Schlafapnoe – Atemlos durch die Nacht

Der nächtliche Schlaf ist für den Körper die Phase, in der er sich von den Strapazen des Tages erholen sollte. Nicht selten rauben einem dennoch Sorgen, Lärm oder Stress den Schlaf und das Gefühl am Morgen liegt fernab von erholt und ausgeschlafen. Was ist jedoch, wenn man ausreichend Schlaf bekommt und sich trotz allem morgens wie gerädert fühlt? Für immer mehr Menschen in der Bevölkerung lautet dann die Diagnose: obstruktive Schlafapnoe. Ob Helene Fischer die Auswahl des Namens für ihren Titel in Anlehnung an die Erkrankung getroffen hat, kann bezweifelt werden. Zweifelsfrei ist man jedoch in der Annahme, dass zahnärztliche Unterkieferschienen in der Therapie der Erkrankung nicht mehr weg zu denken sind. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Erkrankung, insbesondere im Hinblick auf die zahnärztlichen Therapiemöglichkeiten dazu.

Was ist obstruktive Schlafapnoe?

Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es zu einer wiederkehrenden Verengung (=Obstruktion) der oberen Atemwege während des Schlafes. Ursächlich dafür ist eine Erschlaffung der Muskulatur im oberen Atemtrakt, wodurch sich der Atemweg verengt oder ganz blockiert werden kann. Während des Schlafes bekommen die Betroffenen schlechter Luft, haben eine flache Atmung und es kommt zu Atemaussetzern – oft ohne, dass es die Erkrankten bemerken. Für Außenstehende äußert sich die Erkrankung der Betroffenen unter anderem durch laute Atem-/Schnarchgeräusche. In Deutschland leiden schätzungsweise 5% der Männer und 3% der Frauen unter einer obstruktiven Schlafapnoe.

Symptome, die auf eine Erkrankung hindeuten können, sind starke Müdigkeit am Tag, Konzentrationsstörungen, trockener Mund beim Aufwachen, plötzliches Erwachen nachts (manchmal mit Herzrasen und Luftnot) oder nächtliches Schwitzen und häufiges Wasserlassen.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Obstruktive Schlafapnoe entsteht, wenn die Muskulatur des oberen Atemtraktes erschlafft und sich der obere Atemweg verengt oder gar blockiert wird. Folglich ist die Atmung gestört und die Versorgung des Blutes mit Sauerstoff minimiert. Bei vermindertem Sauerstoffgehalt im Blut geht vom Gehirn ein Alarmsignal aus – man wacht kurz auf, meist ohne es zu merken. Das Herz beginnt schneller zu schlagen und der Blutdruck schnellt in die Höhe. Wiederholt sich dieses Phänomen mehrmals in der Nacht, so kann der Körper zu keiner Zeit in die für einen erholsamen Schlaf so wichtige Tiefschlafphase eintauchen.

Neben anatomischen Gegebenheiten im Mund- und Rachenraum, wie kleiner Unterkiefer, große Rachenmandeln und Lage der Zunge, kann auch starkes Übergewicht oder übermäßiger Alkoholkonsum die Erkrankung begünstigen. Eine Rückenlage im Schlaf kann Schlafapnoe fördern, aber wird nie als alleinige Ursache für die Erkrankung gesehen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bei leichter Ausprägung der Schlafapnoe können konservative Maßnahmen, wie Gewichtsreduktion, Vermeidung der Rückenlage beim Schlafen oder verminderter Alkoholkonsum verfolgt werden.

Bei einem schweren Grad der Erkrankung findet die sogenannte CPAP-Therapie („continuous positive airway pressure“ – dt. kontinuierlicher Atemwegsüberdruck) Anwendung. Hierbei wird über eine Schlafmaske mit einem leichten Überdruck Raumluft in die Atemwege gepumpt, sodass die oberen Atemwege offen gehalten werden können.

Kann mich mein Zahnarzt therapeutisch unterstützen?

Ja, kann er. Gemäß medizinischer Leitlinie wird empfohlen, bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe eine sogenannte „Unterkieferprotrusionsschiene“ zu tragen. Diese individuell angepasste Schiene sorgt dafür, dass der Unterkiefer weiter vorne gehalten wird und zu keiner Zeit, unabhängig von der Schlafposition, nach hinten „rutscht“. Hierdurch wird der obere Atemweg mechanisch offen gehalten. Gleichzeitig wird verhindert, dass die Zunge in Richtung Rachen verlagert wird.

Wie sieht die Schiene aus?

Die Schiene ist ein zweiteiliges System, dass sowohl im Ober-, wie auch im Unterkiefer getragen wird. Die transparenten Ober- und Unterkieferschienen sind über einen kleinen Steg miteinander verbunden, sodass der Unterkiefer vom Oberkiefer in vorderer Position gehalten wird. Dennoch lässt sich der Mund normal öffnen und sprechen oder trinken ist weiterhin möglich.

Wie läuft die Behandlung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene ab?

Eine Unterkieferprotrusionsschiene muss von einem behandelnden Schlafmediziner verordnet werden. Eine Verordnung ist nur möglich, wenn eine CPAP-Therapie mit Schlafmaske nicht erfolgreich eingesetzt werden kann. Ist dies der Fall, so steht der Anfertigung der Schiene nichts im Weg. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt nimmt für die Anfertigung der Schiene einen Abdruck vom Ober- und Unterkiefer, bevor der Zahntechniker die Herstellung der Schiene beginnt.

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