Wenn der Kopf schmerzt
und was Ihnen ein Neurologe dazu erzählen kann

Kopfschmerzen gehören zu den am häufigsten beklagten Gesundheitsbeschwerden. In einer großen Studie aus dem Jahr 2019 hatten 57,5 % der Frauen und 44,4 % der Männer in Deutschland mindestens 1 Mal Kopfschmerzen im Jahr. Bei knapp 15 % der Frauen und etwa 6 % der Männer waren die Kriterien für eine Migräne erfüllt. 10 % der Frauen und 7 % der Männer hatten Spannungskopfschmerzen.

Hierzu ist es wichtig, zu wissen, dass das Gehirn selbst keine Schmerzen empfinden kann, da hier keine Schmerzrezeptoren vorhanden sind. Schmerzempfindlich ist aber die Hirnhaut, die z. B. im Rahmen einer Meningitis große Schmerzen verursachen kann. In unserem Körper melden Schmerzrezeptoren (sogenannte Nozizeptoren) Schmerzen an das Gehirn. Diese Nozizeptoren werden stimuliert durch mechanische, thermische oder chemische Reize. Im Gehirn gibt es spezielle Strukturen, in denen die Signale der Nozizeptoren verarbeitet werden. Die Schmerzempfindung ist immer subjektiv und entsteht erst im Gehirn.

Bei Kopfschmerzerkrankungen kann man sogenannte primäre Kopfschmerzen von sekundären Kopfschmerzen unterscheiden.

Bei den primären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung, das heißt, es liegt keine Schädigung oder strukturelle Veränderung im Gehirn oder Kopf vor.

Bei sekundären Kopfschmerzen ist der Kopfschmerz Ausdruck einer anderen Erkrankung. Das heißt, es gibt eine Ursache die gesucht und behandelt werden muss.

Die bekanntesten primären Kopfschmerzen sind Migränekopfschmerzen, Kopfschmerzen vom Spannungstyp oder sogenannte Cluster-Kopfschmerzen. Daneben gibt es noch einige seltenere Kopfschmerzerkrankungen.

Die Migräne ist der häufigste primäre Kopfschmerztyp und wird auch weitervererbt. Bei der Migräne haben viele Patienten sogenannte Aurasymptome, das heißt Flimmern vor den Augen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder auch Lähmungserscheinungen oder Ähnliches. Im Anschluss an diese Aurasymptome kommen dann Kopfschmerzen, die meist von Begleitbeschwerden wie z. B. Übelkeit, Erbrechen oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergehen. Man geht heute davon aus, dass die Migränekopfschmerzen durch eine Art von entzündlicher Reaktion verursacht werden und dass Substanzen im Gehirn ausgeschüttet werden, die wiederum Schmerzrezeptoren aktivieren. Diese Hypothese konnte insoweit bestätigt werden, als auch moderne Mittel zur Vorbeugung von Migräne sich dieses Prinzip zu Nutze machen. Man hat spezielle Antikörper entwickelt, die hier als Prophylaxe, das heißt Vorbeugung von Migräneattacken wirksam sind.

Eine Migräneattacke beginnt oftmals Stunden bis Tage vorher mit Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Abgespanntheit. Danach folgt bei manchen Patienten die schon o. g. Aura. Die Dauer der Aura kann manchmal bis zu 1 Stunde betragen.

In der Attacke ist der Kopfschmerz meist einseitig und wird als pulsierend beschrieben. Die Kopfschmerzen sind meist erheblich, werden durch körperliche Aktivität verstärkt und es treten die schon oben beschriebenen Begleitsymptome auf. Die Migräneattacke dauert meistens einige Stunden, kann bei manchen Patienten jedoch auch bis zu 3 Tage andauern.

Auslöser eine Migräneattacke können Stress sein, hormonelle Schwankungen, üppige Mahlzeiten, Wetterwechsel, unregelmäßiger oder zu wenig Schlaf, bestimmte Duftstoffe, grelles Licht, Alkohol, Hitze, Nahrungsmittel, Sport, Sex und auch Zigarettenrauch.

Spannungskopfschmerzen sind nach der Migräne die häufigste primäre Kopfschmerzform. Sie kommen episodisch, das heißt an einem bis mehreren Tagen pro Monat oder auch chronisch, das heißt an fast allen Tagen des Monats auf. Risikofaktoren für Spannungskopfschmerzen sind psychischer und sozialer Stress, muskuläre Verspannungen, Kaustörungen, Schlafstörungen oder Infekte. Man geht davon aus, dass das Zusammenspiel zwischen Schmerzrezeptoren und der Empfindung bzw. Kontrolle durch das zentrale Nervensystem gestört ist.

Ursachen für sekundäre Kopfschmerzen sind z. B. Hirnhautentzündungen, Kopfschmerzen bei allgemeinen Infektionen, Kopfschmerzen bei Nasennebenhöhlenentzündungen, Gefäßentzündungen, Kopfschmerzen bei Thrombose von Hirnvenen, Kopfschmerzen nach Unfällen mit Schädel-Hirn-Trauma, Kopfschmerzen bei Hirntumoren, bei Schlaganfall oder Hirnblutungen. Manche Kopfschmerzen entstehen auch durch die dauerhafte Einnahme von Kopfschmerzmedikamenten.

Sehr wichtig ist natürlich, wann man sich ärztlich beraten oder behandeln lassen sollte und wann auch Untersuchungen, wie z. B. CT oder MRT gemacht werden sollten. Grundsätzlich ist zu sagen, dass man bei plötzlichem Auftreten extrem starker Kopfschmerzen auf jeden Fall ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollte, aber auch bei einem sehr untypischen Verlauf, wenn Kopfschmerzen nicht auf Medikamente ansprechen, wenn bekannte Kopfschmerzen sich plötzlich ändern oder stark an Intensität zunehmen oder gar nicht mehr nachlassen. Wenn während der Kopfschmerzen Ausfallerscheinungen auftreten, wenn Fieber, Nackensteife oder eine Bewusstseinsstörung hinzutreten oder wenn gar epileptische Anfälle im Rahmen von Kopfschmerzen auftreten, sollte natürlich unmittelbar Hilfe geholt werden.

Bei den meisten primären Kopfschmerzarten sind auch allgemeine Maßnahme wie z. B. Ausdauersport, Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Biofeedbackverfahren, ausführliche Informationen über die Krankheit und ggf. auch Psychotherapie wirksam. Medikamente können zur akuten Schmerztherapie, aber auch zur Vorbeugung von Kopfschmerzen eingesetzt werden.

Insgesamt ist zu sagen, dass Kopfschmerzen viele Ursachen haben können und meistens harmlos sind. Ungewöhnliche Beschwerden erfordern jedoch manchmal sofortige Diagnostik und Behandlung. Eine gründliche Untersuchung ist wichtig und man sollte sich die richtigen Experten suchen.

Über den Autor

Prof. Dr. Klaus-Dieter Böhm
Prof. Dr. Klaus-Dieter Böhm

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