Von X - und O - Beinen

Nicht jeder Mensch hat schöne gerade Beine. Fehlstellungen sind häufig und werden selbst bei Sportlern, z. B. O-Beine bei Fußballspielern gelegentlich beobachtet. Die Gründe liegen in einer Veränderung der Beinachse.

Die Beinachse verläuft von dem oberen Sprunggelenk über das Knie bis zur Hüfte. Bei einer physiologischen Beinachse kann man eine gerade Linie/Achse genau durch die drei Gelenke ziehen, ohne dass Abweichungen von der Achse zu erkennen sind. Bei einer Instabilität der Beinachse sieht man Abweichungen der Gelenke in verschiedenen Ebenen/Richtungen. Diese Achsfehlstellung beginnt am Sprunggelenk (meist Knick-Senk-SpreizFuss genannt). Das Kniegelenk zeigt hier häufig die sichtbar größten Fehlstellungen. Man unterscheidet am Knie zwischen O-Bein (Varus-Stellung) und X-Bein (Valgus-Stellung). Bei einem O-Bein handelt es sich um eine Verschiebung des Knies nach Außen, bei einem X-Bein um eine Verschiebung nach Innen. Am Hüftgelenk setzt sich die Achsfehlstellung fort.


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Welche Beschwerden können bei Fehlstellung der Beinachse auftreten.

Eine Fehlstellung der Beinachse kann zu Schmerzen in den verschiedenen Gelenken des Beines führen. Bei Nichtbehandlung kann sich daraus eine Knie-, oder Hüftarthrose entwickeln. Oft führt eine Achsfehlstellung auch zu Rückenschmerzen. Häufig sind die Symptome nach sportlicher Belastung intensiver und deutlich spürbar.


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Wie kommt es zu einer Fehlstellung?

Ursachen für eine Beinachsenfehlstellung sind vielschichtig meist ist eine Dysbalance der Muskulatur damit verbunden.

Welche Muskulatur zieht das Bein in die Fehlstellung?

Hier zeigt sich sehr häufig eine deutliche Verkürzung der Muskulaturgruppe der Oberschenkelinnenseite (Adduktoren) und der tiefen Hüftbeugemuskulatur (M. Psoas), natürlich sind auch andere Muskelgruppen involviert. Klassischerweise zieht eine Verspannungskette von Muskelgruppen und Faszien bereits beginnend an der Fußsohle weiter über das Sprunggelenk dann zum Knie und Hüftgelenk sowie Beckenbereich bis hin zum Schultergürtel oder gar zum Nackenbereich. Oft wechselt im Bereich des Beckens oder Schultergürtels die Verspannungskette die Seite.

Wie kann man die Fehlstellung korrigieren?

Üblicherweise genügt es nicht lediglich das betroffene Bein zu behandeln, sondern man wird die Muskelfascienstruktur des gesamten Körpers in Augenschein nehmen und therapieren. Weil wie beschrieben, die Muskeldysbalance sich durch den ganzen Körper zieht. So dass auch die Rücken-, Schulter- und Halsmuskulatur mit ihren Faszien wieder ausgeglichen werden sollten. (Anmerkung: Über Muskulatur und Faszien wurde bereits in einer vorigen Ausgabe des Gesundheitskompasses berichtet).

Diese Ausgleichsbehandlung ist wichtig um ein langanhaltendes Behandlungsergebnis zu erreichen.

Kann man die Fehlstellung auch mit Krafttraining korrigieren?

Eine Fehlstellung der Muskulatur bedeutet ein asymmetrisches Kräfteverhältnis zwischen den Muskelpartnern (Agonist und Antagonist bzw. Spieler und Gegenspieler). Wenn diese Asymmetrie zwischen rechter und linker Körperseite besteht, wird sich das bestehende ungleiche Kräfteverhältnis beim Krafttraining eher verstärken.

Ist jedoch nach den osteopathischen oder anderen Körperbehandlungen der Ausgleich der Muskulatur und der Faszien wieder hergestellt, so kann mit spezifischem Aufbautraining der gesamten Muskulatur begonnen werden.

Wie ist die Prognose:

Bei Kindern und Jugendlichen sollte rechtzeitig mit der Therapie begonnen werden, sie ist oft mit wenigen Behandlungen erfolgreich abgeschlossen, zum Stabilisieren sollten sie allerdings mit kleinen Übungen zuhause weitermachen.

Bei Erwachsenen, je nach Alter, wenn der Gelenkknorpel noch nicht so sehr beeinträchtigt ist, ist die Chance nach einer Behandlungsserie auf bessere Befindlichkeiten bzw. Schmerzfreiheit günstig.

Ist der Knorpel jedoch durch langanhaltende Fehlstellung bereits beeinträchtigt, z. B. des Hüft- oder Kniegelenkes, so ist mindestens eine Linderung bzw. eine Verlangsamung des bereits beginnenden Arthroseprozesses gegeben.

Atrophierter Knorpel in einem Gelenk baut sich durch Eigendynamik nicht wieder auf. Je rechtzeitiger eine spezifische Behandlung mit einem genau abgesprochenem Übungsprogramm begonnen wird, desto besser sind die Behandlungsergebnisse.

Über den Autor

Claudia Agne

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Aktuelle Ausgabe2/2018