ANÄSTHESIE bei Parkinson (II)
Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Unter einer Allgemeinanästhesie, umgangssprachlich auch „Vollnarkose“ genannt, versteht man einen medikamentös hervorgerufenen Zustand des Tiefschlafes. Die dafür nötigen Medikamente werden entweder über eine Maske eingeatmet (Inhalationsanästhesie) oder über eine Vene in die Blutbahn gespritzt (intravenöse Anästhesie - IVA). Kombiniert man beide Verfahren, spricht man von balancierter Anästhesie. Durch eine Feinabstimmung der Medikamente kann die gewünschte Tiefe des Schlafes, der Schmerzlosigkeit und der Muskelerschlaffung „ausbalanciert“ werden. Ein Vorteil dieser kombinierten Anästhesie ist der geringere Einfluss auf das Herzkreislaufsystem.

Vor Einleitung der Narkose atmet der Patient mit Sauerstoff angereicherte Luft über eine Gesichtsmaske ein, damit während der Operation die Lunge gut mit Sauerstoff versorgt wird. Während der Patient einschläft, werden die Narkose-Medikamente per Infusion direkt in die Blutbahn gegeben. Häufig wird das Narkose-Mittel mit einem starken Schmerzmittel und mit muskelentspannenden Medikamenten kombiniert. Da die Muskelentspannung auch die Atemmuskulatur betrifft, wird die Beatmung über die gesamte Zeit der Narkose fortgeführt. Alle lebenswichtigen Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt des Blutes etc. werden über Monitore überwacht.

Bei zeitlich kurzen Eingriffen (z.B. Magenspiegelung) wird die Luft über eine Kehlkopfmaske (Larynxmaske) verabreicht, bei größeren Operationen wird ein Beatmungsschlauch (Endotrachealtubus) durch den Kehlkopf in die Luftröhre gelegt, der Patient wird intubiert – deshalb Intubationsnarkose.

Ist die Operation beendet, wird die Zufuhr der Narkosemittel über die Infusion und die Beatmung beendet, die Narkose wird „ausgeleitet“. In der Regel erwacht der Patient nach wenigen Minuten in einem Aufwachraum.

Eine Vollnarkose stellt für jeden Menschen grundsätzlich eine Belastung dar. Für Parkinson-Patienten gilt das erst recht. Insbesondere ist auf die richtige Auswahl des Narkosemittels zu achten. Es darf nicht zu einer Verschlechterung der Parkinson-Symptome führen, aber auch die Wirkung der Parkinson-Medikamente nicht blockieren. Auch sollten möglich Wechselwirkungen Beachtung finden. Deshalb müssen die für die Narkose notwendigen Medikamente genau mit der Parkinson-Medikation abgestimmt werden.

Probleme bei Parkinson:

Es gibt einige Medikamente und Narkosemittel, die bei Parkinson-Patienten nicht eingesetzt werden dürfen. Sie wirken entweder als direkter Dopamingegenspieler im Gehirn oder sorgen in Kombination mit Parkinson-Medikamenten für eine erhöhte Gefahr von Nebenwirkungen.

Dopamin-Gegenspieler (Dopamin-Antagonisten)

Sie blockieren die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn oder entleeren die Dopaminspeicher und können dadurch zu einer Zunahme der Parkinson-Symptome führen:

  • Metoclopramid – Einsatz gegen Übelkeit und Erbrechen (Ersatz Domperidon)

  • Droperidol (Dehydrobenzperidol, DHB)

  • Neuroleptika – Einsatz im Rahmen einer Neuroleptanalgesie

    (Ausnahmen Clozapin, Quetiapin)

  • Reserpin

  • Promethazin

  • Serotinin-Antagonisten (Ondansetron, Palonosetron, Tropisetron)

    Diese Medikamente können auch dosisabhängig zu einer veränderten Reizleitung am Herzen führen, deshalb Vorsicht bei Kombination mit Amantadin !

    Inhalations-Narkosemittel

    Erhöhen die Empfindlichkeit des Herzmuskels gegen Katecholamine, somit auch gegen Dopamin bzw. L-Dopa.

  • Halothan, Fluothan

  • Zyklopropan

Über den Autor

Dr. Ilona Csoti
Dr. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Aktuelle Ausgabe4/2018