Wenn Muskeln aus dem Gleichgewicht geraten

Ursachen und Folgen muskulärer Dysbalance

Das muskuläre Zusammenspiel von Gliedmaßen des Körpers wird auch als Gegenspielerprinzip bezeichnet. Beispielsweise wird beim Beugen des Armes der Beugemuskel (Bizeps) aktiv, bei Strecken sein Gegenspieler, der Triceps. Dabei bezeichnet man den Beugemuskel auch als Agonisten und seinen Gegenspieler als Antagonisten. Befindet sich der Bizeps in der Beugung, ist der Trizeps gestreckt und umgekehrt. Im Idealfall sind beide Muskeln in etwa gleich stark ausgebildet, sodass ein ausgeglichenes Spannungsverhältnis herrscht.

Bei einem muskulären Ungleichgewicht, das man auch Dysbalance nennt, ist einer der beiden Muskeln stärker ausgeprägt als der andere. Die Dysbalance entsteht als Folge einer ungleichen Belastung einzelner Muskelpartien. Wenn etwa die Brust- und Bauchmuskulatur der Vorderseite des Körpers stärker beansprucht wird als die Schulter- und Rückenmuskulatur Rückseite. Muskuläre Dysbalancen können nahezu alle Skelettmuskeln betreffen. Sie verursachen dann Beschwerden angefangen von Verspannungen bis hin zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Fehlhaltungen

Die Ursachen

Die Hauptursache für muskuläre Ungleichgewichte und die daraus resultierenden Folgen ist das moderne Berufsleben, bei dem wir unseren Körper meist nicht mehr ausgeglichen belasten. Vielmehr bestimmen einseitige Bewegungen sowohl im Beruf als auch im Alltag unseren Körper. Das Resultat sind unterschiedlichste Muskelungleichgewichte. Neben allgemeinem Bewegungsmangel ist es vor allem das lange und oft fehlerhafte Sitzen, das Ungleichgewichte begünstigt. Ein häufiges Beispiel ist der Hüftbeuger, der durch zu langes Sitzen „verkürzt“ ist. Infolge von Fehlhaltungen beim Sitzen kann sich auch eine ohnehin geschwächte Gesäßmuskulatur eine Dysbalance zwischen der linken und rechten Gesäßmuskulatur entwickeln. Das wiederum führt zu einem Beckenschiefstand und nicht selten zu Rückenschmerzen. Insbesondere durch unergonomische Bildschirmarbeit und die exzessive Nutzung des Smartphones ergibt sich mit der Zeit ein Ungleichgewicht zwischen Nacken-, Brust- und Schultermuskulatur. Die Folge davon sind Verspannungen mit Fehlhaltungen der Hals- und Brustwirbelsäule sowie Kopfschmerzen. Auch zwischen der vorderen Brust- und hinteren Schultermuskulatur besteht bei den meisten Menschen eine Dysbalance, da wir häufiger Bewegungen „vor dem Körper“ ausführen als „hinter dem Körper“.

Auch durch Sport und vor allem durch Leistungssport können muskuläre Dysbalancen entstehen. Hier entsteht das Ungleichgewicht durch die stetige Ausübung einer Sportart mit ihren spezifischen Bewegungsabläufen. Somit werden auch immer die gleichen Muskelgruppen stark belastet, während die anderen Muskelgruppen zurückbleiben. Die wohl bekannteste sportbedingte Dysbalance ist das Ungleichgewicht zwischen Adduktoren (Oberschenkelinnenseite) und Abduktoren (Oberschenkelaußenseite) bei Fußballern durch das vorrangige Spielen des Balles mit dem Innenspann. Das Ergebnis sind die charakteristischen O-Beine. Auch im Kraft- und Fitnesssport sind muskuläre Ungleichgewichte häufig, da manche Sportler bestimmte Muskelgruppen lieber trainieren als andere.

Die Symptome

Die Symptome muskulärer Dysbalancen sind eher unspezifisch und orientieren sich an der zugrundeliegenden Ursache und den betroffenen Muskelpartien. Schmerzen in Nacken, Schultern, Rücken und Hüften sind häufig.
Oftmals zeigt sich ein solches Ungleichgewicht bereits optisch z.B. durch einen Rundrücken, einen Beckenschiefstand, nach vorne gezogenen Schultern oder ein optisches Missverhältnis zwischen agonistischer und antagonistischer Muskelpartie. Ärzte, Osteopathen und erfahrene Physiotherapeuten können die meisten Dysbalancen sehr zuverlässig mit Hilfe einer Sichtdiagnose erkennen. Häufig kommen unspezifische Begleitsymptome wie schmerzhafte Verspannungen, Muskelverhärtungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit dazu. Als Folge davon können sich Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen, Impingement-Syndrom des Schultergelenks oder auch ein Fersensporn entwickeln.

Die Behandlung

Sofern keine übergeordnete Grunderkrankung vorliegt, kann das Muskelungleichgewicht mit Behandlungen der Muskulatur und Fascien unter Einbezug der Gelenke mit speziellen Techniken und gezielten Übungen korrigiert werden. Training für die Beseitigung des Muskelungleichgewichts besteht einerseits aus der Hemmung und Dehnung der starken Muskelpartien, welche Dehn- und Kräftigungsübungen im Einzelfall zum Erfolg führen, hängt von den betroffenen Muskelgruppen ab.

So kann man der muskulälen Dysbalance vorbeugen.

Da muskuläre Dysbalancen oftmals durch Bewegungsmangel entstehen, sollten möglichst viele Bewegung in den Alltag eingebaut werden. (z. B. Treppe statt Aufzug, Fahrrad statt Auto, oder in der Mittagspause einen Spaziergang machen. Den Arbeitsplatz mit Hilfe eines ergonomischen Bürostuhls und wenn möglich einem höhenverstellbaren Schreibtisch ergonomisch einrichten. Auch regelmäßiges Dehnen und Lockern kann schon im Ansatz den Verspannungen entgegenwirken.

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Claudia Agne
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Aktuelle Ausgabe05.01.