Demenz bei Morbus Parkinson

 

Häufigkeit der Parkinson-Demenz (PD)

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass durchschnittlich 40 Prozent der von M. Parkinson betroffenen Patienten im Verlauf der Erkrankung eine Demenz entwickeln, wobei die Häufigkeit stark vom Lebensalter und der Krankheitsdauer abhängig ist. Das Durchschnittsalter von Patienten mit Parkinson-Demenz liegt etwa bei 72 Jahren, ähnlich wie bei Patienten mit einer Demenz vom Lewy-Körperchen-Typ (74 Jahre). Insgesamt ist bei Parkinson-Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung das Risiko einer Demenz um den Faktor sechs erhöht. Als Risikofaktoren gelten: hohes Alter, lange Krankheitsdauer, symmetrischer Beginn, hypokinetisch-rigide Verlaufsform der Erkrankung und das Auftreten von Halluzinationen (Sinnestäuschungen).

Begriffsbestimmung

Der Begriff Demenz lässt sich vom lateinischen „dementia“ herleiten und bedeutet so viel wie „Unvernunft“. Eine Demenz ist eine Erkrankung, bei der es aufgrund einer krankheitsbedingten Schädigung des Gehirns zu einem fortschreitenden Verlust intellektueller Fähigkeiten mit zunehmenden Hirnleistungsstörungen und psychischen Veränderungen kommt, welche zur vollständigen Hilfebedürftigkeit des Betroffenen führen können.

Zu unseren Hirnleistungen zählen folgende Bereiche: Orientierung, Gedächtnis, Denken, Auffassung, emotionales Erleben, Rechnen, Lernfähigkeit, Urteilsvermögen und Sprache.

Stehen bei der Alzheimerdemenz von Beginn an Gedächtnisstörungen im Vordergrund, so leiden Patienten mit Parkinson-Demenz aufgrund einer anderen Verteilung der betroffenen Regionen im Gehirn eher an folgenden Störungen:

  • Störungen der Aufmerksamkeit
  • Verlangsamung des Denkens
  • Informationen können nur verzögert abgerufen werden
  • Gestörtes Lernen bei gut erhaltenem Wiedererkennen
  • Visuell-räumliche Störungen (z.B. das Lesen der Uhrzeit, Entfernungen schätzen)
  • Frontal exekutive Störungen (Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge)
  • Wortflüssigkeit
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Verhaltensstörungen
  • Apathie (Teilnahmslosigkeit)
  • Depressivität
  • Illusionäre Verkennungen und Halluzinationen

 

Die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten fällt dem Patienten immer schwerer. Auch können sie ihre Aufmerksamkeit nicht mehr über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten und schlafen in entspannten Situationen auch am Tag sehr schnell ein. Bei zeitgleicher Bearbeitung von mehreren, auch einfachsten Arbeiten werden sie schnell überfordert, die Konzentration reicht nur für eine Tätigkeit. Es kommt zu einer verlangsamten Verarbeitung von Reizen (Wahrnehmung, Aufnahme, Abruf) und damit zu einem langsameren Arbeitstempo, unabhängig von der motorischen Verlangsamung und aufgrund der gestörten Wortflüssigkeit auch zu einer Sprachverarmung. Damit im Zusammenhang stehen Veränderungen der Persönlichkeit mit Interesselosigkeit und sozialem Rückzug, Depressivität und Angst bis hin zu psychotischen Erscheinungen mit Wahngedanken und Halluzinationen. Häufig kommt es zum Auftreten von Schlafstörungen mit nächtlicher Unruhe und Desorientiertheit und einer exzessiv erhöhten Tagesmüdigkeit. Da aufgrund der Halluzinationen in der Regel eine Rückdosierung der Parkinson-Medikamente vorgenommen werden muss, wird auch die Beweglichkeit schlechter, die Haltungsstörung nimmt zu und es tritt ein störender Speichelfluss auf, da die Patienten seltener schlucken, der Mund offen steht und der Kopf nach vorn geneigt ist. Durch die Verschlechterung der Motorik und das Nachlassen der das Gleichgewicht regulierenden Reflexe besteht eine erhöhte Sturzneigung mit sturzbedingten Verletzungen. Vegetative Störungen wie Harninkontinenz nehmen deutlich zu. Gedächtnisstörungen treten im Verlauf erst spät auf. Auch sind sie anders als bei Alzheimerpatienten. Diese können neue Informationen nicht abspeichern und daher auch nicht abrufen. Parkinson-Demenz-Patienten speichern durchaus ab, die Lernfähigkeit ist noch erhalten, der Zugriff ist jedoch erschwert und verzögert. Im Unterschied zu Alzheimer-Patienten können Gedächtnishilfen (Merkzettel, Kalender) aus diesem Grund hilfreich sein.

Schweregrad der Demenz

Patienten mit leichter Demenz sind noch in der Lage, sich allein zu versorgen. Erste Schwierigkeiten treten bei komplexen Tätigkeiten auf, zum Beispiel beim Autofahren, hierbei müssen mehrere Aufgaben zeitgleich verarbeitet werden. Auch die regelmäßige Einnahme der Medikamente, bei Parkinson bis zu 10 Einnahmezeiten am Tag, bereitet Schwierigkeiten, Einnahmen werden vergessen oder doppelt eingenommen. Auch Halluzinationen können den Beginn einer Demenz anzeigen. Es kommt zum Verlust von sozialer und beruflicher Leitungsfähigkeit und zu beginnenden Persönlichkeitsveränderungen. Mittelgradig demente Patienten benötigen im Alltagsleben Hilfestellungen, sie verlieren ihre Selbständigkeit und vernachlässigen alltagsrelevante Verrichtungen, schwer demente Patienten benötigen Aufsicht und Pflege rund um die Uhr. Mit Zunahme der kognitiven Störungen kommt es in der Regel auch zu einer Zunahme der Verwirrtheit.

Ursache der Parkinson-Demenz

Den „Treibstoff“ Dopamin benötigen wir für unsere körperliche Bewegung, für unsere geistige Beweglichkeit den „Treibstoff“ Acetylcholin, beides wichtige Botenstoffe in unserem Gehirn. Neben dem bekannten Mangel an Dopamin konnte bei M. Parkinson auch ein Mangel an Acetylcholin nachgewiesen werden. Überraschend war dabei, dass der Mangel an Acetylcholin bei Parkinson-Demenz sogar ausgeprägter ist als bei der Alzheimerdemenz und dass selbst bei Parkinson-Patienten ohne Demenz bereits ein cholinerges Defizit vorliegt.

Ursächlich für diesen Mangel sind Zelluntergänge in verschiedenen Bereichen des Gehirns durch krankhafte Eiweißablagerungen, so genannte Lewy-Körperchen. Bereits 1961 wurde ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Lewy-Körperchen in der Hirnrinde und einer Demenz beschrieben. Durch diese Zelluntergänge werden auch Verbindungssysteme der Basalganglien zu Schlüsselbereichen unserer Denkprozesse in der Hirnrinde geschädigt. Da der Ursprungsort der Schädigung in der Tiefe des Gehirns in den sogenannten Basalganglien liegt, wird diese Demenz auch als „subkortikale (unter der Hirnrinde gelegen) Demenz bezeichnet. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Alzheimer-Demenz um eine kortikale (Hirnrinde) Demenz, da die Schädigung bereits zu Beginn zu einem Zelluntergang in der Hirnrinde führt.

Wie kann man die Demenz bei Parkinson feststellen?

Zur Diagnose einer Demenz ist die Durchführung einer ausführlichen Anamnese auch unter Einbeziehung der Angehörigen, von laborchemischen, neuropsychologischen und elektrophysiologischen Untersuchungen sowie bildgebenden Verfahren erforderlich. Insbesondere müssen andere Ursachen von Gedächtnisstörungen ausgeschlossen werden, die man möglicherweise anders behandeln muss. Zum Beispiel kann einer Unterfunktion der Schilddrüse ebenfalls Gedächtnisstörungen auslösen. Differenzialdiagnostisch muss auch an eine zusätzlich bestehende Alzheimer-Demenz, eine Lewy-Körperchen-Demenz oder eine frontotemporale Demenz gedacht werden.

In der ärztlichen Praxis sehr einfach durchführbar sind der Uhrentest (Zeichnen einer Uhr) (siehe Abbildung 1) oder Wortflüssigkeitsaufgaben (maximale Anzahl der Wörter in einer Minute). Traditionell wird häufig der Mini-Mental-Status-Test (MMST) durchgeführt. Speziell für die Diagnostik der Parkinson-Demenz entwickelt wurde der PANDA (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Veränderungen der Persönlichkeit oder Halluzinationen werden von den pflegenden Angehörigen jedoch auch ohne Testung wahrgenommen.

 

Die durch den Zelluntergang bedingte Hirnatrophie (Schrumpfung) kann mit Hilfe der Kernspintomographie nachgewiesen werden. Typische Veränderungen in Gehirnwasser (Liquor), wie sie für andere Demenzen bereits bekannt sind, werden für die Parkinson-Demenz noch gesucht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Das einzige für diese Indikation zugelassene Medikament ist Rivastigmin. Der Zulassung vorausgegangen war eine Studie mit über 500 Patienten mit Parkinson-Demenz, welche die Wirksamkeit bei dieser Patientengruppe nachweisen konnte. Neben Verbesserungen der kognitiven Funktionen und des Verhaltens zeigten sich in der Studie eine Verbesserung der Alltagsfähigkeit und Selbständigkeit der Patienten. Auch Halluzinationen konnten reduziert werden.

Die mit der Demenz im Zusammenhang auftretenden depressiven Verstimmungen können mit Antidepressiva behandelt werden, Halluzinationen und Unruhezustände erfordern oft den Einsatz von atypischen Neuroleptika.

Den wichtigsten Stellenwert für den Patienten und seine pflegenden Angehörigen haben jedoch die richtige Diagnosestellung und danach das Eingehen auf die Besonderheiten dieser Erkrankung. Regelmäßige Krankengymnastik, Bewegung an der frischen Luft, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gesunde Ernährung sind die Grundpfeiler einer jeden Basisbehandlung. Ein psychosozialer Therapieplan (z.B. Tageskliniken, Angehörigenberatung, Urlaubsbetreuung, mobile Hilfsdienste etc.) ist von entscheidender Bedeutung. Hilfestellung dabei finden Patienten und Angehörige bei der Deutschen Parkinson-Vereinigung (DPV).

Über den Autor

Dr. med. Ilona Csoti
Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen

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