Moderne Endoskopieverfahren

Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Verdauungstraktes

Der erfahrene Internist und Endoskopeur ist der Überzeugung:

„Die Endoskopie ist eine bedeutende medizinische Erfindung!

War in den Anfängen diese Untersuchungsmethode unangenehm und schmerzhaft, so ist sie heute eine Routineuntersuchung geworden. Die Betroffenen bekommen von der endoskopischen Untersuchung praktisch nichts mit: Dank einer “Schlafspritze“ fallen die Patienten in einen tiefen Schlaf, in dem das Bewusstsein ausgeschaltet ist, so dass sie keine Schmerzen spüren und an den sie sich anschließend nicht mehr erinnern können. Das Schlafmittel verschwindet aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit sehr schnell wieder aus dem Körper und ist deshalb sehr gut dosierbar. „Wir überwachen unsere Patienten während der Endoskopie immer sehr gut und kontrollieren verschiedene Parameter dauerhaft“, so Dr. Fischer.

Zur Endoskopie kommt ein spezielles Instrument zum Einsatz: das sogenannte Endoskop- ein biegsames, dünnes, schlauchförmiges Gerät. Jedes Endoskop besitzt eine Kamera. Damit lassen sich Körperhöhlen und Hohlorgane wie Magen oder Darm betrachten.

Die Bezeichnung der verschiedenen endoskopischen Verfahren und der jeweils verwendeten Endoskope richtet sich in der Regel nach deren Einsatzgebiet: So heißt beispielsweise die endoskopische Untersuchung des Magens Gastroskopie (und das Instrument entsprechend Gastroskop), die des Darms Koloskopie (und das Endoskop entsprechend Koloskop). Im Deutschen kommt für die Endoskopie (griech. endon = innen, skopein = betrachten) oft der Begriff der Spiegelung zur Anwendung: Man spricht dann entsprechend von einer Magenspiegelung oder Darmspiegelung. So dient die Endoskopie der Abklärung von Krankheitsbildern des Magen- und Darmtraktes aber auch der Bauchspeicheldrüse und des Gallengangsystemes.

Beleuchtet man zuerst einmal den Magen, so stellt man fest: Jährlich knetet die Muskulatur des Magens bis zu einer Tonne Nahrung zu Brei. 35 Millionen Drüsen in der Schleimhaut produzieren jeden Tag bis zu drei Liter säurehaltigen Saft, der die Nahrung andaut und Mikroorganismen abtötet. Die Patienten sagen „mir ist etwas auf den Magen geschlagen“. Ursachen sind Genussmittel, psychischer oder körperlicher Stress, bestimmte Medikamente oder Bakterien (Helicobacter pylori). Zu unterscheiden ist, ob ein Patient lediglich an einer harmlosen "Magenverstimmung“ oder an einer ernsthaften, unbedingt behandlungsbedürftigen Erkrankung leidet. Bei krankhaften Befunden im Magen-Darm-Trakt wie zum Beispiel Magenschleimhautentzündungen, Gefäßmissbildungen und Geschwüren, kommen endoskopische Verfahren in der Diagnostik aber auch zur Behandlung zum Einsatz. Beispielhaft ist hier die Abtragung von Polypen im Dickdarm, die Blutstillung bei Geschwüren im Magen und Zwölffingerdarm, die Entfernung von Gallensteinen oder die Einlage von sogenannten Stents bei Verschluss des Gallenganges durch einen bösartigen Tumor, um den Galleabfluss sicher zu stellen. Auch die Entfernung von Fremdkörpern aller Art, von der Nuss bis zum Esslöffel, ist endoskopisch möglich.

Komplikationen

Selbstverständlich muss auch auf die Möglichkeit von Komplikationen bei Magen- oder Darmspiegelungen eingegangen werden. Am meisten gefürchtet ist hierbei eine sogenannte Perforation, das heißt die Verletzung der Organwand mit Austritt von Magen- oder Darminhalt in die freie Bauchhöhle und der Entwicklung einer Bauchfellentzündung. Das Risiko sei allerdings sehr gering, so Fischer. In der Asklepios Klinik seien diese Untersuchungen Aufgabe eines Oberarztes oder erfahrenen Facharztes.

Im Rahmen der Krebsvorsorge spielen Darmspiegelungen eine große Rolle. „Durch die Erkennung von Krebsgeschwülsten im Frühstadium sowie Krebsvorstufen werden viele Menschenleben gerettet. Die Darmspiegelung ist das zuverlässigste Verfahren zur Entdeckung von Darmkrebs und dessen Vorstufen“, so ein eindeutiger Apell von Dr. Fischer.

Vorsorge

Neben der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge ab dem 55. Lebensjahr sollten Patienten bei folgenden Symptomen zur Vorsorge-Koloskopie gehen: Sichtbares Blut im Stuhl, auffällige Änderungen der Stuhlgewohnheiten, anhaltende Schmerzen im Bauchbereich, bei positivem Test auf verstecktes Blut im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr sowie in jüngerem Lebensalter zur Früherkennung bei familiärem Darmkrebsrisiko.

Kapselendoskopie

Ein weiteres Verfahren ist die Kapselendoskopie. Diese kann bei Verdacht auf eine krankhafte Veränderung im Dünndarm, wie beispielsweise einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, sinnvoll sein. Die wichtigste Indikation ist allerdings die Abklärung einer möglichen Blutung, da die diagnostische Ausbeute der herkömmlichen Verfahren hierfür unzureichend ist. Dabei wird eine winzige, wasserdicht verschlossene Videokapsel mit etwas Wasser geschluckt. Die Kamera wandert durch den Darm und nimmt Bilder auf, welche an einen dem Patienten umhängenden Rekorder gefunkt werden. Diese Bilder ergeben ein Video, welches mit einem speziellen Computerprogramm ausgewertet wird.

Der Transport der Videokapsel erfolgt über die natürliche Eigenbewegung des Verdauungstraktes. Am Ende wird die Kapsel ausgeschieden. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen den Einsatz dieser innovativen und schonenden Untersuchungsmethode und erstatten die Untersuchungskosten bei gerechtfertigter Anwendung.

Endosonographie

Schließlich ist noch die Endosonographie zu nennen. Dies ist ein relativ junges bildgebendes Untersuchungsverfahren. Es verbindet die schonende Technik der Endoskopie mit der hochauflösenden Ultraschalluntersuchung (Sonographie). Diese Untersuchungsmethode könnte man auch als eine „Ultraschalluntersuchung von innen“ bezeichnen. Die Endosonographie wird angewendet, wenn bei einer Spiegelung gleichzeitig per Ultraschall Aufschluss über den Zustand z.B. der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), der Gallenwege, der Magenwand oder der Speiseröhrenwand gewonnen werden soll. Die Vorteile des endoskopischen Ultraschalls so Dr. Fischer, der eine langjährige Expertise durch seine Schwerpunkttätigkeit an der Uniklinik besitzt, sind die gute Erreichbarkeit unzugänglicher Regionen, die Nähe des Ultraschallkopfs zum Zielorgan, die schärfere und genauere Darstellung und die Möglichkeit einer Probenentnahme.

Über den Autor

Dr. Roland Fischer
Dr. Roland Fischer
Leitender Oberarzt und Leiter der Endoskopie- und Ultraschallabteilung, Asklepios Klinik Lich
Aktuelle Ausgabe2/2018