Mammographie-Screening – Was ist das eigentlich?

 

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung von Frauen in Deutschland. Wie in vielen anderen europäischen Ländern reagierte auch Deutschland im Jahr 2002 auf diese Erkrankung. Mammographien sind Röntgenbilder der Brust, die dazu geeignet sind, Krebs in Form von verdichteten Zonen oder speziellen Formen von Verkalkungen in der weiblichen Brust zu erkennen. Deshalb wurde vor über 20 Jahren das flächendeckende Mammographie-Screening-Programm eingeführt. Grundlage hierfür ist ein Einladungssystem: Alle Frauen in Deutschland zwischen 50 und 69 Jahren werden hierbei in 2-jährigen Intervallen zur Mammographie in insgesamt 95 bundesweit verteilte, spezialisierte Zentren eingeladen. Teilnehmen sollen nur beschwerdefreie Frauen und Frauen, die bis dahin keine bösartige Brusterkrankung hatten. Für die meisten Anteile Mittelhessens ist z.B. das Zentrum in Gießen zuständig (Programmverantwortliche Ärztin ist Dr. Karin Bock, Referenzzentrum Südwest). Die Untersuchung erfolgt durch speziell ausgebildete Teams. Die Qualitätsanforderungen für die Röntgenassistentinnen, die Technik und die Befundung sind hoch und werden regelmäßig überprüft.

In der Regel darf eine Röntgenuntersuchung nur dann durchgeführt werden, wenn ein Patient erkrankt ist oder der Verdacht auf eine Erkrankung besteht. Um die Mammographie im Rahmen des Screenings durchführen zu können, war deshalb eine spezielle Gesetzgebung notwendig. Zuvor musste in sehr großen Studien nachgewiesen werden, dass das Screening-Programm sinnvoll ist und sich das Überleben von Brustkrebspatientinnen statistisch verlängert.

Welche Vorteile bietet das Mammographiescreening für Frauen, die daran teilnehmen?

  • Hohe Qualität – Das Know-how und die Technik ist spezialisiert und wird regelmäßig überprüft
  • Doppelbefundung – Jede Mammographie wird von mindestens zwei erfahrenen Ärztinnen oder Ärzten begutachtet, bei unterschiedlichen Meinungen wird die Untersuchung in einer Konferenz zu dritt beurteilt
  • Erfahrung – Teilnehmende Befunder müssen mindestens 5.000 Mammographien pro Jahr beurteilen und die Qualität ihrer Befundung regelmäßig in Prüfungen beweisen.

Es wird etwas entdeckt - was passiert im Verdachtsfall?

Das sagt die Statistik: Bei 30 von 1.000 Frauen wird in der Mammographie ein auffälliger Befund entdeckt und durch eine weitere Aufnahme oder in einem Ultraschall abgeklärt. Bei nur 11 Frauen bleibt ein Verdacht bestehen und es wird eine Gewebeentnahme durchgeführt. 6 von 1.000 Frauen erhalten dann die Diagnose Brustkrebs. Hierbei ist zu betonen, dass es sich um Frauen handelt, die ohne Beschwerden an dem Programm teilgenommen haben und deren Krebs hierdurch frühzeitiger erkannt werden konnte. Statistisch können ungefähr zwei bis sechs von 1.000 Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden.

Zusammenfassung

Das Mammographie-Screening-Programm ist eine Reihenuntersuchung der Brust von Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren durch Röntgenaufnahmen zur Früherkennung von Brustkrebs. Die Wirksamkeit dieses Programms wurde wissenschaftlich bewiesen. Frauen, die am Programm teilnehmen, erhalten Untersuchung und Beurteilung in hoher, gesicherter und regelmäßig geprüfter Qualität. Kosten kommen auf die gesetzlich versicherten Teilnehmerinnen nicht zu. Bei Privatversichterten Patientinnen erfolgt die Abrechnung wie bei anderen medizinischen Leistungen auch.

 

Weitere Informationen:

referenzzentrum-suedwest.de

mammo-programm.de

bundesgesundheitsministerium.de/service/begriff-von-a-z/m/mammographie-Screening.html

Über den Autor

Prof. Dr. Jutta Peters
Prof. Dr. Jutta Peters
Oberärztin Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Wetzlar

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