Übertragungswege von Infektionserregern Teil 3

Mikroorganismen sind kleinste, mit bloßem Auge unsichtbare Lebewesen, die überall in der Umwelt vorkommen und Menschen, Tiere und Pflanzen besiedeln. Die meisten Bakterien, Viren und Pilze sind für den Menschen nicht gefährlich und stellen ein Mikrobiom, d. h. eine Zusammensetzung von „guten Bakterien“ dar, die für uns nützlich sind und unseren Körper vor schädigenden Umweltfaktoren schützt. Einige Mikroorganismen besitzen jedoch krankmachende Eigenschaften und verursachen bei Menschen und Tieren eine Erkrankung, wenn sie in den Körper eindringen. Dies wird Infektion genannt. Um uns vor Infektionen besser schützen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie die Erreger in den Körper gelangen.

 

Übertragung durch Blut oder Sexualkontakt

Über die Genitalschleimhaut werden sexuell übertragbare Erkrankungen weitergegeben. Eine Infektion entsteht, wenn der Erreger beim Geschlechtsverkehr in den Körper des anderen Partners gelangt. Die Syphilis, die Gonorrhö und Chlamydieninfektion werden durch Bakterien ausgelöst. Zu viralen Erregern gehören HIV, Hepatitis B, Herpes- und Papilloma-Viren. Über den Geschlechtsverkehr werden Pilze (Candida-Infektion) und Parasiten, z. B. Trichomonaden übertragen. Über direkten Blutkontakt können einige sexuell übertragbare Erkrankungen verbreitet werden, wie HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C, z. B. durch die gemeinsame Nutzung von Spritzbestecken beim Drogenkonsum. Zur Vorbeugung von sexuell übertragbaren Infektionen dienen in erster Linie Kondome. Diese schützen vor einer HIV-Infektion und senken das Risiko, sich mit anderen Infektionen anzustecken. Kondome bieten jedoch keinen 100-Prozentigen Schutz. Daher ist es wichtig sich bei Symptomen testen zu lassen. Die Krankenkassen bieten jungen Menschen auch ohne Symptome einmal im Jahr ein Screening auf Chlamydien. Auch während der Schwangerschaft sind mehrere Tests auf sexuell übertragbare Erkrankungen vorgesehen. Über das Portal „Mein Direktlabor“ des Bioscientia Labor Mittelhessen besteht die Möglichkeit sich testen zu lassen z. B. über Blut (Antikörpernachweis) oder durch Direktnachweis der Erreger mittels PCR aus Urethral Abstrich oder Urin.

Gegen Hepatitis B und Humane Papilloma-Virus (HPV) stehen wirksame Impfungen zur Verfügung. Die Impfung gegen HPV wird allen Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 14 Jahre empfohlen. Die Immunisierung gegen Hepatitis B beginnt bereits im Säuglingsalter. Zur Prophylaxe von HIV-Infektion gibt es seit einigen Jahren die medikamentöse Prä- und die Postexpositionsprophylaxe. Diese Medikamente werden zeitnah vor oder nach dem Risikokontakt eingenommen.

Übertragung durch Zecken und Stechmücken

Durch den Stich einer infizierten Zecke (Schildzecke, Holzbock) oder Stechmücke können Bakterien, Viren und Parasiten in die Blutbahn des Menschen injiziert werden. Die Erreger befinden sich im Speichel oder im Darm der Zecke/Mücke und werden beim Blutsaugen übertragen.

FSME-Virus, das für die Frühsommer-Meningoenzephalitis verantwortlich ist, wird durch die Zecke übertragen und löst eine Hirnhaut- und Gehirnentzündung aus. Die FSME-Viren sitzen im Stechapparat der Zecke und werden kurze Zeit nach dem Stich durch den Speichel der Zecke übertragen. Es gibt keine gegen FSME spezifische antivirale Therapie. Die Ärzte behandeln bei Erkrankung nur Symptome. Nach einer durchgemachten Erkrankung können Langzeitschäden wie Lähmungen bestehen bleiben. Daher wird für Risikogebiete in Deutschland eine Impfung gegen das FSME-Virus empfohlen. Aufgrund der Klimaerwärmung erweitern sich die Risikogebiete in Deutschland immer mehr nach Norden. Folgende Gebiete in Deutschland sind FSME-Risikogebiete: Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, einige Gebiete in Mittelhessen, Thüringen, Sachsen, einige Gebiete in Saarland, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.

Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung in Europa. Die Erreger werden als Borrelia burgdorferi sensu lato-Komplex bezeichnet, da mehrere Arten von Borrelien vorkommen. In Deutschland sind bis zu 35 % der Zecken Träger von Borrelien. Diese Zecken gibt es überall in Deutschland. Dadurch, dass das Klima immer wärmer wird, können Zecken das ganze Jahr aktiv bleiben und auf die „Jagd“ gehen. Für Ihre Stadium Entwicklung und Vermehrung brauchen Zecken eine Blutmahlzeit. Ein Zeckenstich führt in 1,5-6 % zu einer Übertragung von Erregern. Nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Erkrankung. Nur 1 % der Fälle entwickeln nach dem Zeckenstich innerhalb von 3 bis 30 Tagen Symptome: Erythema migrans (Wanderröte), Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Als Spätfolgen können Hirn-, Herzmuskelentzündung oder eine Lyme-Arthritis auftreten. Daher soll bereits bei ersten Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden. Anhand der Symptome im Zusammenhang mit dem Zeckenstich und Blutuntersuchung im Labor kann rechtzeitig die Diagnose gestellt und die Erkrankung antibiotisch behandelt werden. Eine Borrelien Impfung steht momentan nicht zur Verfügung.

Zur Vermeidung von Zeckenstichen bei Wanderungen im Wald oder auf der Wiese sollten lange und helle Kleidung getragen werden. Das Auftragen von Zecken- und Mückenabweisenden Mitteln ist empfehlenswert. Nach dem Spazierengehen muss der gesamte Körper auf Zecken abgesucht werden. Die Zecke soll möglichst bald vorsichtig von der Haut entfernt werden. Die Übertragung von Borrelien in den Wirtskörper erfolgt erst nach 24 Stunden nach dem Zeckenstich. Die Entfernung der Zecke in den ersten 12 Stunden nach dem Andocken verringert die Infektion deutlich.

Eine andere Art von Zecken, Hyalomma-Zecke oder Riesen-Zecke, kommt normalerweise in Afrika, Asien und Süpdeuropa vor. Im Jahre 2018 wurden diese auch in Deutschland gefunden. Die Zecken sind 5x größer als heimische Zecken, können mit Augen sehen und verfolgen aktiv ihre Opfer, meistens Pferde, Kühe und Hunde. Hyalomma-Zecken übertragen Viren, die das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber hervorrufen sowie die Bakterien von Zecken-Fleckfieber.

Durch intensiven Reiseverkehr und internationalen Warenaustausch werden „fremde“ Mückenarten in unsere Breitengrade eingeschleppt. Durch die Klimaerwärmung sind einige Arten von Stechmücken auch in unseren Regionen heimisch geworden. Anopheles-Mücken, die Malaria übertragen können, kommen in tropischen, subtropischen und in gemäßigten Zonen vor, mittlerweile auch in Deutschland. Die Malariaparasiten werden bei Mückenstichen auf den Menschen übertragen.

Die asiatische Tigermücke kommt in Deutschland seit 2007 vor und hat sich hier gut adaptiert. Sie ist der wichtigste Überträger von Vieren die schweren Krankheiten beim Menschen hervorrufen:

  • Dengue-Fieber
  • West-Nil-Fieber
  • Chikungunya-Fieber
  • Zika-Fieber.

Zur Vermeidung von Mückenstichen kommen in erster Linie die persönlichen Schutzmaßnahmen zum Einsatz: topisch anwendbare Repellents in Form von Sprays, Aerosolen, Cremes, die auf die unbedeckte Haut aufgetragen werden und die Mücken abwehren.

Weitere Maßnahmen sind:

  • Insektizid Sprays für den Raum
  • Helle, schützende Kleidung, die Arme und Beine bedeckt
  • Moskitonetze, Insekten Gitter für Fenster
  • Systematische Vektorenbekämpfung, gesteuert von Regierungen und Organisationen, sowie regionale und überregionale Programme.

 

Über den Autor

Dr. med. Olga Keksel
Dr. med. Olga Keksel
Fachärztin für Mikrobiologie
Virologie und Infektionsepidermiologie
Krankenhaushygiene

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