ISG Dysfunktion
aus der Sicht der Osteopathie

Jeder von uns hat schon mal von einem „Hexenschuss“ gehört oder am eigenen Leibe erfahren. Eine mögliche Ursache kann die Blockade im Iliosacralgelenk (ISG) sein. Das Gelenk wird gebildet von der rechten und linken Darmbeinschaufel (Ossa Ilii) und dem dazwischen liegenden Kreuzbein (Os Sacrum). Diese ISG Gelenke bilden quasi Übergangszone zwischen unteren Extremitäten, dem Becken und der Wirbelsäule.

So, wie auch jede andere Übergangszone im Körper, sind die ISG Gelenke für Dysfunktionen (DF) vermehrt anfällig. Hinzu kommt, dass die Gelenke selbst nur muskulär und mit Bändern gesichert werden. Dies führt dazu, dass die Gelenke sich leicht verschieben und blockieren können.

Mögliche Erklärungen für ISG DF sind:

1. Fehlstellung des ISG´s aufgrund einer Muskelkettenreaktion. Es sind hintereinander geschaltete Muskeln, die eine Art Muskelkette bilden, die z.B. von den unteren Extremitäten nach oben zum Rumpf verlaufen.

Bei Verspannungen der Muskulatur, egal ob als aufsteigende oder absteigende Kettenreaktion, kann es zur Blockade im ISG kommen.

Eine Ursache für eine aufsteigende Kettenreaktion könnte z. B ein Trauma der unteren Extremität sein, wie z.B. das Umknicken des Sprunggelenkes beim Joggen: hierbei gerät das Wadenbein in eine Fehlstellung. Das Wadenbein wiederum steht über eine Muskelkette in direkter Verbindung mit den Beckenschaufeln, wodurch es zu ISG DF .kommen kann.

Allgemeine Fuß- und Kniefehlstellungen (Plattfuß, X-Bein usw.) können ein weiteres Problem für das ISG darstellen. Hier haben wir es mit einer geänderten Beinachse zu tun, die wiederum Einfluss auf die Position von Darmbein und Kreuzbein nimmt, was die Anfälligkeit des Gelenkes erhöht.

2. Fehlstellungen des ISG´s aufgrund von Spannungen im Bereich der inneren Organe

Blase, Gebärmutter, Prostata und Darm werden von einer bindegewebigen Platte (fasziale Aufhängung) beiderseits in ihrer Position gehalten und von unten zusätzlich von der Beckenbodenmuskulatur abgestützt. Diese Sehnenplatte und die Beckenbodenmuskulatur haben ihren Ansatz u.a. am Kreuzbein und beiden Schaufelbeinen. Eine Blasenentzündung, eine Positionsänderung der Gebärmutter (Senkung, Kippung), Myome, Zysten sowie eine operative Entfernung der Gebärmutter, all dies kann Spannungsänderungen im Bindegewebe bzw. im Muskel- und Faszialsystem des Beckens zur Folge haben. Dies wiederum kann eine ISG Blockade nach sich ziehen.

Hierzu zwei Beispiele: Wenn es zu immer wiederkehrenden Blockaden des ISG´s kommt, dann kann eine schon längst vergessene Blinddarmoperation der Grund dafür sein. Ein entzündeter Eierstock, kann das umliegende Bindegewebe verkleben lassen und somit wieder über die fasziale Aufhängung eine Auswirkung auf Ebene des ISG´s haben.

3. Fehlstellungen des ISG`s aufgrund der Cranio-Sacralen Wechselwirkung

Es besteht über die Dura mater, die Gehirnhaut, eine direkte Verbindung zwischen Kreuzbein und Schädel. Diese Dura mater verlässt den Schädel und verläuft weiter nach unten innerhalb des Wirbelsäulenkanals (sie umhüllt quasi Gehirn und Rückenmark). Die Dura mater ist mit jedem Foramen intervertebrale (der Austrittstelle der Nerven aus dem Wirbelkanal), mit feinsten „Bändern“ verbunden und verlässt diesen Kanal quasi mit jedem einzelnen Nerv in Form der Nervenscheide. Auch am Steißbein hat sie ihre Anheftung. Bei Spannungsänderungen der Dura mater z. B. durch Schädeldeformitäten, Traumen usw., kann es zu DF an den jeweiligen Wirbelsäulenabschnitten kommen. Besonders spürbar ist dies im Bereich der oberen Halswirbelsäule, sowie am Steißbein, da sich hier die Befestigung etwas stärker strukturiert hat. Eine Problematik kann sich hier sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben aufbauen, wie z. B. bei einem Sturz auf das Steißbein.

Wie sie sehen, es gibt viele Ursachen, die für eine ISG Problematik sorgen können bzw. Probleme, bei denen das ISG involviert ist. Ziel der Osteopathie ist es die Ursache zu finden, um wiederkehrenden Blockaden des ISG´s zu vermeiden.

Über den Autor

Alexander Emrich
staatl. anerk. Osteopath, Heilpraktiker Osteopathiepraxis am Hausertor
Aktuelle Ausgabe2/2018