schwerpunkt liegt in den minimal-invasiven Operationstechniken.

Über den Autor

Dr. med. Peter Stuzmann
Dr. med. Peter Stuzmann
Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe

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