Tätowierungen und deren gesundheitliche Risiken

In Industrienationen sind 10 – 20 % der erwachsenen Bevölkerung tätowiert.

Dabei hat sich die negative Einstellung gegenüber Tätowierungen in den letzten Jahren abgeschwächt. Vorreiter für diesen Trend sind besonders tätowierte Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen wie Schauspieler, Musiker und Sportler.

Tätowierungen sind operative Eingriffe, die jedoch nur äußerst selten von Ärzten durchgeführt werden. Bei der Tätowierung wird die Haut traumatisiert. Je nach Erreger, dem Immunstatus des Tätowierten sowie dessen Grunderkrankungen kann eine lokal begrenzte, selbstlimitierende, oberflächliche Hautinfektion, aber auch eine lokal sich ausdehnende oder systemische Infektion entstehen. Nach epidemiologischen Studien beträgt die Häufigkeit infektiöser Komplikationen bei Tätowierungen 0,5 – 6 %.

Die häufigste Ursache dieser Infektionen ist ein unzureichender Infektionsschutz. Krankheitserreger finden sich auf Oberflächen im Tattoostudio oder auf inadäquat sterilisierter Tattoo-Ausrüstung. Aber auch die Hautbakterien der tätowierten Person als auch des Tätowierers können zur Infektion führen. Zudem erhöhen mangelnde Wundversorgung und/oder Körperpflege das Infektionsrisiko.

Ein großes Problem stellt die mikrobielle Vergiftung der eingebrachten Farbstoffe bei dem Herstellungsprozess dar. Kontaminationen > 10 % sind bei ungeöffneten Tätowiertinten keine Seltenheit. Die bakterielle Belastung bereits geöffneter Flaschen ist noch um ein Vielfaches höher. Das Umfüllen von Farblösungen aus Vorratsflaschen in kleinere, nichtsterile Behälter stellt dabei eine Kontaminationsquelle dar. Unter nichtsterilen Bedingungen oder mit kontaminierten Flüssigkeiten (Leitungswasser) gemischte Farben sind ebenfalls potenzielle Infektionsquellen. Bakterien können in Tätowierfarben leicht infektiöse Dosen erreichen, vor allem dann, wenn diese unsachgemäß konserviert werden.

Angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Tattoos müssen Infektionsrisiken als relevant für die öffentliche Gesundheit eingestuft werden. Ärzte sollten die möglichen Komplikationen von Tätowierungen kennen, ihre Patienten darüber aufklären und bei eingeschränkter Immunabwehr oder prädisponierenden Vorerkrankungen auch davon abraten. Neben den Infektionsrisiken sollten Ärzte auch auf das nicht unerhebliche Risiko für allergische Reaktionen durch Formaldehyd, Nickel und Mangan, die sich in Tattootinten befinden, hinweisen.

Die Etablierung verbindlicher Qualitätsstandards für Tätowiermittelhersteller, Tattoo-Studios und Tätowierer ist dringend erforderlich. Patienten sind in geeigneter Weise von Ärzten über mögliche Gefahren und klinische Komplikationen mit ihren zum Teil weitreichenden Spätfolgen aufzuklären.

Über den Autor

Prof. Dr. med. Martin Brück
Prof. Dr. med. Martin Brück
Chefarzt der Medizinischen Klinik I
Klinikum Wetzlar

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