Übertragungswege von Infektionserregern

Teil 2

Um uns vor Infektionen besser schützen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie die Erreger in den Körper gelangen.

Übertragung über Lebensmittel

Viren und Bakterien können über Lebensmittel in den Körper gelangen. Besonders Rohfleisch, Rohwurst, Rohmilch, roher Fisch und Eier sind fast immer mit Keimen behaftet. Bei Verzehr von nicht genügend durchgegarten Produkten können Durchfallerreger in den Darm gelangen, sich im Körper vermehren und zu schweren Magen-Darm-Infektionen führen. Einige Erreger bilden Giftstoffe, die man Toxine nennt. Diese werden im Lebensmittel, z. B. im Kartoffelsalat (Mayonnaise), von Bakterien gebildet und angereichert. Nach dem Verzehr und bei Aufnahme der Giftstoffe kommt es zu einer Lebensmittelvergiftung, begleitet von Erbrechen und Durchfall.

Zu den Bakterien, die Gastroenteritis (Brech-Durchfallerkrankung) verursachen, gehören Salmonellen, Campylobacter, Yersinien und seltener Shigellen. Die Erkrankung dauert normalerweise 5-7 Tagen und klingt häufig von allein ab. In der Zeit sind Bettruhe, Schonung und viel Trinken erforderlich. Nur bei schweren und fieberhaften Verläufen soll man einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen und evtl. eine antibiotische Therapie durchführen.

Rotaviren und Noroviren können ebenfalls eine Gastroenteritis hervorrufen, wenn diese z. B. während der Lebensmittelzubereitung in die Speise gelangen, z. B. durch schlecht gewaschene Salate oder über kontaminierte Hände und Utensilien. Die Erkrankung beginnt innerhalb 1-3 Tage nach Aufnahme der Erreger und dauert 2 bis 6 Tage. Die Symptome klingen schnell wieder von allein ab.

Das Essen kann über schmutzige Hände, Arbeitsflächen, Küchengeräte und Messer kontaminiert (verunreinigt) werden. Um die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Krankheitserregern zu vermeiden muss verhindert werden, dass die Erreger von rohen Lebensmitteln auf die bereits fertigen Produkte gelangen. Bereits beim Einkaufen, Transport und Lagerung der Lebensmittel ist auf richtige Verpackung, Sortierung und Temperatur im Kühlschrank zu achten. Die Kühlschranktemperatur soll auf unter 5 °C eingestellt werden. Vor dem Speisenzubereiten sind Hände gründlich mit Seife zu waschen und immer nur bereits gereinigte Küchengeräte zu nutzen. Zuerst Desserts und Salate zubereiten und kühl stellen. Anschließend Fleischprodukte verarbeiten.

Schneidebretter sind nach jeder Benutzung gründlich unter heißem Wasser mit Hilfe von Spülmittel und einer sauberen Bürste zu reinigen. Kunststoffbretter können in der Spülmaschine bei mindestens 60 °C gereinigt werden.

Übertragung durch Wasser

Das Leitungswasser in Deutschland wird mehrmals täglich von den Stadtwerken kontrolliert und gehört zu den sichersten und saubersten Lebensmitteln. Beim Trinken jedoch von nicht aufbereitetem Wasser, z. B. aus Brunnenanlagen oder beim Verschlucken des Wassers während des Schwimmens, kann man sich mit Durchfallbakterien wie Salmonellen oder pathogenen Escherichia coli (EHEC) infizieren. Außerdem werden über verunreinigtes Wasser Erreger von Hepatitis A und Hepatitis E sowie Parasiten übertragen.

In der Warmwasserinstallation bei niedrig eingestellter Wassertemperatur von 40 °C bis 50 °C können sich Legionellen (Wasserkeime) vermehren. Beim Duschen oder Baden entstehen Aerosole und Dämpfe, die Legionellen enthalten können. Diese können eingeatmet werden und gelangen so in die Lunge. Legionellen verursachen Infektionen, die einer Grippe ähneln (Pontiak-Fieber) - die Infektion klingt jedoch von alleine ab. In seltenen Fällen kann jedoch zu schweren Lungenentzündung durch Legionellen kommen, besonders bei älteren und immunabgeschwächten Personen. Die Erkrankung wird Legionellose genannt und bedarf einer antibiotischen Therapie im Krankenhaus. Weitere Wasserkeime, wie z. B. Pseudomonaden, können im Wasserleitungssystem Biofilme bilden. Die Keime sind für Wund und Harnwegsinfektionen verantwortlich.

Über den Autor

Dr. med. Olga Keksel
Dr. med. Olga Keksel
Fachärztin für Mikrobiologie
Virologie und Infektionsepidermiologie
Krankenhaushygiene

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